Seite 2: Gegen alle Widerstände zum Volkshelden

Auch wenn in der Heimat nie­mand an ihn glaubt, macht sich der kleine Junge aus Bam­bali im Alter von 15 Jahren auf eigene Faust auf den Weg in die sene­ga­le­si­sche Haupt­stadt Dakar. Ohne seiner Familie Bescheid zu geben, ver­schwindet Sadio Mané vom einen auf den anderen Tag aus seinem kleinen Hei­mat­dorf mit dem Bus für zwei Wochen in Rich­tung Haupt­stadt. Aus­ge­rüstet mit seinem Schü­ler­aus­weis und den kaputten Schuhen landet er über Umwege bei einer Auf­nah­me­prü­fung der renom­mierten Fuß­ball­aka­demie Genera­tion Foot“.

Hier machen sie sich zunächst über seine man­gel­hafte Aus­rüs­tung lustig. Doch im ersten Spiel erzielt er vier Tore und wird auf­ge­nommen. Die Fuß­ball­aka­demie zählt zu den bekann­testen Talent­schmieden Afrikas, Spieler wie Diafra Sakho und Demba Papiss Cissé haben es von hier aus auf die euro­päi­sche Fuß­ball­bühne geschafft. Schnell wird hier der bekannte sene­ga­le­si­sche Talents­cout Abdou Diatta auf den flinken Sadio Mané auf­merksam. Diattas gute Ver­bin­dungen nach Frank­reich sorgen dafür, dass der Flü­gel­spieler mit 19 Jahren den großen Schritt nach Europa schafft und einen Ver­trag beim FC Metz in der zweiten fran­zö­si­schen Liga unter­schreiben darf. Mané über­zeugt in der Ligue 2 und wech­selt für vier Mil­lionen Euro weiter nach Öster­reich zu RB Salz­burg. Hier startet der Junge aus Senegal dann richtig durch: Er erzielt in seiner ersten Saison 19 Tore, in der zweiten kann er 23 Treffer zum Dou­ble­sieg der Salz­burger bei­steuern.

Wofür will ich zehn Fer­raris, 20 Uhren mit Dia­manten und zwei Flug­zeuge? Inwie­fern würde das der Welt wei­ter­helfen? Ich habe gehun­gert, in den Fel­dern gear­beitet, ich habe barfuß gespielt. Ich möchte den Men­schen vor Ort helfen.“

Sadio Mané

Euro­pa­weit werden Top­ver­eine auf ihn auf­merksam, unter anderem Borussia Dort­mund. Am Ende wech­selt Sadio Mané nach Eng­land zum FC Sout­hampton. Auch in der besten Liga der Welt kann sich der talen­tierte Flü­gel­spieler durch­setzen und läuft seinen Gegen­spie­lern davon. Jürgen Klopp, der schon damals als Trainer von Borussia Dort­mund auf Mané auf­merksam geworden war, lotst ihn nach zwei Sai­sons in Sout­hampton an die Anfield Road. Beim FC Liver­pool macht Sadio Mané dann den letzten großen Schritt seiner Kar­riere und ent­wi­ckelt sich zum Welt­star. Er wird Leis­tungs­träger bei den Reds, gewinnt die Pre­mier League und die Cham­pions League, wird in der Saison 2018/19 mit 22 Sai­son­toren gemeinsam mit seinem Team­kol­legen Mohammed Salah und Arse­nals Pierre-Eme­rick Aub­ameyang sogar Tor­schüt­zen­könig. Die Natio­nal­mann­schaft führt Sadio Mané 2019 als Schlüs­sel­spieler ins Finale des Afri­ka­cups, das Senegal 0:1 gegen Alge­rien ver­liert. Trotz der Final­nie­der­lage wird er im selben Jahr zu Afrikas Fuß­baller des Jahres gewählt. Sadio Mané ent­wi­ckelt sich in diesen Jahren zum bekann­testen Fuß­ball­spieler seines Hei­mat­landes, wird Volks­held und Bezugs­person für viele Men­schen in Senegal.

Hoff­nungs­träger einer ganzen Region

Wenn Sadio Mané heute in die Casa­mance zurück­kehrt, herrscht in der gesamten Region Aus­nah­me­zu­stand. Der Junge, der einst heim­lich sein Eltern­haus mit den kaputten Schuhen und seinem Schü­ler­aus­weis ver­lassen hatte, ist tat­säch­lich als welt­be­rühmter Fuß­ball­profi zurück­ge­kehrt. Ein­wohner aus der ganzen Region strömen auf die Straßen von Bam­bali und feiern ihn als Volks­helden, wenn er seinen Onkel in der Heimat besucht. Für die Men­schen in der Casa­mance ist Sadio Mané nicht nur der größte Fuß­ball­star des Landes, son­dern auch ein Hoff­nungs­träger. Der 29-jäh­rige ist hier für viele eine wich­tige Bezugs­person, weil er den Men­schen Per­spek­tiven für ein bes­seres Leben bieten möchte. Im Gespräch mit dem sene­ga­le­si­schen Haupt­stadt­sender Tele­Dakar fragte sich Sadio Mané öffent­lich: Wofür will ich zehn Fer­raris, 20 Uhren mit Dia­manten und zwei Flug­zeuge? Inwie­fern würde das der Welt wei­ter­helfen? Ich habe gehun­gert, in den Fel­dern gear­beitet, ich habe barfuß gespielt. Ich möchte den Men­schen vor Ort helfen.“

Und er hat seinen Worten Taten folgen lassen: Seiner Familie hat er Häuser gebaut, ein Super­markt in Bam­bali trägt seinen Namen, auch eine neue Schule hat er hier finan­ziert. Mané inves­tiert in Bil­dungs­ein­rich­tungen in der ganzen Region und schafft neue Arbeits­plätze für Men­schen, die sich vorher als Land­wirte über Wasser gehalten haben. Neben der Bil­dung ist ihm beson­ders die Gesund­heits­ver­sor­gung in seiner Heimat wichtig. Zum Schutz vor dem Coro­na­virus stellte Sadio Mané im ver­gan­genen Jahr kur­zer­hand 45.000 Euro zu Ver­fü­gung, jetzt will er die medi­zi­ni­sche Infra­struktur in der Casa­mance weiter aus­bauen. Eine halbe Mil­lionen Euro wird er bezahlen, um den Bau eines Kran­ken­hauses in Bam­bali zu finan­zieren, das die ganze Region ver­sorgen soll. Weil er nicht ver­gessen hat, dass der Tod seines Vaters vor über 20 Jahren mit ver­nünf­tiger medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung ver­meidbar gewesen wäre.