Bayern Mün­chen
Mün­chen brennt! Selbst­auf­lö­sung. Ver­sagen auf allen Ebenen. Jahr­zehn­te­lange Miss­wirt­schaft: Das Spiel gegen Mainz, mit dem die Meis­ter­schaft um eine wei­tere Woche ver­schoben wurde, gilt vielen als letzter Sarg­nagel für den einst schil­lernden Rekord­meister. Mit der Nie­der­lage dürften sie sich nun auch den eh schon auf eine Micke­rig­keit geschrumpften Kredit bei den loyalsten Fans ver­spielt haben. Gerüchten zufolge sollen Sams­tag­nacht hun­derte Anhänger bei der Rück­kehr der Mann­schaft auf die Spieler gewartet haben. Pyro­technik brannte, die Autos einiger Spieler wurden demo­liert, es soll gar zu Jagd­szenen gekommen sein. Videos tauchten später in den sozialen Netz­werken auf, die zeigen, wie Robert Lewan­dowski von einem aggres­siven Mob die Säbener Straße ent­lang gejagt wurde. Die Lage eska­lierte dann kom­plett, als eine Gruppe mas­kierter Männer die Sze­nerie betraten und mit Holz­knüp­peln auf die pöbelnden Fans los­gingen. Dabei soll es sich Sprach­auf­nahmen zufolge, die später auf dem Kurz­nach­rich­ten­dienst WhatsApp erschienen, um einige Ex-Bayern-Spieler gehan­delt haben. Unter ihnen offenbar Emil Kosta­dinov, Bernd Dreher und Tobias Rau. Karl-Heinz Rum­me­nigge ver­ur­teilte die Szenen im Nach­gang aufs Schärfste und soll den Münchner Spie­lern frei­ge­stellt haben, ob sie in den letzten drei Spielen noch für den Verein auf­laufen wollen. Also viel­leicht.

Philipp Barg­f­rede
Vom Süden des Landes in den Norden, wo es ähn­lich schaurig zugeht. Und nichts gegen Philipp Barg­f­rede per­sön­lich. Wahr­schein­lich ist er sogar eher einer von uns, wenn wir uns seine leicht unter­setzte Figur mal genauer anschauen. Aber eigent­lich wurde er zum Ende der letzten Saison schon aus­sor­tiert, war drei Monate ver­einslos, dann holte Werder ihn für die Zweite Mann­schaft zurück. Nun kam er am Wochen­ende tat­säch­lich wieder in der Bun­des­liga zum Ein­satz. Und wie gesagt, nichts per­sön­li­ches, denn uns naiv-roman­tisch ver­an­lagten Fuß­ball­tra­di­tio­na­listen wider­strebt es eigent­lich, etwas gegen jemanden zu sagen, der seit 17 Jahren im selben Verein spielt. Aber in einer Situa­tion wie jener, in der Bremen sich gerade befindet, beim Stand von 0:2 aus­wärts in Berlin, einen Philipp Barg­f­rede ins Spiel zu bringen, ist dann doch einer zu viel. Das ist nichts weiter als Kapi­tu­la­tion. Barg­f­rede in diesem Moment ein­zu­wech­seln ist der bit­ter­man­del­ar­tige Geschmack, der sich langsam im Mund aus­breitet, wenn die Zyan­ka­li­kapsel im hin­teren Backen­zahn ihre Wir­kung ent­faltet.

Makoto Hasebe und Flo­rian Wirtz
In Lever­kusen trafen am Wochen­ende mit Makoto Hasebe und Flo­rian Wirtz zwei Jahr­zehnte Bun­des­li­ga­ge­schichte auf­ein­ander. Und weil im Fuß­ball sowieso eine andere Zeit­rech­nung herrscht, Spieler in den Drei­ßi­gern häufig schon aus­sehen wie Jopi Hee­sters zum Ende seiner Tage, wirkten die Duelle umso unglei­cher. Der Frank­furter, inzwi­schen wohl so Mitte/​Ende 100, noch mit Matu­ri­täts­prü­fung, in Abend­gar­de­robe aus Kni­cker­bo­cker und Filzhut. Und auf der anderen Seite Flo­rian Wirtz, ver­mut­lich auf Tik Tok gezeugt, schreibt am Montag sein Abitur – in PSG-Trai­nings­anzug, mit Ang­lerhut und Hai­fisch-Nikes. Bun­des­liga, du bringst Genera­tionen zusammen.

Ond­reij Duda
Duda! Ich? Jup. Hast dir mit dem 2002er-Zidane-Puscas-Award-Volley am Frei­tag­abend defi­nitiv einen Platz in der 11 des Spiel­tags ver­dient. Natür­lich wird Duda das herz­lich egal sein. Genauso egal wird es ihm sein, dass er mit seinen zwei Toren seinen Ex-Klub Hertha auf Rang 17 geschoben hat. Mehr Druck als Duda übt der­zeit nur der Mie­ten­de­ckel auf die Ber­liner aus. Läuft ein­fach nicht in der Haupt­stadt. Weder in der Sozial- noch in der Trans­fer­po­litik. Köln hin­gegen liegt im Trend. Oh, und die Men­schen im Rhein­land sind so herz­lich.

Haa­lands Krise
Erling Haa­land soll laut ver­schie­densten Medi­en­be­richten der letzten Wochen ja in einer Krise ste­cken. Die zwei Tore gegen Wolfs­burg dürften ihm etwas Luft ver­schaffen. Nun hört immerhin end­lich die Minu­ten­zäh­lerei auf. Zuletzt stand der Zähler auf 152 Minuten ohne eigenes Tor. Umge­rechnet sind das fast zwei Spiele. Na ja, wenn das ne Krise sein soll, dann nehm ich auch eine. Ne, komm, weißte was: mach zwei. Mit Zwie­beln, Panik­at­ta­cken, Brech-Durch­fall und Cock­tail­sauce.

Borussia Dort­mund
Zu Freuden des BVB, dass Haa­land wieder knipst. Feinstes Alex­ander-Gau­land-Nar­rativ, das Sebas­tian Kehl gleich mal im Anschluss an den Sieg in Wolfs­burg aus­packte: Wir jagen sie!“ Solange Kehl aber nicht im kack­braunen Sakko her­um­schimpft, dass Jadon Sancho Heja BVB“ nicht mit­singt oder Dort­munds Cham­pions-League-Sieg von 1997 einen Flie­gen­schiss in der Ver­eins­ge­schichte nennt, müssen wir uns wohl nicht sorgen. Außerdem hat der BVB offen­sicht­lich Bock auf Europa. Wobei die Europa League eher keine Alter­na­tive für Dort­mund dar­stellt.