1. Spiel­ver­derber.
Das letzte Auf­ein­an­der­treffen dürfte beiden Mann­schaften noch recht klar vor Augen sein. Ist auch erst rund drei Monate her. Am letzten Spieltag der ver­gan­genen Saison gewann der VfB aus­wärts in Mün­chen mit 4:1, spuckte fett in die Meis­ter­fei­er­suppe und ver­saute Jupp Heynckes’ Bun­des­li­ga­ab­schied. Brachte im End­ef­fekt aber auch nichts, denn die Bayern ver­loren eben­falls im Pokal­fi­nale, wodurch statt Stutt­gart auf Platz sieben der Pokal­sieger Ein­tracht Frank­furt in die Euro League einzog. Eins bleibt den­noch von der höchsten Sai­son­nie­der­lage der Bayern: Der wun­der­schön-zun­gen­bre­che­risch-höh­ni­sche Gesang der Stutt­garter Aus­wärts­fans mit dem Titel Cham­pions-League-Ver­sager-Besieger“. Klingt auf schwä­bisch nochmal dop­pelt so schön. Und jetzt alle!

2. Dop­pel­kopf.
Am 6. August 1977 standen sich die beiden Klubs gleich am ersten Spieltag gegen­über. Sein Bun­des­li­ga­debüt für den VfB fei­erte dabei kein gerin­gerer als Dieter Hoeneß. Gegen seinen Bruder Uli, der für Bayern auf­lief. Das Spiel, ein 3:3, prägten hin­gegen nicht die Hoeneß’, son­dern die Mül­lers. Die Namens­vet­tern Gerd für den FCB und Hansi für den VfB trafen jeweils dop­pelt, sind aber weder ver­wandt noch ver­schwä­gert.

3. Real­sa­tire.
Wenn es sonst nicht viel gibt, was die beiden Ver­eine ver­bindet, bleibt immer noch er: Harald Schmidt. Der Enter­tainer“ ist näm­lich Mit­glied beider Ver­eine (und zusätz­lich noch von Han­nover 96, wie Manni Breuck­mann mal ver­riet). Das sagt auch schon einiges über Schmidts Fuß­ball­sach­ver­stand aus. Andere fach­kun­dige Ein­schät­zungen umfassen die fol­genden: Wieso er den eng­li­schen Fuß­ball mag? Dort habe man kein Pro­blem, dass ein Scheich mal eine halbe Mil­li­arde rein­schmeißt.“ Warum er Marco Reus mag? Es gibt viele Momente, in denen er etwas von Lionel Messi hat.“ Wen er sonst so mag? Es gibt im deut­schen Fuß­ball für mich keine Per­sön­lich­keit, die so glaub­haft ist wie Uli Hoeneß.“ Wohl­ge­merkt nach Hoeneß Selbst­an­zeige wegen lang­jäh­rigen Steu­er­be­trugs.

4. Rock­star.
Der Titel Erfinder des Fall­rück­zie­hers“ wird vielen zuge­schrieben. Carlo Parola zum Bei­spiel, oder Léo­nidas da Silva. In Deutsch­land gehört der Fall­rück­zieher quasi per Mar­ken­zei­chen Klaus Fischer. In ganz Deutsch­land? Nein, in einer nicht ganz so kleinen Stadt im Schwa­ben­ländle gehört er Jürgen Klins­mann. In der Saison 1987/88 wurde der junge Klinsi“ Tor­schüt­zen­könig der Bun­des­liga für den VfB Stutt­gart, das schönste Tor war ein form­voll­endeter Fall­rück­zieher gegen, na klar, den FC Bayern, das vielen in Stutt­gart noch heute als schönstes der Ver­eins­ge­schichte gilt. Den Sport­schau-Zuschauern reichte es immerhin zum Tor des Jahres. Und wenn man sich diese mit I wanna rock“ unter­legten Auf­nahmen des Tref­fers ansieht, kann man das nur gut­heißen. Ebenso wie Klinsis Frisur. 


5. Ver­kehrs­fe­tisch.

Viele Spieler wech­selten von Stutt­gart nach Mün­chen, dar­unter Gio­vane Elber, Mario Gomez – und Thomas Strunz. Der spielte sogar gleich Ver­eins-Dop­pel­pass und wech­selte von Mün­chen nach Stutt­gart und zurück. In Schwaben gefiel es ihm aller­dings scheinbar weniger gut. Nach der Rück­kehr zu Bayern ließ er ver­lauten: Das Schönste an Stutt­gart ist die Auto­bahn nach Mün­chen.“

6. Ner­ven­stärke.
Ein Wei­terer, der vom VfB zu den Bayern ging, wurde ganz ohne eigenes Zutun unbe­liebt. Sven Ulreich stand 17 Jahre lang für Stutt­gart im Tor, bevor er 2015 den Platz hinter Manuel Neuer in Mün­chen annahm. Als er dann letztes Jahr wegen Neuers Aus­fall tat­säch­lich für den FCB in Stutt­gart auf­lief, pfiffen die Fans in der Cann­statter Kurve, als er den Rasen betrat und hörten auch wäh­rend der fol­genden 90 Minuten nicht auf. Ulreich reagierte auf seine Weise, hielt in der Nach­spiel­zeit einen Elf­meter und sicherte den 1:0‑Sieg. Heute wird er viel­leicht den­noch froh sein, dass Neuer wieder fit ist.

