Seite 2: Der brasilianische Kevin

Man darf also getrost davon aus­gehen, dass der Name Riquelme in all seinen ver­schie­denen Schreib­weisen und Abwand­lungen auch künftig für Schlag­zeilen im inter­na­tio­nalen Fuß­ball sorgen wird: Allein bei der jüngsten Aus­gabe der Copinha“, eines renom­mierten U20-Tur­niers mit Top­klubs wie Fla­mengo, Vasco da Gama oder Cru­zeiro Belo Hori­zonte, waren sage und schreibe elf Riquelmes am Ball, näm­lich: Riquelmo und Riquelmy (Cru­zeiro), Riquelme (Vasco da Gama), Riquelme (For­ta­leza EC), Rikelmi (Juventus), Riquelmy, Rikelme (FC Suzano), Riquelme, Adrian Riquelme, Riquelme Ramalho (alle Nova Iguacu) sowie ein gewisser Aimar Riquelme (Trem Despor­tivo Clube).

Cru­zeiros U17-Trainer Alex­andre Gra­selli hat der­zeit sogar vier Nach­wuchs­ki­cker dieses Namens in seinem Kader, als da wären: Riquelmo, Riquelmy, Riquelme und Rikelme. Wobei man da scharf trennen muss: Riquelmo und Riquelmy heißen seit ihrer Geburt so. Riquelme und Rikelme hin­gegen beschenkten sich selbst mit diesem Namen, sie tragen ihn – nach guter bra­si­lia­ni­scher Sitte – als fuß­bal­le­ri­sches Künstler-Pseud­onym. Es ist schon witzig“, sagt Coach Gra­selli, manchmal gibt es ganze Genera­tionen von Spie­lern, die sich nach einem bestimmten Fuß­baller oder Schau­spieler benennen. Einmal hatte ich gleich sechs Spieler, die sich Caua‘ nannten, nach dem Star aus einer bekannten Tele­no­vela.“

Beim bra­si­lia­ni­schen Ver­band sind aktuell 110 Nach­wuchs­ki­cker als Riquelme“ regis­triert

Nun also sind die Riquelmes im Kommen. Beim bra­si­lia­ni­schen Ver­band sind aktuell 110 Nach­wuchs­ki­cker als Riquelme“, 41 als Rikelme“ sowie rund 100 wei­tere unter ver­schie­densten anderen Schreib­weisen dieses Namens regis­triert. Der viel­leicht viel­ver­spre­chendste von allen ist Riquelme Car­valho Araujo Viana von Vasco da Gama. Laut ver­schie­dener bra­si­lia­ni­scher Medien wird der 16-Jäh­rige Offen­siv­mann bereits von jenem Bera­ter­netz­werk ange­boten, dem auch der Vater von Super­star Neymar (Paris Saint-Ger­main) ange­hört. Neben PSG sollen unter anderem Ben­fica Lis­sabon und der FC Porto um dieses Juwel buhlen.

Es scheint also nur eine Frage der Zeit, wann ein neuer großer Riquelme die Fuß­ball­welt erobert und so viel­leicht den nächsten Namens-Boom aus­löst, was auch nötig wäre: Seit 2010 näm­lich scheint Riquelme in Bra­si­lien ähn­lich out zu sein wie hier­zu­lande Kevin oder Jac­que­line. Und so pflegt manch ein bra­si­lia­ni­scher Jung­star ein eher distan­ziertes Ver­hältnis zu seinem Vor­namen: Ich bin dem echten Riquelme von der Spiel­weise her nicht beson­ders ähn­lich“, betont Nach­wuchs­stürmer Riquelmy (17) von Cru­zeiro und hätte wohl lieber einen anderen Namens­pa­tron: Mein Vor­bild ist Lewan­dowski, weil der so viele Tore schießt.“ Klingt nur leider so gar nicht süd­ame­ri­ka­nisch.