11FREUNDE WIRD 20!

Kommt mit uns auf eine wilde Fahrt durch 20 Jahre Fuß­ball­kultur: Am 23. März erschien​„DAS GROSSE 11FREUNDE BUCH“ mit den besten Geschichten, den ein­drucks­vollsten Bil­dern und skur­rilsten Anek­doten aus zwei Jahr­zehnten 11FREUNDE. In unserem Jubi­lä­ums­band erwarten euch eine opu­lente Werk­schau mit unzäh­ligen unver­öf­fent­lichten Fotos, humor­vollen Essays, Inter­views und Back­s­tages-Sto­­ries aus der Redak­tion. Beson­deres Leckerli für unsere Dau­er­kar­ten­in­haber: Wenn ihr das Buch bei uns im 11FREUNDE SHOP bestellt, gibt’s ein 11FREUNDE Notiz­buch oben­drauf. Hier könnt ihr das Buch be­stellen.

Außerdem prä­sen­tieren wir euch an dieser Stelle in den kom­menden Wochen wei­tere spek­ta­ku­läre Repor­tagen, Inter­views und Bil­der­se­rien. Heute: Das hei­ßeste Derby in Argen­ti­nien aus unserem Spe­zial Liebe und Hass“.

11 Freunde Das große 11 Freunde Buch Kopie

Vor zwei Jahren ging in Argen­ti­nien ein Video mit einem unge­wöhn­li­chen Haupt­dar­steller viral – Papst Fran­ziskus. Im Film sieht man, wie das Ober­haupt der katho­li­schen Kirche einigen Besu­chern des Vati­kans zuwinkt, die hinter einer Absper­rung stehen. Plötz­lich hört er einen ihm ver­trauten Zun­gen­schlag. Eure Hei­lig­keit, wir kommen aus Argen­ti­nien“, ruft jemand. Der Papst tritt an die Absper­rung und schüt­telt drei Pil­gern die Hände. Wir sind Fans von Cha­ca­rita“, sagt einer von ihnen. Wir sind gerade in die erste Liga auf­ge­stiegen und erbitten euren Segen.“

Na“, ent­gegnet Fran­ziskus lächelnd. Dann wird es jetzt aber Zeit, dass auch Atlanta auf­steigt.“

Der Papst, bekann­ter­maßen ein Fan von San Lorenzo, wuchs unweit von Villa Crespo auf, dem Viertel in Buenos Aires, in dem eine der größten Riva­li­täten im argen­ti­ni­schen Fuß­ball ihren Anfang nahm – das Derby zwi­schen Cha­ca­rita und Atlanta. Derart sprich­wört­lich ist die Riva­lität, dass es fast jedem Argen­ti­nier so geht wie dem Papst: Wer von dem einen Klub hört, denkt sofort an den anderen.

Als das Chaos los­brach

Dabei gab es nicht viele Derbys in letzter Zeit, denn die beiden Ver­eine spielten oft in ver­schie­denen Ligen. Eines der letzten Duelle endete im Jahr 2012 damit, dass zwei Strei­fen­wagen und ein Bus der Gen­dar­merie aus­brannten, Fami­li­en­an­ge­hö­rige und Vor­stands­mit­glieder von Atlanta auf der Tri­büne ange­griffen und mehr als zwanzig Per­sonen ver­letzt wurden. Dabei fand das Spiel aus Sicher­heits­gründen nur vor Cha­ca­rita-Fans statt! Den­noch waren über 500 Poli­zisten im Ein­satz, die es ein­fach nicht schafften, die Situa­tion unter Kon­trolle zu halten, als Atlanta in der Nach­spiel­zeit den Aus­gleich zum 1:1 erzielte. Auf dem Rasen beschwerten sich die Cha­ca­rita-Spieler laut­stark über Schieds­richter Fer­nando Rapal­lini, der zwei Tore von ihnen nicht aner­kannt hatte. 

Dann brach das Chaos los: Cha­ca­rita-Fans stürmten den Platz und atta­ckierten Ordner mit Stö­cken und Metall­stangen, um zu den Vor­stands­mit­glie­dern und Ange­stellten von Atlanta vor­zu­dringen. Als einige der Gäste zu ent­kommen ver­suchten, gerieten sie vor dem Sta­dion in einen Hin­ter­halt, es gab zahl­reiche wei­tere Ver­letzte. Eines der Vor­stands­mit­glieder von Atlanta, Mar­celo San­toro, wurde auf der Tri­büne bewusstlos geschlagen, wäh­rend vor dem Sta­dion die Strei­fen­wagen der Polizei brannten.

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Im März 2012 endete das Derby mit bren­nenden Autos – und dem dau­er­haften Verbot von Aus­wärts­fans im ganzen Land.

Fabián Lio

In der Kabine ein­ge­schlossen, fürch­teten Schieds­richter und Spieler um ihr Leben. Es grenzte an ein Wunder, dass nie­mand starb. Es hätte leicht das blu­tigste Spiel im argen­ti­ni­schen Fuß­ball in diesem Jahr­hun­dert werden können“, sagte ein Bericht­erstatter des TV-Sen­ders C5N. Obwohl sich keine Atlanta-Anhänger im Sta­dion befanden, war dieser Vor­fall einer der Gründe, wegen denen Regie­rung und Ver­band beschlossen, Aus­wärts­fans im argen­ti­ni­schen Fuß­ball grund­sätz­lich zu ver­bieten.

Um zu ver­stehen, warum dieses Derby zwi­schen zwei außer­halb von Argen­ti­nien kaum bekannten Klubs so bri­sant ist, muss man sich etwas auf der Ave­nida Cor­ri­entes umschauen, der großen Durch­gangs­straße, die Villa Crespo durch­trennt. Hier findet man noch das alte Buenos Aires, mit seinen zahl­rei­chen geschäf­tigen Cafés, Wand­ma­le­reien, Kopf­stein­pflaster und Tango-Flair. Beide Ver­eine kommen von hier – bis 1944 waren ihre Sta­dien sogar nur durch eine Mauer getrennt. Atlanta ist noch immer überall prä­sent, die Ver­eins­farben Gelb und Blau finden sich auf Stra­ßen­ma­le­reien, gerahmten Tri­kots und den Titel­seiten der Zeit­schriften, die in den Bars aus­liegen. Doch von Cha­ca­rita fehlt jede Spur. Sogar auf dem Schild der Bahn­sta­tion steht: Villa Crespo (Ex Cha­ca­rita).“ Wie viele Derbys können von sich behaupten, dass einer der beiden Ver­eine den anderen aus seiner Heimat ver­drängt hat?