Ottmar Hitz­feld, erin­nern Sie sich noch an den Moment, in dem Ihnen Bas­tian Schwein­s­teiger das erste Mal auf­fiel?

Das war wäh­rend des End­spiels der A‑Jugend des FC Bayern Mün­chen 2002. Seine Technik, seine Ball­si­cher­heit, seine Spiel­in­tel­li­genz waren frap­pant.



Wer war bei Bayern beson­ders für seine Ent­wick­lung ver­ant­wort­lich?

Jeder Trainer hat seinen Anteil daran, dass sich Bas­tian Schwein­s­teiger sehr gut hat ent­wi­ckeln können, den grössten würde ich jenem zuschreiben, der diesen jungen talen­tierten Spieler ent­deckt und zum FC Bayern gebracht hat.

Konnte man schon in jungen Jahren erkennen, dass er das Zeug hat, ein Großer zu werden?

Auf jeden Fall, er war schon in frühen Jahren aus­ser­or­dent­lich abge­klärt, ja fast schon abge­brüht.

Wie reagierte die Mann­schaft auf seine rasante Ent­wick­lung? Gab es Neider?

Beim FC Bayern Mün­chen ist jeder junge Spieler will­kommen. Von Arro­ganz oder Zurück­hal­tung älterer Profis keine Spur, aber dann hängt es in erster Linie vom Spieler ab, wie die Inte­gra­tion von­statten geht. Bei Schwein­s­teiger kann ich nur fest­halten: Er hat sich absolut pro­blemlos inte­griert. Er machte damals auch mit mann­schafts­dien­li­chen Leis­tungen auf sich auf­merksam.

Die Aus­lese beim FC Bayern ist extremer als bei jedem anderen Bun­des­liga-Klub. Stand Schwein­s­teiger auf­grund bestimmter Fähig­keiten bei Ihnen von vorn­herein unter beson­derer Beob­ach­tung?

Zu den vorher bereits erwähnten Qua­li­täten wie Technik, Pass­ge­nau­ig­keit hatte Schwein­s­teiger andere Eigen­schaften, die ich als Trainer sehr schätzte: Über­sicht und vor allem einen fuss­bal­le­ri­schen Instinkt.

Wissen Sie noch, was Sie zu ihm sagten, als Sie ihn am 13. November 2002 in Lens für Mehmet Scholl ins Spiel brachten?


Was ich immer sage, wenn ich einen jungen Spieler bringe: Ruf dein Können ab; zeig, was du kannst und kon­zen­trier dich darauf; ein­fach spielen, denn Fuss­ball ist ja ein ein­fa­ches Spiel.

Wie nannten Sie ihn im Trai­ning? Basti oder Schweini?

Bas­tian.

Im Ver­bund mit Lukas Podolski wurde er 2006 sowas wie der Gute-Laune-Bär der Nation. Später kamen einige Eska­paden mit Spie­ler­be­ra­tern. Uli Hoeneß sagte: Man hat ihm wohl zuviel Zucker in den Hin­tern geblasen.“ Als Sie ihn 2007 wie­der­trafen – wie hatte er sich ver­än­dert?


2007 begeg­nete er mir, wie ich das erwartet hatte: Er hatte sich kon­ti­nu­ier­lich weiter ent­wi­ckelt, Höhen und Tiefs durch­lebt, Erfah­rungen gesam­melt. Mit einem Wort: Er war reifer geworden, aber er hatte seine posi­tive Aus­strah­lung kon­ser­viert.

Wird ihm dieses Spaß­i­mage von 2006 aus Ihrer Per­spek­tive gerecht?

Ich kenne Schwein­s­teiger eher als ruhigen und aus­ge­gli­chenen Men­schen, nicht als Spaß­vogel oder Ulk­nudel.

Das wich­tigste Spiel, das er für Sie als Trainer gemacht hat?


Ein ein­ziges Spiel zu nennen ist unmög­lich, er hat so viele gute Par­tien für den FC Bayern Mün­chen gemacht und immer wieder andere Qua­li­täten ins Spiel und für den Erfolg der Mann­schaft ein­ge­bracht.

Nach der WM 2010 gilt er als der wert­vollste deut­sche Spieler: Kann ein Trainer wie Sie absehen, was für Schwein­s­teiger in den nächsten Jahren noch mög­lich ist?


Er spielt ja bereits in Welt­klasse-Teams, sowohl auf Ver­eins­ebene wie in Bezug auf die Natio­nal­mann­schaft. Natür­lich kann er noch ins Aus­land wech­seln zu einem so genannten grossen Klub, aber der FC Bayern Mün­chen ist nach wie vor und auf Jahre eine der besten Ver­eins­adressen der Welt. Schwein­s­teiger und die Bayern, ich glaube, da wissen beide Par­teien, was sie von­ein­ander haben.