Chris­tian Fuchs, haben Sie eigent­lich Ihre Haus­tiere – eine Königs­pyton und eine Königs­natter – mit nach Mainz genommen?
Nein, die sind noch bei meinen Schwie­ger­el­tern in Öster­reich.

Ach, die sind eben­falls inter­es­siert an Rep­ti­lien?
Gezwun­ge­ner­maßen.

So völlig schlan­genlos scheint es Ihnen in Mainz aber trotzdem ganz gut zu gefallen. Drei Spiele, drei Siege, neun Punkte – wie laufen die Pla­nungen für die Cham­pions League 2011/12
Über­ra­schen­der­weise noch gar nicht. Im Ernst: Wir denken hier von Spiel zu Spiel, von Gegner zu Gegner. Das mag eine ganz schlimme Fuß­ball­phrase sein, aber es ist nun einmal die Wahr­heit. Die Saison ist noch viel zu jung, um der Tabelle eine Bedeu­tung bei­zu­messen.

Das heißt, Sie igno­rieren den aktu­ellen Tabel­len­stand?
Nein, nein, mal einen Blick darauf zu werfen ist momentan ein ange­nehmes Gefühl. Aber der aktu­elle Punk­te­stand, die Posi­tion – das ist alles noch nicht aus­sa­ge­kräftig.

Wann ist der Zeit­punkt gekommen, um sich ernst­hafte Gedanken um die Tabelle zu machen. In vielen Ver­einen ist von der Zehn-Spiele-Grenze“ die Rede…
Gute Frage, ich habe mich in Mainz noch gar nicht erkun­digt. Ich bin ja erst seit zwei Monaten hier… Man wird es mir recht­zeitig sagen, hoffe ich!

Auf dem Platz scheinen Sie sich relativ schnell ein­ge­wöhnt zu haben. Sie spielen so, als seien Sie bereits seit Jahren fester Bestand­teil des Teams.
Weil Thomas Tuchel genau das System spielen lässt, in dem ich mich wohl fühle: Schnell und offensiv ori­en­tiert, mit Frei­heiten für die Außen­ver­tei­diger. Das ist mein Spiel.

Die Bun­des­liga kennt Sie als Spe­zia­listen für Stan­dart­si­tua­tionen. Frei­stoß­schützen haben häufig beson­dere Macken; bei Mario Basler musste der Ball früher immer mit dem Ventil oben liegen, Cris­tiano Ronaldo zele­briert seinen Anlauf wie zweit­klas­sige Wes­tern­helden – was machen Sie?
Drei Schritte.

Wie bitte?
Drei Schritte Anlauf, das ist meine Marotte.

Eins , zwei, drei und dann ein­fach drauf­halten?
Das Wich­tigste bei einem Frei­stoß ist das Gefühl. Das Gefühl, wenn Fuß auf Ball trifft. Klatsch – und du spürst, dass du den Ball per­fekt erwischt hast. Nach sol­chen Momenten suche ich. Wenn ich beim Schuss das rich­tige Gefühl im Körper ver­spüre, kann ich die Augen zuma­chen – ich weiß, dass der Ball ins Netz geht.

Kopieren Sie die Schuss­tech­niken von berühmten Kol­legen?
Nein. Was soll das bringen? Eine Mischung aus Cris­tiano Ronaldo, Jun­inho und Roberto Carlos? Das kann nur in die Hose gehen. Ich bleibe meinem Stil treu.

Frei­stoß­spe­zia­listen wie Thomas Hässler sollen früher bis zum Erbre­chen an ihrer Schuss­technik gefeilt haben. Wie häufig stellen Sie sich nach Trai­nings­ende den A‑Ju­gend-Tor­wart ins Tor?
Den Jungen muss ich damit gar nicht beläs­tigen. Ich habe den besten Spar­rings­partner, den Mainz 05 zu bieten hat: Chris­tian Wetklo. Der Wetti ist immer gerne dabei, wenn ich noch aufs Tor schießen möchte.

Wann kommen Sie an sol­chen Tagen nach Hause?
Pünkt­lich. Meis­tens sind es nur ein paar Frei­stöße. Und wenn ich das Gefühl bekommen habe, von dem ich eben sprach, dann gehe ich nach Hause.

Ihre Frei­stöße besitzen einen enormen Effet. Weil Sie so einen krummen linken Fuß haben?
(lacht) Da muss ich sie ent­täu­schen: Keine kör­per­li­chen Abnor­mi­täten. Von Ricardo Qua­resma weiß man ja, dass er seinen Fuß extrem ver­biegen kann. Aber ich laufe ein­fach schräg an und trete gegen den Ball. Das reicht meis­tens aus.

Wel­ches Traumtor würden Sie in Ihrer Kar­riere gerne mal schießen?
Eine direkt ver­wan­delte Ecke, so wie Andreas Herzog es früher ein paar Mal geschafft hat. Scheinbar haben wir Öster­rei­cher ein Faible für diese Dinger. Vor zwei Jahren wäre mir das gegen Manuel Neuer fast gelungen, aber der Ball ging bloß gegen den Pfosten. Es besteht also Nach­hol­be­darf.

Auf Ihrer Home­page steht hinter der Frage: Das will ich mal machen:“ – Treffen mit dem Under­taker.“ Gibt es den immer noch?
Natür­lich! Mark Calaway ist nicht tot zu kriegen!

Wie soll das Treffen aus­sehen? Liegen Sie mit ihm im Sarg oder schlagen ein paar Flanken in den Ring?
Mich würde inter­es­sieren, welche Person hinter der Wrest­ling-Legende Under­taker“ steckt, das ist sicher­lich fas­zi­nie­rend. Lieber Under­taker, soll­test du das hier lesen: Hiermit lade ich dich herz­lich zu Wiener Mélange und Sacher­tore nach Wien ein!