Lesen Sie hier die ersten beiden WM-Kolumnen: Teil eins, Teil zwei.

Russ­land steht im Vier­tel­fi­nale – und das ist kein Zufall. Natür­lich war der Sieg gegen Spa­nien glück­lich, aber der Grund­stein dafür wurde in den zwei Jahren Vor­be­rei­tung gelegt. Wir haben in all den Test­spielen und in der Vor­be­rei­tung die Fün­fer­kette in der Defen­sive durch­ex­er­ziert. Auf den ersten Blick wirkt dieses System ein­fach, aber es ist sehr lauf­in­tensiv und die Abläufe müssen sitzen. Die zwei Halbin­nen­ver­tei­diger müssen zur Seite des Balles ver­schieben oder bei Bedarf das Zen­trum dicht machen.

Dafür muss man dis­zi­pli­niert und wach sein, not­falls über 120 Minuten. Die Außen­ver­tei­diger ver­richten enorm viel Lauf­ar­beit, weil sie beim Gegen­an­griff auf die Linie mit den Ver­tei­di­gern rücken, im Ball­be­sitz dann wieder vor­rü­cken. Mario Fer­nandes und Yuri Zhirkov haben dabei ihren Job genauso gut aus­ge­füllt wie der ein­ge­wech­selte Wla­dimir Granat, der im Zen­trum keinen ein­zigen Pass spielen musste. Er hat das gemacht, was von ihm erwartet wurde – mit sehr viel Ein­satz und Dis­zi­plin.

Der Held Akin­feew wird laut in der Kabine

Für genau diesen Kraftakt wurde die rus­si­sche Mann­schaft belohnt. Spa­nien kam über­haupt nicht hinter die Abwehr­kette, spielte kaum ver­ti­kale Bälle und hatte fast gar keine Abschlüsse. Wenn ein Team gegen eine Welt­klas­seelf wie Spa­nien so wenig zulässt, hat es sich den Sieg auch ver­dient.

Mann des Spiels war sicher­lich der Tor­wart Igor Akin­feew mit seinen gehal­tenen Elf­me­tern und guten Paraden im Spiel. Er ist auch inner­halb des Teams eine rich­tige Per­sön­lich­keit, auf die jeder in der Kabine hört. Akin­feew wird laut, wenn ihm etwas nicht passt. Doch er for­dert auch von sich das abso­lute Maximum. Er schiebt jeden Tag Extra­schichten im Kraft­raum und geht jedes Trai­nings­spiel wie ein End­spiel an. Bei den Straf­stößen hat er ein gutes Gefühl für die Rich­tung des Balles, weil er vor dem Absprung genau abliest, wie der Schütze sein Stand­bein hält.

Beein­dru­ckend waren die Cool­ness der rus­si­schen Schützen beim Elf­meter und ihre Lauf­leis­tung im Spiel. Ich habe zu Letz­terem bereits geschrieben, worauf ich das zurück­führe: Die Russen hatten einen lange Pause vor dem WM, sie werden von der Unter­stüt­zung der Fans getragen und pro­fi­tieren von der lauf­in­ten­siven Vor­be­rei­tung.

Habe nie etwas von Doping mit­be­kommen

Doch momentan kur­sieren andere Ver­mu­tungen, immer wieder wird von Doping geraunt. Dazu kann ich nur sagen: Wir wurden bei den Lehr­gängen immer kon­trol­liert, von der Fifa und der Anti-Doping-Agentur Rusada. Ich habe nie etwas von Doping mit­be­kommen, das war defi­nitiv kein Thema bei der Natio­nal­mann­schaft. Es gibt Gerüchte um meinen Mit­spieler Ruslan Kam­bolov, der vor dem Tur­nier aus dem Kader gestri­chen wurde. Mir wurde aber gesagt, dass er ver­letzt sei, und ich habe momentan keinen Grund, daran zu zwei­feln.

Am Samstag spielt Russ­land nun im Vier­tel­fi­nale gegen Kroa­tien, das für mich mit Bel­gien bisher den sta­bilsten Ein­druck von allen Teams hin­ter­lassen hat. Ich habe schon gegen ihren Stra­tegen Luka Modric gespielt; er bewegt sich überall auf dem Rasen und lässt sich mit­unter auch tiefer fallen, um das Spiel anzu­kur­beln. Wichtig ist, dass man ihn direkt bei der Ball­an­nahme stört. Wenn er ins Dribb­ling kommt, wird es gefähr­lich.

Das ist nicht so ein­fach, ich hatte auch so meine Pro­bleme beim Spiel gegen Real, erin­nere ich mich. Zudem gehören die Leute um ihn herum wie Ivan Rakitic zur geho­benen Welt­klasse. Die Kroaten spielen anders als die Spa­nier, womög­lich werden sie tiefer stehen. Russ­land wird im Vier­tel­fi­nale wieder genau das brau­chen, was gegen Spa­nien gefruchtet hat: hohen Ein­satz und sehr viel tak­ti­sche Dis­zi­plin.