Patrick Herr­mann, Samstag kommt For­tuna Düs­sel­dorf nach Mön­chen­glad­bach. Die Borussia hat noch eine Rech­nung offen gegen den Auf­steiger.
Wir haben uns in den beiden Duellen schwer getan gegen die For­tuna, und am Samstag haben wir die Mög­lich­keit, Revanche zu nehmen. Es wird wahr­schein­lich ein ähn­li­ches Spiel wie das in Hof­fen­heim. Aber dann haben wir die Chance, es besser zu machen und ein Tor mehr zu schießen als Düs­sel­dorf. Es ist zudem ja auch noch eine Art Derby“, das wir haben. Viel­leicht setzt das zusätz­liche Kräfte frei.

Der Auf­takt in Sins­heim ist mit einem 0:0 nicht wirk­lich geglückt. Immerhin ist die TSG mit 41 Gegen­toren die Schieß­bude“ der Liga.
 Hof­fen­heim hat anders gespielt als in der Hin­runde. Da steht jetzt ein neuer Trainer an der Sei­ten­linie, und das trägt offenbar Früchte. Sie haben tief gestanden und fast nur auf Konter gespielt. Das war nicht leicht für uns, weil es am geg­ne­ri­schen Straf­raum natür­lich sehr eng für uns wurde. Wir hätten viel­leicht mehr über die Außen spielen und mehr aus der Distanz schießen müssen.

Glad­bachs Trainer Lucien Favre bemän­gelte in der Hin­runde, seine Stürmer seien alle zu ähn­lich. Bei Luuk de Jong, Mike Hanke und Igor de Camargo hat der Schweizer Recht. Peniel Mlapa wäre aber ein kom­plett anderer Typ Stürmer.
Mlapa ist auch eine Vari­ante. Er ist ein schneller Spieler, und ich weiß, dass wir gut har­mo­nieren auf dem Platz. Ich kenne Peniel schon lange aus den Jugend-Natio­nal­mann­schaften. In der U21 spielen wir zum Bei­spiel ein 4−3−3 mit Peniel in der Mitte. Er ist ein anderer Spie­lertyp als Luuk oder Mike, er geht sehr viel in die Tiefe. Aber einen Lieb­lings­partner im Sturm habe ich nicht.

Sie spre­chen die Taktik an. In Hof­fen­heim hat Lucien Favre das Spiel­system schon kurz nach dem Anpfiff kor­ri­giert.
Solche Dinge stu­dieren wir im Trai­ning ein. Wir haben vor allem in Dubai an unseren ver­schie­denen For­ma­tionen 4−4−2, 4−3−3 oder 3−5−2 gear­beitet. In Hof­fen­heim haben wir mit einem 4−4−2 ange­fangen. Der Trainer hat sich dann nach zehn Minuten ent­schieden umzu­stellen. Für uns ist das kein Pro­blem. Wir wissen sofort, wo wir dann spielen müssen, der Gegner aber muss sich erst auf eine neue Situa­tion ein­stellen und sieht sich plötz­lich anderen Spie­lern gegen­über.

Aber auch Sie sehen sich dann anderen Spie­lern gegen­über und müssen sich anders bewegen. Wie groß ist die Umstel­lung für Sie?
Ich brauchte zu Beginn schon ein paar Spiele, um mich vorne als Stürmer ein­zu­finden. Ich habe das zwar schon in der Jugend gespielt, aber es war trotzdem eine Umstel­lung für mich. Mitt­ler­weile funk­tio­niert das aber sehr gut vorne. Ich habe auch keine Pro­bleme, links oder rechts zu spielen. Ich finde es gut, wenn man durch diese tak­ti­schen Fein­heiten des Posi­ti­ons­wech­sels den Gegner in Unord­nung bringt. Das kommt mir zugute, schafft Räume. Eine Lieb­lings­po­si­tion habe ich nicht. Wie heißt es so schön: Ich spiele da, wo mich der Trainer auf­stellt (lacht).

