Bei all dem medialen Tamtam, das heute ums Kicken gemacht wird, sollte man meinen, dass jede noch so kleine Ver­än­de­rung Schlag­zeilen pro­du­ziert. Und in gewisser Weise ist das ja auch so. Nicht nur die großen Neue­rungen – von der WM mit 48 Teams bis zum Video­be­weis – werden öffent­lich debat­tiert, bis der Mann­schafts­arzt kommt. Auch Rand­themen – von der Täto­wie­rungs­sucht bis zum fast völ­ligen Aus­sterben der schwarzen Fuß­ball­schuhe – schaffen es auf die Zei­tungs­seiten oder gar ins Fern­sehen.

Aber manchmal, wie zum Bei­spiel an diesem Samstag, ent­deckt man plötz­lich etwas, das einem lange – mög­li­cher­weise schon jah­re­lang – nicht auf­ge­fallen ist. Viel­leicht hätte ich es auch diesmal nicht bemerkt, wenn nicht a.) Winter und b.) ich vor­be­lastet wäre.

Das grüne Rätsel

Ich bin vor­be­lastet, weil mich vor einigen Wochen die Frage umtrieb, warum Ein­tracht Frank­furt im November 1979 gegen Feye­noord Rot­terdam in grünen Tri­kots spielte. Ein Erklä­rungs­an­satz besagte, dass die Hemden vom Gegner kamen. (Grün und Weiß sind die Stadt­farben von Rot­terdam, daher sieht Feye­noords Aus­weich­dress so aus.) 

Naiv dachte ich, diese Theorie könnte man rasch über­prüfen – und zwar durch einen Blick auf die Wappen. Es gibt ja zum Bei­spiel ein berühmtes Foto vom Nord­derby zwi­schen Ham­burg und Bremen im November 1971. In diesem Spiel wurde Werder in der Pause vom Schieds­richter auf­ge­for­dert, andere Hemden anzu­ziehen. Doch die Gäste hatten keinen zweiten Satz im Gepäck und mussten sich Leib­chen von den Haus­herren borgen – wes­halb nach dem Abpfiff beide Teams in Tri­kots mit der HSV-Raute vom Platz schlurften.

Reise ins ver­ges­sene Land 

Doch auf dem grünen Trikot der Frank­furter von 1979 war über­haupt kein Wappen. Und auch nicht auf den Hemden, die Feye­noord trug. Ich schaute mir ein paar andere Bilder aus jenem Jahr an und war ver­blüfft. Heute wäre es völlig undenkbar, dass eine Mann­schaft kein Ver­eins­ab­zei­chen aufs Trikot näht, aber früher war das völlig normal. Auch beim legen­dären 6:6 zwi­schen Schalke und Bayern Mün­chen 1984 trugen die Spieler zwar Wer­bung auf der Brust, doch keine Wappen. In der 2. Bun­des­liga war das sogar bis weit in die Neun­ziger Usus.

So kam es zu der sechs­sei­tigen Strecke im neuen Heft, die den Titel Was macht eigent­lich …?“ trägt. Denn jene Tri­kots ohne Wappen stellten nur den Aus­gangs­punkt einer Reise in ein ver­ges­senes Land dar. Ein Land, in dem Eck­bälle noch direkt ver­wan­delt werden, Trainer Wech­sel­fehler begehen, Spieler ihr Trikot in die Hose ste­cken müssen oder Fans den Kicker“-Starschnitt sam­meln. Diese und noch etwa ein Dut­zend andere Dinge, die leise und unmerk­lich aus dem großen Fuß­ball ver­schwunden sind, werden im neuen Heft the­ma­ti­siert.

Aber natür­lich gibt es noch viel mehr davon. Womit wir beim Winter und beim Samstag wären.