Robin Dutt, in dieser Saison liegt nicht nur der SC Frei­burg, son­dern gleich eine ganze Reihe Bun­des­li­gisten deut­lich vor Klubs, die viel mehr Geld in Per­so­nal­kosten inves­tieren können. Welche Erklä­rung haben Sie dafür?

Die Zeit­spanne ist mir zu kurz, um nach­haltig etwas daraus abzu­leiten. Außerdem würde ich bezwei­feln, dass es so bleibt. Wir selbst würden zunächst gern den ersten Schritt machen und deut­lich früher als im Vor­jahr sagen können: 40 Punkte. Ziel erreicht!“ Sollten wir in der Rück­runde die Punk­teaus­beute der Vor­runde wie­der­holen können, werden wir auch viel damit zu tun haben, das Team zusammen zu halten.



Würden Sie dann mög­li­cher­weise zum Opfer ihres Erfolges?

Ja, das aber gerne.

Der SC Frei­burg hat einen Per­so­nal­etat von 14,5 Mil­lionen Euro, so viel bezahlt der FC Bayern allein an Philipp Lahm und Bas­tian Schwein­s­teiger. Wie kann Ihr Klub in der Bun­des­liga über­haupt mit­halten?

Das frage ich mich manchmal auch, aber ich möchte nicht zu den Trai­nern gehören, die ständig anführen, wie klein ihr Etat ist. Man darf schließ­lich nicht ver­gessen, dass finan­zi­elle Unter­schiede und Leis­tungs­un­ter­schiede nicht Hand in Hand gehen. Wenn die Bayern einen unserer Spieler haben wollten, würden sie ihn nicht mehr zu dem Gehalt bekommen, das er bei uns ver­dient. Außerdem bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sofort Leis­tung ein­zu­kaufen, und das ist unver­hält­nis­mäßig teurer. Sie können ja nicht als Ziel angeben, sich von der Abstiegs­zone ins gesi­cherte Mit­tel­feld ent­wi­ckeln zu wollen. Des­halb sind derlei Ver­gleiche auch nicht immer ganz fair.

Bei allem Ver­ständnis für die Sorgen der Großen, haben Sie kein Ver­gnügen daran, die als Underdog zu ärgern?

Auf dem Platz schon, trotzdem muss ich doch aner­kennen, dass es Ver­eine mit viel höherem Etat gibt, die außer­ge­wöhn­lich gut arbeiten, wie etwa Bayer Lever­kusen oder über viele Jahre hinweg auch Werder Bremen.

Sie scheinen wirk­lich keine Lust auf Sti­che­leien zu haben.

Habe ich auch nicht, denn damit würde ich die Posi­tion der Kol­legen weiter schwä­chen, die in der Tabelle gerade hinter mir stehen. Das würde ich mir in umge­kehrter Situa­tion ja auch nicht unbe­dingt wün­schen.

Haben Sie denn die Sehn­sucht, in ihrem Trainerleben irgend­wann mal aus dem Vollen schöpfen zu können?

Wenn ich über sport­liche Per­spek­tiven nach­denke durchaus. Aber nicht auf­grund finan­zi­eller Mög­lich­keiten. Wichtig ist eher, ob ein Verein in der Lage ist, sein Poten­tial aus­zu­schöpfen. Und wenn man jetzt sagt, dass Thomas Tuchel, Mirko Slomka, Marco Kurz oder ich mit relativ wenig Geld bisher relativ viel erreicht haben, müssen wir erst mal beweisen, dass wir mit viel Geld auch viel errei­chen.

Bei den Ver­einen, die momentan ihr Poten­tial beson­ders gut aus­schöpfen, nehmen auf­fal­lend viele junge Spieler wich­tige Rollen ein. Ist das ein Zufall?

Nein, es gibt zwei­fels­ohne inzwi­schen so viele gut aus­ge­bil­dete junge Spieler, dass die Chef­trainer schon blind sein müssten, sie in der Bun­des­liga nicht ein­zu­setzen. Aber auch da sollten wir vor­sichtig sein, denn Hof­fen­heim war 2008 eben­falls mit der jüngsten Mann­schaft Herbst­meister und konnte den Tabel­len­platz dann doch nicht bestä­tigen. Wobei ich das bei Dort­mund dieses Jahr nicht erwarte, weil ihr Vor­sprung zu groß ist.

Wie wichtig ist es für Sie, dass beim SC Frei­burg sieben Spieler im Kader stehen, die aus der eigenen Fuß­ball­schule stammen?

Es sollte uns wei­terhin stark machen, dass die Ver­bin­dung zwi­schen der Fuß­ball­schule und den Profis bei uns ganz eng ist. Das ist auch wichtig, weil es inzwi­schen keinen Ort auf der Welt mehr gibt, wohin wir auf der Suche nach Spie­lern aus­wei­chen können. Unser Scout sagt immer, selbst wenn er ins tiefste Afrika fährt: Hof­fen­heim und Lever­kusen sind schon da. Zudem werden Sie beim Betrachten unseres Kaders fest­stellen, dass wir viele Spieler ver­pflichtet haben, die in ihren Ver­einen nicht mehr weiter gekommen sind und bei uns einen neuen Anlauf suchen. Diese Spieler wollen wir wei­ter­ent­wi­ckeln. Das ist unsere Nische, die wird es bleiben, und in diesem Zusam­men­hang spielt die Aus­bil­dung eigener Talente eine ganz wich­tige Rolle…

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