Zuletzt spielten Sie immer wieder auf der Posi­tion, die Marco Reus bei der Borussia so geprägt hat. Geht Ihnen der Ver­gleich auf den Senkel?
Das kenn ich allzu gut und kann es fast nicht mehr hören. Jetzt sollte man es langsam mal lassen, uns mit­ein­ander zu ver­glei­chen. Marco Reus ist ein über­ra­gender, ein Welt­klas­se­spieler. Ich bin froh, dass ich mit ihm zusam­men­spielen durfte und habe ver­sucht, mir einiges abzu­gu­cken. Wir haben viel mit­ein­ander gespro­chen, und er hat mir Tipps gegeben. Aber mich mit ihm zu ver­glei­chen oder zu sagen, ich sei Marcos Nach­folger, ist ein­fach zu hoch gegriffen. Ob ich jemals dahin komme, wo Marco jetzt ist, steht in den Sternen.

Was muss vom Himmel fallen, damit Sie in seine Fuß­stapfen treten können?
Die Schnel­lig­keit am Ball und die Effek­ti­vität von Marco sind über­ra­gend. Was er momentan spielt, ist ganz großes Kino. Er hat ein enormes Selbst­ver­trauen. Das sieht man auch daran, wie er die Frei­stöße ver­wan­delt. Die Schuss­technik ist per­fekt.

Hat er sich das bei Glad­bachs Kunst­schütze Juan Arango abge­guckt?
Er hat es auf jeden Fall bei uns schon immer trai­niert. Auch wenn Juan mit links und Marco mit rechts schießt, Ähn­lich­keiten haben die beiden Schuss­tech­niken auf jeden Fall. Dem müsste man mal auf den Grund gehen (lacht).

Borus­sias Sport­di­rektor Max Eberl hat zuletzt gesagt, die Ent­wick­lung von Reus war über­haupt nicht vor­aus­zu­sagen.
Nein, ganz abzu­sehen, war es damals nicht, als er nach Mön­chen­glad­bach gekommen ist. Man kann so etwas nicht immer vor­her­sehen, wie Dinge ihren Lauf nehmen. Die Anlagen waren damals auch schon da, und er hat das im Trai­ning auch häufig abge­rufen, aber vor allem die Auf­tritte in der Bun­des­liga haben ihn besser gemacht.

Sie wurden in Ihrer Ent­wick­lung immer wieder durch kleine Ver­let­zungen gestoppt – allen voran mit ihrem Schlüs­sel­bein­bruch im Winter der ver­gan­genen Erfolgs­saison.
Die Schul­ter­ge­schichte damals war sehr ärger­lich, weil ich einen rich­tigen Lauf hatte. Nach der Ver­let­zung hatte ich ein biss­chen Schwie­rig­keiten, wieder an die Form anzu­knüpfen. Aber Ver­let­zungen gehören im Fuß­ball mit zum Geschäft. Das ist Berufs­ri­siko.

Ihre Mann­schaft kann in dieser Saison nicht an die Stärken der ver­gan­genen Saison anknüpfen. Lucien Favre spricht von einer Auf­bau­saison“.
Wir können mit unserer Punk­teaus­beute bis hierhin zufrieden sein. Wir haben schon lang und breit drüber gespro­chen, dass wir im ver­gan­genen Jahr drei starke Spieler ver­loren haben. Wir haben jetzt viele junge Spieler im Kader, und wir ver­su­chen, in dieser Saison Grund­lagen zu legen und eine gute Rolle in der Liga zu spielen.

Für so einen Umbruch mit jungen Spie­lern ist Favre der rich­tige Trainer?
Lucien Favre ist ein sehr umgäng­li­cher Typ. Man muss nur seine Vor­gaben umsetzen. Wenn man das macht, läuft es auch ganz gut. Als er Borussia damals über­nommen hatte, mussten wir uns natür­lich erst umstellen, jeder Trainer ist anders. Aber wir haben ange­nommen, was er von uns wollte und schnell wusste jeder, was er zu tun hat. Das hat bis heute ganz gut hin­ge­hauen.

