Roberto Carlos, heute (das Inter­view wurde am Spieltag geführt, d. Red.) spielt Bra­si­lien gegen Deutsch­land in Yoko­hama bei den Olym­pi­schen Spielen. Vor neun­zehn Jahren haben Sie dort im Finale gegen Deutsch­land die Welt­meis­ter­schaft gewonnen. 
(Grinst.)
Sorry.

Ist schon okay. Haben Sie beson­dere Erin­ne­rungen an dieses Spiel und an die Party danach?
Ich erin­nere mich, dass wir damals gegen eines der besten Teams der Welt gespielt haben. Die Deut­schen hatten wun­der­bare Spieler wie Oliver Kahn, Oliver Neu­ville, ins­ge­samt ein­fach ein sehr starkes Team. Und die Atmo­sphäre war beein­dru­ckend, das Sta­dion in Yoko­hama war restlos aus­ver­kauft. Die Deut­schen waren stark auf­ge­stellt, aber an dem Tag waren wir ein­fach besser. Wir hatten Ronaldo, der genial war an diesem Tag. Für mich war es ein groß­ar­tiger und unver­gess­li­cher Tag.

Sie haben gerade Oliver Kahn erwähnt. Er wurde damals zum Spieler des Tur­niers gewählt, obwohl er im Finale einen ent­schei­denden Fehler gemacht hat. Was sind Ihre Erin­ne­rungen an ihn?
Für mich war Oliver Kahn einer der besten Tor­hüter in meiner Zeit, wir haben ja auch oft gegen­ein­ander in der Cham­pions League gespielt. Wir sollten Fehler wäh­rend eines Tur­niers nicht mit der Leis­tung von Kahn zusam­men­bringen, jeder macht mal Fehler und die sollten nicht genutzt werden, um seine Erfolgs­ge­schichte zu ver­min­dern. Er war ein Vor­bild, der beste Tor­wart in Deutsch­land und der beste Tor­wart der Welt.

Wenn Kahn der beste Tor­hüter seiner Zeit war, wer ist es dann heute?
Der beste Tor­hüter ist Thibaut Cour­tois.

Bra­si­lien hat gerade im Finale der Copa Ame­rica gegen seinen größten Rivalen Argen­ti­nien ver­loren. Wenn Sie das heu­tige bra­si­lia­ni­sche Team mit Ihrem Team ver­glei­chen, wo sehen sie dann Unter­schiede?
Wir haben einen Teil unserer Iden­tität, unsere Art Fuß­ball zu spielen, ver­loren. Der Fuß­ball ist heute sehr viel tak­ti­scher als damals, alles dreht sich um Taktik. Als Fuß­baller musst du das respek­tieren, aber auch das Jogo Bonito sollte respek­tiert werden. Im modernen Fuß­ball geht es vor allem um Kör­per­lich­keit, Taktik und die indi­vi­du­elle Qua­lität. Das sind Ver­än­de­rungen, die man ver­stehen muss. Mein Team hat alles gewonnen und ich will, dass Bra­si­lien jetzt auch alles gewinnt, aber das ist natür­lich schwer. Fuß­ball wird ein­fach nicht mehr so gespielt wie früher. 

Heut­zu­tage haben die Fuß­baller auf­ge­hört zu trai­nieren.“

Roberto Carlos

Bei den Olym­pi­schen Spielen sind drei Spieler aus der Bun­des­liga im bra­si­lia­ni­schen Team: Matheus Cunha von Hertha BSC, Paul­inho von Bayer Lever­kusen and Reinier, der gerade von Real an Borussia Dort­mund aus­ge­liehen ist. Was denken Sie über die Drei?
Reinier von Madrid ist ein sehr junger Spieler, der sich noch ent­wi­ckelt. Ich denke, dass ihm die Zeit in Deutsch­land helfen wird, sich als Profi wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Er ist ein exzel­lenter Spieler. Matheus Cunha ist wahr­schein­lich der am wei­testen ent­wi­ckelte Spieler von diesen drei, weil er schon eine Weile in Deutsch­land spielt. Es sind alles sehr gute Spieler und wir müssen dem deut­schen Fuß­ball dankbar sein; nicht nur Bra­si­lien, son­dern der ganze süd­ame­ri­ka­ni­sche Fuß­ball. Die Spieler ent­wi­ckeln sich in Deutsch­land sehr schnell. Je mehr Bra­si­lianer in Deutsch­land spielen, desto besser.

