Dieser Tage ist ja häufig von Stu­dien die Rede: Was ist schlimmer – Corona oder die Kol­la­te­ral­schäden durch den Lock­down? Können Kinder das Virus über­tragen? Oder: Wie viele Bun­des­bürger weisen bereits Anti­körper auf? Doch als der schot­ti­sche Stu­dent George Innes von der Uni­ver­sity of Aber­deen ein Thema für seine Abschluss­ar­beit im Fach Sta­tistik suchte, war Corona noch kein Ding. Also ent­schied er sich für fol­gendes Thema: Glück­se­lige Igno­ranz: Die Rolle des Schmet­ter­lings-Effekts in der Chaos-Theorie.“

Was das bit­te­schön mit Fuß­ball zu tun hat? Nun, heraus kam, laut Innes‘ etwas sper­rigem Unter­titel: Eine theo­re­ti­sche Studie dar­über, wie die beiden Tore, die Stoke City resul­tie­rend aus Rory Delaps langen Ein­würfen bei der 2:3‑Niederlage gegen Everton am 14. Sep­tember 2008 erzielte, direkt dazu führten, dass Goldman Sachs und Morgan Stanley am 21. Sep­tember 2008 ihren Betrieb als Invest­ment­banken ein­stellten.“

Ein­würfe als Wun­der­waffe

Die Fra­ge­stel­lung lautet also, ob und inwie­weit die Schleu­der­kraft des dama­ligen iri­schen Natio­nal­spie­lers ver­ant­wort­lich war für eine der größten Finanz­krisen in der Geschichte der Mensch­heit. Und wer diese Dis­kus­sion mit einem kate­go­ri­schen Nein“ beenden will, weil in Wahr­heit Mil­lionen von faulen Immo­bi­li­en­kre­diten schuld gewesen seien, der sollte inne­halten. Denn George Innes zeigt in seiner 12.498 Wörter umfas­senden Arbeit direkte Links auf, die sich nicht von der Hand weisen lassen.

Dazu sollte man viel­leicht wissen: Die Ein­würfe von Rory Delap hatten es wirk­lich in sich. Der dama­lige Stoke-Trainer Tony Pulis ver­riet kürz­lich im Pod­cast von Peter Crouch: Wir fanden zufällig heraus, wie weit Rory werfen konnte, als die Jungs einen Wett­be­werb abhielten. Rory nahm also diesen Ball und warf ihn bis an den zweiten Pfosten. Ich hatte so etwas noch nie gesehen. Er warf ihn ziem­lich flach – ein­fach nur flach.“ Aber dafür scharf. Und punkt­genau. Also kon­stru­ierten Pulis und Delap daraus eine töd­liche Waffe, die Stoke in wei­terer Folge so man­ches Tor bescheren sollte. Aber – eine glo­bale Finanz­krise aus­lösen?