Seite 2: Fieses Spielsystem und ein fehlgeschlagener Plan

3. Chel­seas fieses 5−2−3

Dass Guar­diola sein Stan­dard­system per­so­nell völlig neu bestückte, dürfte an den Erfah­rungen der ver­gan­genen Wochen gelegen haben. Tuchel hatte Guar­diola bereits zweimal aus­ge­coacht: im FA-Cup-Halb­fi­nale (1:0) wie auch in der Liga (2:1). Der Garant für den Erfolg: Chel­seas 5 – 2‑3-System, gegen das City keine Lösungen fand.

Auch im Cham­pions-League-Finale setzte Tuchel erneut auf ein 5−2−3. Dieses ist äußerst schwer zu kna­cken. Vorne können die drei Angreifer die Pass­wege des Geg­ners lenken. Ziehen sich die Außen­stürmer weit zurück, kann wie­derum ein tiefes 5−4−1 ent­stehen. Das ist so kom­pakt, dass es kaum zu umspielen ist.

Chel­seas größte Stärke sind aber zwei andere Fak­toren. Faktor eins: das Her­aus­rü­cken der Innen­ver­tei­diger. Diese ver­folgen die geg­ne­ri­schen Stürmer. Dank der Fün­fer­kette ent­stehen keine Lücken im Abwehr­ver­bund. Mit diesem Her­aus­rü­cken tat sich City schwer in den ver­gan­genen Spielen. Guar­diolas Kalkül: Mit spiel­stär­keren, fal­schen Stür­mern ließe sich das geg­ne­ri­sche Her­aus­rü­cken besser umschiffen.

Faktor zwei: N’Golo Kanté. Chel­seas Jäger im Mit­tel­feld ver­fügt über ein exzel­lentes Timing. Guar­diola wollte sicher­stellen, dass sein Mit­tel­feld offensiv und pass­stark ein­ge­stellt ist. Das half aber nichts: Kanté war auch in diesem Spiel die zen­trale Figur, er fing mehr Pässe ab als jeder andere Chelsea-Akteur.

4. Ste­cken­ge­blieben im dritten Gang

Guar­diolas Ände­rungen im Ver­gleich zu den Vor­wo­chen waren zumin­dest theo­re­tisch ver­ständ­lich. Warum gegen Chelsea erneut das­selbe pro­bieren, was bereits zweimal schei­terte?

In der Praxis ent­puppte sich die per­so­nelle Wech­sel­orgie aber als Fehl­schlag. City wirkte an diesem Abend nicht ein­ge­spielt. Gerade wenn der Ball in die geg­ne­ri­sche Hälfte kam, fehlten dem Team Auto­ma­tismen. Ohne echten Stürmer man­gelte es den Angriffen zudem an Tiefe. Chel­seas Innen­ver­tei­diger konnten her­aus­rü­cken, ohne Angst zu bekommen, dass ein anderer Citizen in die Tiefe star­tete. Guar­diolas Plan ging nach hinten los.

5. Kon­ter­stärke made in Ger­many

Dass City gänz­lich auf einen gelernten Sechser ver­zich­tete, hatte wie­derum einen nega­tiven Effekt für die Defen­sive: Vor der Abwehr fehlte eine ord­nende Hand, gerade wenn der Gegner Tempo auf­nahm. Das gelang Chelsea im Ver­lauf der Partie immer häu­figer.

Mit Kai Havertz und Timo Werner spielten gleich zwei Deut­sche in Chel­seas vor­derster Linie. Sie star­teten sofort hinter die Kette, sobald Chelsea in die geg­ne­ri­sche Hälfte kam. Immer wenn es der eigenen Abwehr gelang, das Pres­sing der Citi­zens über die Außen­ver­tei­diger zu über­spielen, sprin­teten Havertz und Werner los. Der Sieg­treffer war eine Ko-Pro­duk­tion der Zwei: Werner öff­nete mit einem tiefen Lauf den Raum, Havertz besetzte die Spitze. Der 21-Jäh­rige ent­schied mit seinem Treffer das Finale zugunsten der Blues.

Und City? Sie fanden offensiv bis zum Schluss­pfiff kaum statt. Auch in der zweiten Halb­zeit hatte Chelsea die bes­seren Chancen, ihrer Kon­ter­stärke sei Dank. Guar­diola muss damit weiter auf seinen dritten Cham­pions-League-Sieg warten. Sein alter Aus­geh­freund Tuchel schlug ihn. Dieses Sze­nario haben die Beiden einst sicher nicht mit Salz­streuern und Wein­glä­sern nach­ge­spielt.