Ich bin Fuß­baller und ich bin schwul.“ Ein simpler Satz. Und doch trägt er eine unge­heure Wucht in sich. Der Aus­tra­lier Josh Cavallo hat ihn nun aus­ge­spro­chen. In einem auf­wendig insze­nierten Video, das sein Arbeit­geber, der Erst­li­gist Ade­laide United, über Social Media gepostet hat. Es dürfte vielen Men­schen Mut machen.

Der knapp drei­mi­nü­tige Auf­sager ist mit nur einem Satz ver­sehen: Josh’s Truth“. Das Video beginnt mit einer Sequenz, in der Josh Cavallo mit den Tränen ringt. Dann fasst er sich und redet ent­schlossen, der Blick in die Kamera gerichtet, Kla­vier­musik unter­legt seine Worte. Und dann spricht er diesen Satz ein­fach aus: Ich bin Fuß­baller und ich bin schwul.“

Josh Cavallo ist 21 Jahre alt. Um seinen Traum vom Pro­fi­fuß­ball nicht zu gefährden, habe er seine Homo­se­xua­lität ver­heim­li­chen wollen. Er glaubte, diese zwei Welten wären nicht ver­einbar: Was er liebt und wen er liebt. Fuß­ball und Männer. Ich hatte immer erwartet, dass die Leute anders über mich denken, mich anders behan­deln“, sagt er. Sechs Jahre lang hat er gegen seine Sexua­lität ange­kämpft. Als er sich schließ­lich vor seiner Familie, seinen Freunden und seinen Mann­schafts­kol­legen geoutet habe, sei die Unter­stüt­zung immens gewesen. Warum habe ich so lange ver­sucht, es zu ver­heim­li­chen?“, fragt sich Cavallo heute.

Mit seinem Coming-out ist der Aus­tra­lier der ein­zige aktive Fuß­baller, der in einer ersten Pro­fi­liga spielt und offen schwul ist. Er hofft, mit seinem Video­state­ment dazu bei­tragen zu können, dass Homo­se­xua­lität im Pro­fi­fuß­ball nicht weiter tabui­siert wird. Er wisse, es gäbe einige andere Spieler, die ein Dop­pel­leben haben und in Stille leben – so wie er es jah­re­lang gemacht hat.

Der erste aus­tra­li­sche Fuß­baller, der sich als schwul outete, war Andrew Brennan. 2019 hatte er in einem Inter­view über seine Homo­se­xua­lität gespro­chen, kurz darauf been­dete er seine aktive Kar­riere. In Ame­rika gibt es fünf aktive oder ehe­ma­lige Pro­fi­fuß­baller, die offen homo­se­xuell sind. In Deutsch­land keinen ein­zigen aktiven. 

Josh Cavallo selbst bezeichnet den ehe­ma­ligen Fuß­baller Thomas Beattie als Vor­bild. Der Eng­länder hatte sich im ver­gan­genen Jahr, nachdem er seine Pro­fi­kar­riere been­dete, als homo­se­xuell geoutet. Im aus­tra­li­schen Fern­sehen erzählt Cavallo, er und Beattie hätten sich dar­aufhin getroffen, Cavallo habe ihm rein gar nichts erklären müssen. Wir haben genau das gleiche Leben geführt“, sagt er, macht eine kurze Pause und fügt an: Ein Leben voller Lügen.“

Ihr könnt auf uns zählen Coming-Out im Fußball

Stell Dir vor, ein schwuler Fuß­ball­profi hat sein Coming-out und es macht keine Schlag­zeilen. Uto­pisch? Hier ver­si­chern über 800 Spie­le­rinnen und Spieler ihre Soli­da­rität.

Es endet hier. Keine Lügen mehr, kein Ver­ste­cken, keine Dun­kel­heit. Und wer die Reak­tionen auf Cavallos Video in den Kom­men­tar­spalten bei Twitter und Insta­gram sieht, der bekommt zumin­dest die Ahnung, die männ­liche Fuß­ball­welt sei nun tat­säch­lich für homo­se­xu­elle Lebens­kon­strukte bereit. Dort finden sich keine Kom­men­tare von Bigot­terie und Hass, son­dern Wellen von Zusprü­chen, Akzep­tanz und Soli­da­rität.

Thomas Hitzl­sperger hatte noch vor wenigen Wochen in der Augs­burger All­ge­meinen gesagt, das Gequat­sche, man könne das als Spieler nicht ris­kieren, weil die Fans oder Spon­soren negativ reagieren könnten: Das ist nicht mehr zeit­gemäß. Die Fans sind viel weiter.“

Er könnte Recht behalten. Josh Cavallo ist Fuß­baller und er ist schwul. Und das hat er ein­fach gesagt.

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