Eigent­lich hatte Rolf Lennart Cor­ne­li­usson bereits ver­loren. Auf ganzer Linie. Sowohl die schwe­di­sche Mel­de­be­hörde als auch das zustän­dige Gericht hatten sein Ansu­chen auf Namens­än­de­rung abge­schmet­tert. Gna­denlos. Der Vor­name New­castle“, so das Urteil vor rund einem Jahr, unter­scheide sich doch allzu sehr von den übli­chen sprach­li­chen Normen“ in Schweden. Doch Rolf Lennart Cor­ne­li­usson aus Öckerö, einer kleinen Insel unweit von Göte­borg, wäre kein echter New­castle-Fan, wenn er nach der ersten Nie­der­lage ein­fach auf­ge­geben hätte. Der 55-Jäh­rige zog tapfer vor die nächst­hö­here Instanz. Und siegte – dank eines hoch­emo­tio­nalen Plä­doyers, das jedem im Ver­hand­lungs­saal dicke Tränen der Rüh­rung her­aus­presste.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mit dieser Nummer durch­kommen würde. Aber wenn einer so heißen sollte wie sein Verein, dann ja wohl ich!“, grinste der freund­liche Schwede mit der Alan-Shearer-Frisur, als alles über­standen war. Seit dem ver­gan­genen Montag also darf sich dieser Rolf Lennart Cor­ne­li­usson nun offi­ziell Rolf Lennart New­castle Cor­ne­li­usson nennen. Mit ent­spre­chendem Ein­trag in Pass, Füh­rer­schein und Sozi­al­ver­si­che­rungs­aus­weis.

Das Beru­fungs­ge­richt, so steht es in der Urteils­be­grün­dung, musste im Fall Cor­ne­li­usson sehr genau abwägen. Zwi­schen dem legi­timen Inter­esse des schwe­di­schen Staates an der Wah­rung alt­her­ge­brachter Namens­tra­di­tionen und dem Inter­esse des Klä­gers. Ent­schei­dend ist in sol­chen Fällen, ob die Namens­än­de­rung eine beträcht­liche per­sön­liche Bedeu­tung“ für den Kläger habe. Und so musste Cor­ne­li­usson, der seit frü­hester Kind­heit New­castle“ gerufen wird, bloß noch seine Geschichte erzählen. Eine durch und durch schwarz-weiß-gestreifte Geschichte, die bereits einige Jahre vor seiner Geburt ihren schick­sal­haften Lauf genommen hatte.

Wenn einer so heißen sollte wie sein Verein, dann ja wohl ich“

Rolf Lennart Newcastle Corneliusson

Sein vor Jahren ver­stor­bener Vater, so konnte Rolf Lennart Cor­ne­li­usson berichten, war Nordsee-Fischer von Beruf und schip­perte in den 1960er-Jahren häufig vor der eng­li­schen Küste herum. Manchmal ging er dort auch an Land, um sich Fuß­ball­spiele anzu­schauen. Der kleine Rolf Lennart bekam seinen Papa der­weil oft wochen­lang nicht zu Gesicht. Doch seit seinem fünften Lebens­jahr besaß der Junge etwas unge­heuer Wert­volles, das ihn in jeder Sekunde an den Vater erin­nerte: ein schlichtes, schwarz-weiß gestreiftes Baum­woll-Trikot von New­castle United, das Cor­ne­li­usson senior im Sommer 1969 mit­ge­bracht hatte. Damals waren die Mag­pies“ gerade frisch geba­ckener Sieger im euro­päi­schen Mes­se­pokal (Vor­läufer der UEFA-Cups).

Und obwohl Rolf Lennart bis dato nie ein Spiel von New­castle gesehen hatte – weder im Fern­sehen, noch im Sta­dion – war er auf Anhieb ver­liebt. In sein Trikot und in diesen sagen­um­wo­benen Klub, von dem der Vater ihm so viel erzählt hatte. Später, als Rolf Lennart alias New­castle“ bereits zur Schule ging, durfte er seinen Papa in den Ferien auf den Fang­touren nach Eng­land begleiten – und im Alter von acht Jahren zum ersten Mal den damals rund 40.000 Zuschauer fas­senden St. James‘ Park betreten. Ein gigan­ti­scher Anblick.