Seite 2: „Die heftigste Gänsehaut hatte ich beim Aufwärmen vor der Südtribüne"

Könnten Sie sich vor­stellen, haupt­be­ruf­lich als Co-Trainer oder Trainer zu arbeiten?
Auf jeden Fall. Das wäre mein Traum. Ich habe schon immer für den Fuß­ball gelebt. Zum Glück habe ich damals den­noch meine Aus­bil­dung zum Kauf­mann im Ein­zel­handel beendet, sodass ich ein zweites Stand­bein habe.

Wäh­rend Ihrer Aus­bil­dung gelang Ihnen der Sprung zu den Profis von Borussia Dort­mund. Wie haben Sie das geschafft?
Ich habe meine Aus­bil­dung in einem Sport­laden absol­viert. Als ich dann mit den Profis trai­niert und auch gespielt habe, hatte ich deut­lich weniger Zeit. Glück­li­cher­weise hat mir der BVB ange­boten, meine Aus­bil­dung in der Dort­munder Geschäfts­stelle fort­zu­setzen.

Heute spielst du von Anfang an, Salva“

Matthias Sammer zu Salvatore Gambino

Mat­thias Sammer holte Sie in die erste Mann­schaft. Einst sagten Sie über ihn: Er war der beste Trainer, den ich hatte.“ Was hat ihn so beson­ders gemacht?
Die Art und Weise, wie er mit mir gespro­chen hat, hat mich sehr beein­druckt. Er war ein großer Spieler, wusste also auch, wie er uns anpa­cken muss. Dabei hat er uns wich­tige Frei­heiten gewährt und Tipps gegeben, wie wir uns auch abseits des Platzes ver­halten sollen. Eine Sache ist mir dabei beson­ders in Erin­ne­rung geblieben: Er meinte, wir sollten uns nicht direkt ein großes Auto kaufen. Ins­ge­samt hat mich sein ganzes Auf­treten über­zeugt. Ich habe alles auf­ge­sogen.

Unter Sammer haben Sie auch ihr Bun­des­liga-Debüt gefeiert.
Genau, wir hatten ein Spiel zuhause gegen Ham­burg. Am Morgen kam er zu mir und meinte: Heute spielst du von Anfang an, Salva.“ Ich habe ihn nur ungläubig ange­schaut und gefragt: Wie?“ – Ja, heute spielst du.“ Ich habe dann sogar ein Tor vor­be­reitet und wir haben 3:2 gewonnen. Eine Woche später saß ich in Mün­chen 90 Minuten auf der Bank. Mat­thias Sammer wollte mich nicht ver­heizen, es ruhig angehen lassen. Wir haben 0:5 ver­loren. Einen Tag später habe ich für die Ama­teure getroffen. Beim nächsten Spiel gegen Lever­kusen durfte ich dann wieder von Beginn an ran und habe zwei Tore gemacht.

Zwei Tore im West­fa­len­sta­dion – da hatten Sie sicher Gän­se­haut.
Ja, aber die hef­tigste Gän­se­haut habe ich immer beim Auf­wärmen bekommen. Damals wurde noch jeder ein­zeln auf­ge­rufen und ist vor die Süd­tri­büne gegangen. Dieses Gefühl, dort vor der Wand zu stehen, tau­sende rufen deinen Namen. Mehr Moti­va­tion geht nicht, unglaub­lich!

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Sal­va­tore Gam­bino und sein För­derer Mat­thias Sammer.

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Beim BVB haben Sie auch David Odonkor ken­nen­ge­lernt. Mit ihm sind Sie nun schon lange eng befreundet.
David kenne ich schon seit ich 15 bin. Wir haben in der Jugend zusam­men­ge­spielt. Auch damals haben wir schon gemeinsam viel unter­nommen. Als er dann nach Spa­nien gegangen ist (zu Betis Sevilla, Anm. d. Red.), bin ich hin­ge­flogen und er hat mir alles gezeigt.

Ist so eine Freund­schaft im Kon­kur­renz­ge­schäft Pro­fi­fuß­ball normal?
Über­haupt nicht. Zumal wir auf der glei­chen Posi­tion spielten, eigent­lich Kon­kur­renten waren. Da kann eine Freund­schaft auch leicht mal zer­bre­chen. Bei uns war das zum Glück über­haupt nicht der Fall. Wenn der eine getroffen hat, hat sich der andere gefreut.

Sie waren beide häufig ver­letzt. Schweißt so etwas auch zusammen?
Einmal hatten wir gleich­zeitig eine grö­ßere Ver­let­zung und haben daher die Reha zusammen in Regens­burg absol­viert. Drei Monate schuften, drei, vier Behand­lungen pro Tag, mit spe­zi­ellen Trai­nern. Bei so einem Pensum muss man sich gegen­seitig immer wieder hoch­ziehen. Wenn einer einen Rück­schlag erlitten hat, war der andere da und hat ihn auf­ge­baut.

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Gam­bino mit Kumpel Odonkor.

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