Jeder kennt Sie wegen ihrer groß­ar­tigen Frei­stöße. In Bra­si­lien sind Sie nicht der Ein­zige mit dieser beson­deren Qua­lität. Jun­inho (77), Pelé (70) und Ronald­inho (66) haben die meisten direkten Frei­stoß­tore aller Zeiten erzielt. Auch Zico war groß­artig und Rogério Ceni war sogar als Tor­hüter ein sehr guter Frei­stoß­schütze. Wie lautet das Geheimnis für gute Frei­stöße in Bra­si­lien?
Es gibt kein Geheimnis. Es dreht sich alles ums Trai­ning, es geht darum, den Frei­stoß nach dem Trai­ning täg­lich 30 bis 40 Minuten zu trai­nieren. Heut­zu­tage haben die Fuß­baller auf­ge­hört zu trai­nieren. Sie duschen und gehen nach Hause, des­halb gibt es nicht mehr so​viele tolle Frei­stoß­schützen wie früher. Es gibt Lionel Messi, er trai­niert jeden Tag seine Frei­stöße, aber das ist einer von 2000 Spie­lern.

Haben Sie eine beson­dere Erin­ne­rung, wenn Sie an Ihre Zeit als Teil der Los Galac­ticos“ in Madrid denken?
Bei Real Madrid habe ich mit den besten Spie­lern der Welt gespielt. Das erzeugt einer­seits viel Druck. Aber mit diesen Spie­lern zu reisen, war die beste Erfah­rung meiner Kar­riere. Da waren Beckham, Figo, Ronaldo und so viele andere Spieler. Es war der Höhe­punkte meiner Kar­riere.

Sie haben einmal gesagt, Ronaldo sei Ihr bester Kumpel im Team gewesen. Warum haben Sie sich so gut ver­standen?
Ich muss gestehen: Es war uner­träg­lich, mit ihm ein Zimmer zu teilen. Er ließ mich ein­fach nicht schlafen (Lacht.). Spaß bei­seite, 20 Jahre lang haben wir uns bei Aus­wärts­reisen ein Zimmer geteilt. Das war eine wun­der­volle Erfah­rung. Des­halb ist er mein bester Freund.

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Der Eng­länder Luke Shaw hat den Spitz­namen Shaw­berto Carlos“ von seinen Team­kol­legen ver­liehen bekommen. Ist er ein wür­diger Namens­vetter?
Ich freue mich sehr, mit ihm ver­gli­chen zu werden und ebenso sehr, dass er mit mir ver­gli­chen wird. Ich bin immer auf den Platz gegangen, um mein Bestes zu geben, und er ist ein Spieler, der sich von Tag zu Tag ver­bes­sert, Spiel für Spiel. Daher bin ich mit dem Ver­gleich sehr zufrieden. Aber wir haben sehr unter­schied­liche Stile. Ich denke, dass er der­zeit einer der besten Spieler auf seiner Posi­tion als Links­ver­tei­diger ist.

Wer war für Sie der beste Ver­tei­diger der letzten 20 Jahre, Sie ein­ge­schlossen?
Paolo Mal­dini. (Pause.) Wissen Sie, ich rede nicht gerne über mich (Lacht.).

Was ver­missen Sie am meisten daran, ein aktiver Spieler zu sein? Wachen Sie manchmal mor­gens auf und denken: Heute würde ich gerne wieder auf dem Platz stehen?
Ich habe in sehr jungen Jahren mit dem Fuß­ball ange­fangen und war immer noch sehr jung, als es mit meiner Kar­riere los­ging. Es gab viel Druck, viele Anfor­de­rungen und viel Ver­ant­wor­tung. Wenn ich mor­gens auf­wache, bin ich ein­fach nur dankbar, dass ich eine so kom­plette Kar­riere hatte. Ich ver­misse das Fuß­ball­spielen nicht, weil ich alles gegeben habe. Ich hatte eine tolle Kar­riere auf und neben dem Platz. Aber ich bin immer noch ein Teil von Real Madrid, also reise ich an Spiel­tagen mit der Mann­schaft. Es ist toll, dabei zu sein und zu sehen, wie sich die jungen Spieler auf dem Platz ent­wi­ckeln. Aber ich ver­misse es nicht, weil ich mich mit meiner gesamten Kar­riere sehr erfüllt fühle.

Welche Her­aus­for­de­rung würde Sie in Zukunft noch reizen?
Ich denke immer noch daran, Bra­si­liens Natio­nal­trainer zu werden.

Danke für das Gespräch.
(Spricht deutsch.) Dan­ke­schön.

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