Roy Makaay, haben Sie sich schon wieder beru­higt?
Danke, geht wieder. Das war schon extrem stark, was die Mann­schaft in der zweiten Halb­zeit mit Spa­nien ange­stellt hat.

Aber?
Nach einem 5:1‑Sieg muss man ja vor­sichtig mit Kritik sein. Trotzdem erin­nere ich daran, dass David Silva kurz vor dem 2:1 für Hol­land die Rie­sen­chance hatte, das zweite spa­ni­sche Tor zu erzielen. Wenn er den Ball ein­fach rein­ge­schoben hätte, statt zu lupfen, wäre das Spiel ganz anders aus­ge­gangen. Da bin ich mir sicher.

Statt­dessen gelang Robin van Persie eine Minute später das 1:1 mit einem Traumtor. Ihnen als ehe­ma­liger Stürmer war doch bestimmt klar, dass er den Ball mit dem Kopf über Cas­illas heben würde, oder?
Ich habe das Spiel im TV gesehen, da war ich genauso über­rascht wie jeder andere auch. Später wurde mir berichtet, dass die hol­län­di­schen Scouts die Spieler extra instru­iert hatten, es mal mit Lup­fern zu ver­su­chen, weil Cas­illas immer so weit vor dem Tor steht. Van Persie hat das also exakt so gewollt. Das macht den Treffer für mich nur noch schöner.

Mit Stefan de Vrij und Bruno Mar­tins Indi, beide 22, standen zwei junge Spieler von Ihrem Arbeit­geber Feye­noord Rot­terdam in der Startelf. Wie schätzen Sie die Leis­tung der beiden ein?
Sowohl mit Stefan, als auch mit Bruno habe ich sogar noch zusammen gespielt: 2010 stand de Vrij bereits mit im Pro­fi­kader, Mar­tins Indi durfte regel­mäßig mit uns trai­nieren. Bruno hat bei Feye­noord eher eine unglück­liche Saison gespielt, gegen Spa­nien war er zuver­lässig und kon­stant – aber der Junge kann noch viel besser spielen, der ist ein echtes Talent. De Vrij ist ein ganz ruhiger Bur­sche, der immer einen kühlen Kopf behält. Louis van Gaal weiß schon, was er an den beiden hat – sonst würde er sie ja nicht auf­stellen.

Van Gaal war bereits von 2000 bis 2002 Bondscoach, Sie haben unter ihm gespielt. Wie muss man sich van Gaal vor so wich­tigen Spielen vor­stellen?
Er ist ein akri­bi­scher Arbeiter, des­halb ist er vor den Spielen in der Kabine auch recht gelassen und ent­spannt. Weil er weiß, dass er seine Arbeit getan hat. Und gegen Spa­nien ist seine Taktik spä­tes­tens in der zweiten Halb­zeit ja auch wun­derbar auf­ge­gangen.

Wie würden Sie diese Spiel­weise beschreiben?
Ganz simpel erklärt: Die kom­plette Taktik richtet sich danach, Robin van Persie und Arjen Robben die nötigen Frei­räume zu schaffen, damit die ihre Welt­klasse-Qua­li­täten aus­spielen können. Gegen Spa­nien hat man gesehen, was pas­sieren kann, wenn solche Fuß­baller die nötigen Frei­heiten bekommen.

War Robben für Sie der wich­tigste Mann des Spiels?
Robben war fan­tas­tisch. Aber die ent­schei­dende Säule im hol­län­di­schen Spiel heißt Nigel de Jong. Der lässt geg­ne­ri­sche Angriffe zer­schellen wie ein Felsen die Wellen und spielt dann auch noch die klugen Pässe in die Offen­sive.

Am Mitt­woch spielt Hol­land gegen Aus­tra­lien. Der Einzug ins Ach­tel­fi­nale ist jetzt nur noch Form­sache, oder?
Ich bin doch nicht ver­rückt und ant­worte darauf mit: Ja. Hin­terher heißt es noch, der grö­ßen­wahn­sin­nige Makaay hat der Elftal Pech gebracht. Die Chance ist sehr groß, denn gegen Aus­tra­lien muss die Mann­schaft eigent­lich gewinnen. Aber da lauert auch die Gefahr: Gegen Spa­nien konnte Hol­land ganz ent­spannt auf­spielen, nie­mand hatte etwas gegen den Welt­meister erwartet. Gegen Aus­tra­lien ist der Druck unwe­sent­lich höher.

Können die jungen Wilden“ um de Vrij oder Mar­tins Indi diesem Druck stand­halten?
So wie ich die beiden ken­nen­ge­lernt habe: Ja. Und auch der Rest der Mann­schaft scheint ziem­lich gefes­tigt zu sein, das liegt auch an den beiden her­aus­ra­genden Anfüh­rern Robben und van Persie. Das sind inzwi­schen keine hoch­be­gabten Jüng­linge mehr, das sind längst echte Stars, an denen sich die New­comer ori­en­tieren können. Bleibt nur noch eine Frage, die ganz Hol­land bewegt.

Näm­lich?
Ob van Gaal an der Taktik aus dem Spa­nien-Spiel fest­hält, oder sich was Neues ein­fallen lässt.

Was glauben Sie?
Ich bin ja selbst nur noch Zuschauer. Und das ist doch das Beste daran: Ich habe keine Ahnung und lasse mich ein­fach über­ra­schen (lacht).