Um gleich mal die Gemüter zu kühlen: Beim SV Werder herrscht tiefes Ver­ständnis für die pre­käre Lage, in der der FC Bayern steckt. Dort kennt man dieses trübe Gefühl nur zu gut: Einer fehlt, und die Lücke, die er hin­ter­lassen hat, ist nicht zu füllen, so emsig man es auch ver­sucht. Am Ende steht die bit­tere Erkenntnis, dass drei Men­schen nicht das zu leisten imstande sind, was zuvor einer allein geschafft hat. Aber das muss man natür­lich für sich behalten. Denn die Bun­des­liga ist kein Ort, an dem man sich zu Boden wirft und weint. Sie ist ein Ort, an dem selbst die All­er­trau­rigsten auf die Frage Wie geht’s?“ immer noch Super!“ ant­worten. Sie ant­worten aller­dings schreiend.

Warum zur Hölle ist 1 + 1 + 1 denn plötz­lich 0? 

Bei Werder war das so: Als der Spiel­ma­cher Diego 2009 den Verein in Rich­tung Turin ver­ließ, wurde seine Rolle auf Mesut Özil, Marko Marin und Aaron Hunt über­tragen. Die drei waren fortan für die Abtei­lung Attacke zuständig. Sie agierten jedoch ziem­lich lin­kisch, täp­pisch, ja pomadig, wie drei Diego-Imi­ta­toren in einem Fuß­ball-Feri­en­camp nach zwölf Arbeits­wo­chen ohne Frei­zeit. Thomas Schaaf rief Maaannnn, dooooo!“. Und vorn drin stand Claudio Pizarro und zählte ratlos mit den Fin­gern: Warum zur Hölle ist 1 + 1 + 1 denn plötz­lich 0?

Frap­pie­rend die Par­al­lelen zum FC Bayern: Als der Alles­ma­cher Uli Hoeneß 2014 den FC Bayern in Rich­tung Lands­berg ver­ließ, wurde seine Rolle auf Karl-Heinz Rum­me­nigge, Karl Hopfner und Mat­thias Sammer über­tragen. Die drei waren fortan für die Abtei­lung Attacke zuständig. Sie agierten jedoch…

Ja-ha! Das kennen wir!“, denken die Bremer da sofort. Sie haben ein ziem­lich gutes Gedächtnis. Daran ändern auch all die Pucks nichts, die ihnen im Laufe der Jahre gegen den Kopf geprallt sein sollen. Eben das unter­stellt Mat­thias Sammer, Teil des nicht mehr ganz so neuen Münchner Pole­miker-Tri­um­vi­rats, dem Werder-Manager Thomas Eichin, vor­mals beim Eis­ho­ckey­klub Kölner Haie tätig. Nachdem dieser – dem Ritual des rhe­to­ri­schen Geplän­kels vor einem Bun­des­li­ga­spiel von etwas mehr als mit­tel­mä­ßiger Bedeu­tung Genüge tuend – moniert hatte, dass Schieds­richter zuviel Respekt vor dem FC Bayern hätten, ent­geg­nete Sammer: Wahr­schein­lich hat er zwi­schen­durch mal einen Puck an den Kopf bekommen und Spät­folgen jetzt.“ Ein Spruch wie auf dem Pau­senhof einer Wal­dorf­schule. Man hätte ihn auch tanzen können. Doch Sammer tanzt nicht. Er spricht.

Mat­thias Sammer, das zeigt nicht nur diese Ein­las­sung, ist von den Dreien der mit dem Hammer. Und wer einen Hammer hat, sieht überall Nägel. Egal, ob krumm oder gerade – Sammer haut sie alle in die Wand. Am besten gleich durch die Wand. Und am liebsten, Hand aufs Herz, dann doch: krumm. Was er nicht weiß, weil es sich ihm nie­mand zu sagen getraut: Sein Hammer ist aus Gummi, auf­blasbar. Ein Rum­mel­hammer, der nicht mal Ein­lauf­kin­dern Angst macht.