Seite 3: „Südkurve bleibt“

Der Slogan Süd­kurve bleibt“ ent­stand schließ­lich in der Saison 2015/16, als die Pläne für einen Umbau des Ernst-Abbe-Sport­feldes immer kon­kreter wurden und es deut­liche Zei­chen aus der Stadt­ver­wal­tung gab, die den Erhalt der Kurve im moder­ni­sierten Sta­dion zwei­fel­haft erscheinen ließen. Die Sicher­heits­be­hörden machten deut­lich, dass sie es begrüßen würden, wenn im Zuge des Umbaus die FCC-Szene dau­er­haft in den Norden des Sta­dions umziehen könnte.

Noch wich­tiger war aber natür­lich ein anderes Thema: Geld. Den Anhän­gern war bewusst, dass keines der zahl­rei­chen Argu­mente für den Erhalt des Südens Gehör finden würde, wenn die Ret­tung der Fan­kurve im Rahmen der Moder­ni­sie­rung des gesamten Kom­plexes Mehr­kosten ver­ur­sachte. Eine Mög­lich­keit war, die nötigen Finanz­mittel zumin­dest zum Teil selbst auf­zu­treiben. Die Fans kamen auf die Idee, sich einer modernen Finan­zie­rungs­praxis zu bedienen: Crowd­fun­ding. Der eigent­liche Clou war dabei, dass sie nicht auf eine bestehende Platt­form der Schwarm­fi­nan­zie­rung zurück­griffen, denn dort wäre ihr Anliegen wohl unter­ge­gangen. Das war die Geburts­stunde von Crowd­fanding“. Nach mona­te­langer Vor­be­rei­tung ging das Pro­jekt im Sommer 2016 an den Start. Am Ende lan­deten weit über 150 000 Euro auf der Haben­seite der Initia­tive. Diese große Summe und die offen­kun­dige Soli­da­rität mit der Fan­szene öff­neten Türen in den Gre­mien und erhöhten den Druck auf dem poli­ti­schen Kessel in der Uni­ver­si­täts­stadt.

Im Früh­jahr 2017 schien ein Kom­pro­miss gefunden: Die Süd­kurve würde bleiben, wenn die Fan­szene sich mit den Ein­nahmen aus dem Crowd­fanding“ an spe­zi­ellen bau­li­chen Maß­nahmen und an den Kosten für einen eigenen Sicher­heits­dienst in der neuen Kurve betei­ligen würde. Das war ein großer Sieg für die Anhänger des FC Carl Zeiss Jena – doch wie sich zeigen sollte, war das Spiel noch nicht vorbei.

Doch keine Süd­kurve

Denn im Herbst 2018 geriet das Über­leben der Süd­kurve schon wieder in Gefahr. Im Rahmen des Aus­schrei­bungs­pro­zesses for­derte die Ver­wal­tung vom Stadtrat eine Ent­schei­dung, ob die Bieter im wei­teren Ver­fahren mit Süd- oder Nord­kurve als Heim­be­reich wei­ter­planen sollten. Am 14. November ent­schied der Stadtrat: Ein Neubau soll her. Damit war der Erhalt der Süd­kurve gekippt. Warum diese Ent­schei­dung? Ver­mut­lich aus Unwis­sen­heit über die Syn­er­gien und Pro­zesse inner­halb einer selbst­re­gu­lierten Kurve und Angst vor feh­lender Fan­tren­nung sowie vor Angriffen auf Gäs­te­fans. Aber natür­lich spielte auch das liebe Geld wieder eine Rolle, diesmal in Form von ver­meint­lich schwer zu kal­ku­lie­renden finan­zi­ellen Mehr­auf­wänden für das Gesamt­pro­jekt.

Der Stadtrat stieß damit hun­derte junger Men­schen vor den Kopf, die sich über viele Monate und zum Teil über Jahre kom­plett dem Kampf für den Erhalt der eigenen Fan­heimat gewidmet hatten, die ihre Argu­mente pro­fes­sio­nell bestä­tigt sahen und die oben­drein außer­ge­wöhn­liche Selbst­be­tei­li­gung in Aus­sicht gestellt hatten. Eine offi­zi­elle Revi­sion dieser Ent­schei­dung wurde und wird nicht ange­strebt. Der Kampf für den Erhalt der Kurve wird nun abseits der Kom­mu­nal­po­litik von den Fans wei­ter­ge­führt, die seit Jahren hinter einer großen Unbeugsam und unverkäuflich“-Zaunfahne ihr Team unter­stützen.

14. November 2018. Wieder gehen die Fans auf die Straße, wieder schmet­tern sie trot­zige Lieder und laut­starke For­de­rungen in den Abend­himmel der vor­weih­nacht­lich geschmückten Stadt. Anschei­nend erfolglos. Aber noch immer ist das Spiel nicht vorbei. Der Schieds­richter, so sehen es die Fans in Jena, hat gerade erst zur Halb­zeit gepfiffen. Diese Partie hat sich schon so oft gedreht, dass immer noch Hoff­nung für die Süd­kurve des EAS besteht.