Was ist es, dass Favre von Ihnen will?
Jeder Spieler in unserer Mann­schaft kann sich ver­bes­sern und hat Dinge, an denen er arbeiten muss. Gerade für die jungen Spieler nimmt sich Favre Zeit, um ihnen Sachen zu erklären, die sie noch ver­bes­sern müssen.

Sie sind auch jung. Was erzählt der Coach Ihnen, wenn er sich Zeit für Sie nimmt?
Ich weiß, was ich besser machen kann und woran es noch bei mir hapert. Favre zeigt mir Übungen, die mir dabei helfen, besser zu werden. Wir wissen beide, dass ich kein großer Kopf­ball­spieler mehr werde, also kann ich das etwas ver­nach­läs­sigen. Aber bei der Ball­an­nahme und ‑mit­nahme muss ich mich stei­gern. Seitdem Lucien Favre in Mön­chen­glad­bach ist, habe ich bei­spiels­weise meinen linken Fuß stark ver­bes­sert. Aber es ist trotzdem noch Luft nach oben. Der Coach gibt uns Feed­back und beob­achtet die Ent­wick­lung von jedem ein­zelnen.

Inter Mai­land und die Tot­tenham Hot­spurs sind eben­falls an Ihren Ent­wick­lungen inter­es­siert und auch Ihr Zim­mer­kol­lege Marc-André ter Stegen wird umworben. Ist das ein Thema im Hotel?
Wir reden da nicht drüber. Wir sind beide froh, dass wir bei Borussia Mön­chen­glad­bach die Mög­lich­keit haben, Bun­des­liga zu spielen und sind froh über jeden Ein­satz. Natür­lich ist es eine Ehre, wenn sich aus­län­di­sche Klubs nach einem erkun­digen, aber damit beschäf­tige ich mich über­haupt nicht. 

Viel­leicht auch, weil die Bun­des­liga immer grö­ßere Strahl­kraft bekommt?
Ja, genau. Die Bun­des­liga ist in den ver­gan­genen Jahren immer stärker geworden und viel­leicht sogar die beste Liga in Europa. Dass sich Pep Guar­diola für Bayern ent­schieden hat, ist doch ein deut­li­ches Zei­chen. Ich habe nichts anderes im Kopf, als bei Borussia zu spielen und fühle mich sehr wohl hier.

Wie sehr beschäf­tigen Sie sich mit der deut­schen Natio­nal­mann­schaft?
Wir haben Anfang Juni ein großes Tur­nier mit der U21-Natio­nal­mann­schaft. Das kann natür­lich auch immer ein Sprung­brett für die A‑Mannschaft ein. Ich werde ver­su­chen, bei der Euro­pa­meis­ter­schaft in Israel auf mich auf­merksam zu machen. Aber wenn man sich die Leis­tungs­dichte in der Natio­nalelf anguckt, wird es ganz schwierig, ein A‑Länderspiel zu machen. Das ist natür­lich auch ein großer Traum von mir.

Ist Ihr Nach­teil viel­leicht, dass Sie doch Natio­nal­spieler Marco Reus zu sehr ähneln?
Viel­leicht ist es tat­säch­lich so, dass wir uns von der Spiel­an­lage zu ähn­lich sind. Außerdem haben wir in der Offen­sive im DFB-Team eine ganz beson­dere Qua­lität. Thomas Müller, Toni Kroos, Mario Götze und André Schürrle – das sind alles junge, sehr gute Spieler. Ich habe auf jeden Fall noch kei­nerlei Kon­takt zum Bun­des­trainer.

Löw fehlt die Alter­na­tiven zu Stoß­stürmer Mario Gomez und Miroslav Klose…
Dafür bin ich aber nicht der Rich­tige (lacht).

Klose könnte Ihnen in der Europa League Mitte Februar ein paar Tricks ver­raten…
Auf die Spiele gegen Lazio Rom freue ich mich auch richtig. Ich habe mir ganz früher immer die Spiele von Miro Klose auf dem Bet­zen­berg ange­guckt. Er war der Held von Kai­sers­lau­tern und ist immer noch ein über­ra­gender Spieler.