7. Kan­ni­ba­lismus.
Schlechte Erin­ne­rungen an Stutt­gart hat auch Andreas Herzog, dabei hat der nie für die Schwaben gespielt. Als er sie aber mit dem FCB am 28. Spieltag der Saison 1995/1996 zu Gast hat, macht er unan­ge­nehme Bekannt­schaft mit seinem eigenen Tor­hüter. Nach einem Fehl­pass im Mit­te­feld macht Kahn Herzog hand­greif­lich deut­lich, was er von seiner Leis­tung hällt, und schubst ihn aus seinem Straf­raum. Einer von vielen Titan“-Ausrastern, aber der ein­zige, der einen Mit­spieler traf.

8. Frie­dens­pfeife.

Stutt­garts Stürmer Karl All­göwer bekam zwar den Spitz­namen Knall­göwer“, war abseits des Platzes aber ein fried­lie­bender Mensch und enga­gierte sich in den acht­ziger Jahren gegen ato­mare Auf­rüs­tung. Am 22. Oktober 1983 spielte er mit Stutt­gart im Neckar­sta­dion gegen den FC Bayern und gewann 1:0. Nach dem Spiel sagte er, dass, hätte sie nicht gleich­zeitig mit dem Spiel statt­ge­funden, er defi­nitiv an einer mehr als 200.000 Men­schen starken Demons­tra­tion gegen die Sta­tio­nie­rung US-ame­ri­ka­ni­scher Rake­ten­ab­wehr­sys­teme in Mut­langen bei Stutt­gart teil­ge­nommen hätte. Der dama­lige VfB- und spä­tere DFB-Prä­si­dent Ger­hard Mayer-Vor­felder war nicht begeis­tert, verbot zwei Jahre später und nach einer Unter­schrif­ten­samm­lung in der VfB-Kabine jeg­li­ches poli­ti­sche Enga­ge­ment im Ver­eins­kon­text. 1992 dann die unaus­ge­spro­chene Kehrt­wende: Vor der Land­tags­wahl in Baden-Würt­tem­berg machten VfB-Spieler wie Mat­thias Sammer oder Eike Immel Wahl­kampf für die CDU, die regierte und auch den Finanz­mi­nister stellte. Sein Name: Ger­hard Mayer-Vor­felder.

9. Wie­der­sehen.

Die meisten Tore in Spielen Stutt­gart gegen Bayern gehen auf das Konto von Mario Gomez. Ins­ge­samt sind es 16, davon fünf vor und elf nach seinem Wechsel vom Neckar an die Isar. Macht ihn trotzdem nur zum jeweils zweit­besten Tor­schützen im Süd­duell. Auf Seiten der Bayern liegt Gerd Müller mit 15 Toren vor ihm, in Stutt­gart Fritz Walter (der jün­gere) mit zehn. Zumin­dest für den VfB kann Gomez heute seine Sta­tistik nach­bes­sern. Aus den aktu­ellen Kadern spielten neben Gomez und Ulreich auch Joshua Kim­mich, Serge Gnabry, und Holger Bad­stuber für beide Seiten. Man kennt sich also.

10. Par­ty­laune.

2013 gab es das Duell im DFB-Pokal­fi­nale. Zum Zeit­punkt des End­spiels am 1. Juni war der FC Bayern schon deut­scher Meister und hatte eine Woche zuvor die Cham­pions League gewonnen. Das ließ die Münchner Hybris zu unge­kannten Dimen­sionen anschwellen. Karl-Heinz Rum­me­nigge kün­digte an, dass sein FC Bayern auch mit 1,8 Pro­mille das Finale gewinnen werde. Klare Kante nennt man das wohl. Oder absto­ßende Arro­ganz. Fand auch Ex-Bayer Sepp Maier, der damals befand: Das ist totaler Blöd­sinn, was der da erzählt. Wie er das gesagt hat, hat er wahr­schein­lich selber 2,5 Pro­mille im Blut gehabt.“ Im End­ef­fekt behielt Rum­me­nigge irgendwie den­noch recht, Bayern gewann in Berlin mit 3:2. Aller­dings nüch­tern. Voll­kommen richtig lag im Gegen­satz dazu Meier mit der Aus­sage: Sowas sagt man ein­fach nicht.“