Seite 2: „Ohne Klausel bekommt man keinen Spieler mehr“

So oder so: Der Riss in der RB-internen Lie­fer­kette wird nicht mehr zu repa­rieren sein. Denn spä­tes­tens seit Jah­res­be­ginn zeigt sich, dass Spieler wie Min­amino und vor allem Haa­land auch ohne den Zwi­schen­schritt Leipzig“ bei abso­luten Top­klubs funk­tio­nieren. Auch die Top­ta­lente der Gegen­wart begreifen diesen Trend als Chance und ver­langen nach Aus­stiegs­klau­seln, bevor sie in Salz­burg unter­zeichnen – so wie zuletzt Haa­land, der im Sommer 2019 für fünf Mil­lionen Euro von Molde FK aus Nor­wegen nach Öster­reich gewech­selt war. Ohne Klausel bekommt man keinen Spieler mehr“, klagte Salz­burgs Sport­di­rektor Chris­toph Freund gerade in der Wiener Zei­tung Der Stan­dard“: Die Spi­rale hat sich nach oben gedreht.“

RB Salz­burg und RB Leipzig drohen somit zum Opfer ihres eigenen Erfolgs zu werden. Jah­re­lang schrieb man unge­stört Storys wie die von Peter Gulacsi, Marcel Sabitzer oder Dayot Upa­me­cano, die alle­samt in Salz­burg vom Top­ta­lent zum Top­spieler ver­edelt wurden und dann in Leipzig auf­schlugen. Solch ein Erfolgs­mo­dell weckt Begehr­lich­keiten. Des­halb lauern links und rechts des knapp 600 Kilo­meter langen Kar­rie­re­pfads von Salz­burg nach Leipzig immer mehr Wege­la­gerer, die ein Top-Pro­dukt aus der RB-Schmiede lieber für 7,5 Mil­lionen (Min­amino) stehlen“, anstatt es für 60 Mil­lionen (Keita) ehr­lich zu erwerben.

Ver­liert RB Salz­burg seine Exis­tenz­be­rech­ti­gung?

Bei RB Leipzig streute man eilig, Min­amino sei ohnehin kein Kan­didat für die deut­sche RB-Filiale gewesen. Hin­ter­egger (wech­selte 2016 als erster pro­mi­nenter Abweichler“ lieber zum FC Augs­burg als zu RB Leipzig, was RB-Boss Ralf Rang­nick toben ließ; die Redak­tion), Mané, Schlager oder Lainer spielen bekannt­lich auch nicht bei uns“, betonte RB-Leipzig-Boss Oliver Mint­z­laff in einem Inter­view mit dem Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land“ und kam dabei fast ein biss­chen belei­digt rüber: Die Spieler müssen selbst eine Ent­schei­dung treffen, wer für sie infrage kommt, es gibt keine Kne­bel­ver­träge.“ Dafür immer mehr Aus­stiegs­klau­seln – und RB ist immer weniger Herr des Ver­fah­rens.

Betrachtet man RB Salz­burg als eigen­stän­digen Klub, könnte es zumin­dest der öster­rei­chi­schen Kon­zern­fi­liale wurscht sein, an wen sie ihre Top­ta­lente ver­hö­kert. So oder so fließen beträcht­liche Trans­fer­erlöse. Sieht man die Salz­burger jedoch als Farm­team für Leipzig, und das tun wohl die meisten Beob­achter, könnte die alpen­län­di­sche Depen­dance auf Dauer ihre Exis­tenz­be­rech­ti­gung ver­lieren. Zumal die Ein­kaufs­preise für neue, noch unbe­kannte Talente zuletzt rapide in die Höhe schnellten, wenn der Inter­es­sent RB Salz­burg hieß: Der Markt reagiert“, lässt Sport­di­rektor Freund durch­bli­cken.

In Leipzig will man des­halb ver­mehrt andere Talent­quellen anzapfen: RB-Chef­stra­tege Ralf Rang­nick, seines Zei­chens Head of Sport and Deve­lo­p­ment Soccer“ beim Red-Bull-Kon­zern, trimmt gerade die Filialen in Bra­si­lien (RB Bra­gan­tino) und New York sowie deren ört­liche Zulie­ferer auf Linie. Aber: auch hier schaut die euro­päi­sche Kon­kur­renz auf­merksam hin.