Groß war die Empö­rung in Polen, als Robert Lewan­dowski nur den Trost­preis des besten Tor­jä­gers bekam. Der Ballon d’Or ging hin­gegen wieder an Lionel Messi. Der Bayern-Stürmer hätte es jedoch viel mehr ver­dient: Mehr Tore, mehr Tro­phäen, titelten uni­sono die Gazetten im Nach­bar­land. Ihr Robert, Natio­nal­held und Wer­be­ge­sicht, von den abstim­menden Jour­na­listen betrogen.

Auch Zbi­gniew Boniek, ehe­ma­liger Prä­si­dent des pol­ni­schen Fuß­ball­ver­bands, stimmte in den Sturm der Ent­rüs­tung mit ein: Robert wurde großes Unrecht getan! In den letzten zwei Jahren war er der beste Fuß­baller der Welt. Dass vor einem Jahr der Preis nicht ver­geben worden ist, war der größte Fehler des Jahres“, sagte er dem pol­ni­schen Radio­sender RMF FM.

Empö­rung auch im kleinen Städt­chen Wie­li­czka

Auch Kamil Jastrzębski, Stadtrat des kleinen Städt­chens Wie­li­czka, war ver­är­gert über den Aus­gang der Wahl am 30. November. Noch am selben Tag ent­warf er einen Reso­lu­ti­ons­ent­wurf über die Nicht­an­er­ken­nung des Ergeb­nisses von France Foot­ball“. Nur als Scherz gemeint, traf sein Vor­haben jedoch einen Nerv der pol­ni­schen Gesell­schaft.

Robert Lewan­dowski ist das Opfer einer großen Unge­rech­tig­keit geworden“, twit­terte Jastrzębski. Des­halb schlage ich als Stadtrat von Wie­li­czka vor, dass die Stadt sym­bo­lisch erklärt, dass Lewy der beste Fuß­baller der Welt ist.“ Schnell erreichte sein unge­wöhn­li­cher Antrag ganz Polen.

Aus der Wut folgt eine Idee

Ursprüng­lich wollte sich der Stadtrat nach Bekannt­gabe der Wahl damit nur abre­agieren und seinen Frust los­lassen, wie er auf Twitter erklärte. Zu tief saß bei ihm die Ent­täu­schung. Doch aus dem ursprüng­li­chen Vor­schlag ent­stand eine ernst­zu­neh­mende Idee.

Jastrzębski kün­digte an: Wie­li­czka wird wirk­lich etwas tun, was vor ein paar Stunden nur als ein kleiner Scherz gedacht war. Wir wollen Lewan­dowski sym­bo­lisch als den besten Fuß­baller der Welt aner­kennen und unserem Kapitän der Natio­nal­mann­schaft einen Ballon d’Or aus Salz über­rei­chen.“ Was sich zunächst nach einem noch viel grö­ßeren Scherz anhört, bekommt jedoch mit Blick auf das kleine Städt­chen einen tie­fer­ge­henden und nach­voll­zieh­baren Sinn.

Kein nor­males Salz­berg­werk

Wie­li­czka steht näm­lich nicht nur in Polen, son­dern welt­weit als Syn­onym für das dort ansäs­sige Salz­berg­werk. Das Welt­kul­tur­erbe der UNESCO gilt als eines der ältesten und bekann­testen Salz­berg­werke der Welt und ist mit etwa einer Mil­lionen Besu­chern jähr­lich einer der Tou­ris­ten­ma­gnete des Landes.

Bereits seit dem 13. Jahr­hun­dert wird dort Salz abge­baut und diente der pol­ni­schen Krone lange Zeit als wich­tige Ein­nah­me­quelle. Beson­ders bekannt ist die voll­ständig aus Salz errich­tete Kathe­drale unter Tage. Sitz­bänke, Kron­leuchter, Boden, Skulp­turen — alles aus Salz gefer­tigt. So erscheint es nur nahe­lie­gend, dass der ursprüng­liche Vor­schlag Jastrzębskis die Bewohner Wie­li­czkas schnell auf die Idee brachte, auch die Ballon‑d’Or-Trophäe aus Salz her­zu­stellen, dem für sie wert­vollsten Mate­rial.

Nicht ohne Stolz erklärte der Stadtrat in seiner Begrün­dung: Salz wurde früher als weißes Gold‘ bezeichnet, hat also auch seine his­to­risch-geo­gra­fi­sche Grund­lage.“ Unter dem Arbeits­titel Salz­ball“ bereitet Wie­li­czka das Pro­jekt gerade vor. Der Ballon de Sel“, der Ball aus dem weißem Gold, soll Lewan­dowski noch in diesem Jahr über­reicht werden.

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