Dieser feste Hän­de­druck. Egal, wem wir an unseren drei Tagen bei Pan­io­nios im Athener Stadt­teil Nea Smyrni die Hand gaben – stets griffen wir nach einer zupa­ckenden Faust und bekamen bei jedem Hand­schlag ein freund­li­ches Lächeln dazu. Ehr­liche Men­schen haben einen festen Hän­de­druck, sagt man. Das Ver­trauen, dass uns Jour­na­listen in Grie­chen­land also offen­sicht­lich ent­gegen schlug, zahlte sich in einigen lus­tigen Anek­doten aus.

Wie etwa fol­gender: Lie­nens frü­herer Intim­feind Otto Reh­hagel, jetzt grie­chi­scher Natio­nal­coach, emp­fängt den Pan­io­nios-Trainer inzwi­schen regel­mäßig zum Essen. Lie­nens Gattin Rosi schwärmt sogar richtig: Der Otto ist so lustig.“ Nach seiner Inthro­ni­sie­rung als Ver­bands­trainer riefen Reh­hagel die freund­li­chen Grie­chen immer wieder das geflü­gelte Wort: En daxi“ zu, was im Deut­schen soviel bedeutet wie: Geht’s gut?“ Der Essener Maler­meister kom­men­tierte die gut­ge­meinte Frage in gewohnt rus­ti­kaler Art: En Daxi, en daxi? Was soll das? Ich brauch kein Taxi, ich hab’n Auto.“



Rosi erin­nerte sich wäh­rend eines Essens auch an die kom­pli­zierten Anfänge der inzwi­schen mehr als 30 Jahre wäh­renden Ehe mit ihrem“ Ewald: Ich habe mich in den Ewald ver­liebt, nicht in den Fuß­baller Lienen“ Als die Gewerk­schafter-Tochter aus dem Rhein­land an einem kalten Novem­be­r­abend 1978 vor dem UEFA-Cup-Spiels zwi­schen Mön­chen­glad­bach und Ben­fica Lis­sabon mit ihrem Mann aus­ge­macht hatte, dass dieser sie von einem Plenum gegen halb elf abholen solle, ver­spä­tete sich der Kicker. Rosi rief sich ein Taxi und fuhr ange­säuert über die Ver­feh­lung des Ver­eh­rers nach Hause. Als Lienen später reuig an ihrer Tür klin­gelte und als Ent­schul­di­gung angab, es habe noch Ver­län­ge­rung gegeben, sagte Rosi nur: Was inter­es­siert mich Deine Ver­län­ge­rung ?“ Trotzdem sind die beiden bis heute ein glück­li­ches Paar.

Und so gelassen die beiden die unter­ge­hende Sonne über dem Pelo­ponnes mit­unter beob­achten, so enga­giert zele­brieren sie nach wie vor ein UEFA-Cup-Spiel. Rosi bleibt aus nerv­li­chen Gründen besser gleich zu Hause, wenn es gegen den FC Sochaux um den Einzug in die Grup­pen­phase geht. Ewald leidet wie eh und je schwer am Spiel­feld­rand. Jeder Fehl­pass seiner Spieler gräbt sich in seine Gesicht­züge, als hätte ihn ein Trom­mel­re­volver in die Ein­ge­weide getroffen. Mit zwei Arm­band­uhren – an jedem Arm eine – ist er wäh­rend der 90 Minuten stets über die Echt­zeit im Bilde, er signa­li­siert, hüpft, deutet, schreit. Nehmt Euch einen Moment und beob­achtet Ewald Lienen beim Rück­spiel gegen den FC Sochaux, das trotz 0:1‑Heimniederlage zum Wei­ter­kommen reichte. Aus dem Rum­pel­stilz­chen am Spiel­feld­rand wird in der anschlie­ßenden Pres­se­kon­fe­renz ein relaxter Hoch­schul­do­zent. Und noch etwas ist anders in Athen als früher in Köln, Ros­tock, Han­nover und Duis­burg: Aus Zettel-Ewald wurde Notiz­buch-Ewald.