In der Ahnen­ga­lerie der Anti-Helden und Nicht-Stars beim FC St. Pauli war Leo­nardo Cae­tona Manzi mit Abstand der schil­lerndste. Als der Bra­si­lianer im Sommer 1989 im Hafen­viertel anlan­dete, schien sich die uner­füllte Sehn­sucht der Kiez­be­wohner nach großer weiter Fuß­ball­welt zu erfüllen. Mit dem gemei­ßelten Perl­weiß­lä­cheln, seinem knuf­fligen Par­ty­gemüt und den statt­li­chen 1,87 Metern wirkte Manzi wie ein Chef-Ani­ma­teur vom Robinson Club. So ein Sun­nyboy musste doch eine hei­lige Allianz mit dem Leder bilden.

Doch schnell wurde deut­lich, dass der ver­meint­liche Ästhet vom FC Santos allen­falls die Kör­per­be­herr­schung eines Matrosen auf Land­gang besaß. Manzi stol­perte über die eigenen Beine. Laut­stark gefor­derte Zuspiele sprangen ihm auch in nied­riger Geschwin­dig­keit vom Fuß. Und hatte er mal wieder eine Chance ver­siebt, quit­tierte er sein Mal­heur mit einem töl­pel­haften Gesichts­aus­druck, der die auf­bran­dende Wut der Fans post­wen­dend in Mit­leid ver­wan­delte. Allen war klar: Dem Verein, der nie mit fuß­bal­le­ri­schem Glanz gesegnet war, war es gelungen, den ein­zigen Bra­si­lianer zu ver­pflichten, der nahezu frei von fuß­bal­le­ri­schem Talent war. In der Manzi-Ära mani­fes­tierte sich ein Fata­lismus am Mill­erntor, der es dem St.-Pauli-Anhang bis in die Gegen­wart ermög­licht, sport­li­chem Unver­mögen mit Empa­thie und Froh­sinn zu begegnen.

Er rief: Scheiß St. Pauli, scheiß St. Pauli“

Bereits in seiner ersten Spiel­zeit auf dem Kiez avan­cierte Manzi zum etat­mä­ßigen Ergän­zungs­spieler. In 122 Pflicht­spiel­ein­sätzen für den FC St. Pauli bis 1996 spielte er nur 23 Mal durch. Seiner guten Laune tat das keinen Abbruch. Im ver­qualmten Club­heim tanzte er selbst nach Nie­der­lagen Samba, und er lud Fans zum Ree­per­bahn­bummel ein. In der Schä­fer­kamp­s­allee lebte der Mann aus Goiânia allein mit acht Zebra­finken, die er frei in der Woh­nung fliegen ließ. Obwohl er sich in sieben Jahren Ham­burg kaum Deutsch­kennt­nisse aneig­nete, ent­wi­ckelte er ein gutes Gespür für die Ironie der Pau­lianer. Sah er Pas­santen im Toten­kopf-Pulli, rief er ihnen hin­terher: Scheiß St. Pauli, scheiß St. Pauli“.