Es ist wenig dar­über bekannt, wie und wo Michel Pla­tini diese Euro­pa­meis­ter­schaft ver­folgt hat, in den Sta­dien ist er jeden­falls nicht gesehen worden. Nach seinem Aus als Uefa-Chef ist Pla­tini nach wie vor gesperrt, die Rege­lung würde es ihm aber erlauben, die Spiele privat, also ohne offi­zi­elle Funk­tion zu besu­chen. Pla­tini, das zur Erin­ne­rung, ist nicht mehr Uefa-Chef, weil er einst zwei Mil­lionen Schweizer Franken von Sepp Blatter annahm, wofür genau, wissen wahr­schein­lich nur die beiden. Pla­tinis alte Funk­tio­närs-Freunde kann das natür­lich nicht an Sym­pa­thie- und sogar Bei­leids­be­kun­dungen hin­dern: Vielen Dank an Michel Pla­tini. Er kann stolz sein, wir sind in Gedanken bei ihm, sagte Uefa-Vize Ángel María Villar Llona unlängst. Gene­ral­se­kretär Theo­dore Theo­do­ridis sprang seinem Kol­legen bei: Ohne Pla­tinis Vision und seine Unter­stüt­zung wäre dieses Tur­nier nicht mög­lich gewesen.“

Umsatz­stei­ge­rung von 34 Pro­zent bei der Uefa

Diese Vision, die Auf­sto­ckung der EM von 16 auf 24 Teams, hat reich­lich Kritik her­vor­ge­rufen, die Uefa hat mit dem Tur­nier aber über 1,9 Mil­li­arden Euro umge­setzt, bei einem Gewinn von 830 Mil­lionen Euro. Laut Sport­schau“ eine Stei­ge­rung von satten 34 Pro­zent. Da kann man schon mal Danke sagen. Auch wenn nicht wenige Experten in der Auf­sto­ckung eher eine Öff­nung nach unten sahen und damit den Grund für das oft­mals nied­rige Niveau dieser Euro­pa­meis­ter­schaft.

Lucien Favre sprach im Gespräch mit dem Spiegel“ gar von einem Horror“. Ein Horror, der sich in vier Jahren fort­setzen und eher noch ver­schlim­mern wird. Denn auf dem Weg zur Euro­pa­meis­ter­schaft 2020 und beim Tur­nier selbst greifen zwei wei­tere Ideen Pla­tinis, die den Modus noch­mals ver­än­dern werden: die Uefa Nations League und die Euro­pa­meis­ter­schaft in ganz Europa. Die neu geschaf­fene Nations League, die einen Groß­teil der Test­spiele ersetzen soll, wird dabei Teil des Qua­li­fi­ka­ti­ons­ver­fah­rens sein.

Sehen wir 2020 Gibraltar?

In den gewohnten Quali-Gruppen qua­li­fi­zieren sich die Grup­pen­ersten und ‑zweiten für die EM, in der par­allel dazu in vier Divi­sionen aus­ge­spielten Nations League bekommen die vier Play-off-Sieger des Wett­be­werbs eben­falls ein EM-Ticket. Pikant dabei: Da die Divi­sionen nach den Uefa-Koef­fi­zi­enten ein­ge­teilt sind, hat auch ein Team aus dem Topf der 16 schlech­testen Mann­schaften (der­zeit Litauen bis Gibraltar) einen EM-Start­platz sicher.