Ein älterer Herr mit Brille, beige­far­bener Schie­ber­mütze, braunen Leder­schuhen, einem grauen Sakko und einer blau-weiß-gestreiften Kra­watte steht vor dem Ein­gang des Boundary Park. Er hält eine Ansprache, stimmt einen Song an, streckt seine Hände in die Höhe. Anschlie­ßend mischt er sich sogar unter die Fans. Die Anhänger jubeln ihm zu. Der Grund: Der umju­belte Mann ist Frank Rothwell, der neue Besitzer von Oldham Ath­letic. Der 72-Jäh­rige hatte soeben eine Pres­se­kon­fe­renz im Boundary Park, Old­hams Sta­dion, abge­halten und wollte sich vor dem Ein­gang nun den Fans der Latics vor­stellen.

Rothwell, der die Schule als 14-Jäh­riger ver­ließ, um Trak­toren zu repa­rieren, ist Multi-Mil­lionär. Er hat in Man­chester, unweit von Oldham, ein großes Busi­ness mit Con­tai­ner­an­lagen geschaffen. Doch Rothwell ist kein gewöhn­li­cher Geschäfts­mann. Mit 70 Jahren ist er als ältester Mann über den Atlantik geru­dert und hat dabei rund 800.000 Euro für wohl­tä­tige Zwecke gesam­melt. Außerdem ist er einer von nur zehn Seg­lern, die sowohl Nord- als auch Süd­ame­rika umse­gelt haben. Dazu hat er den Pro­sta­ta­krebs besiegt und den welt­weit ein­zigen Land Rover mit Koh­le­an­trieb gebaut. Und den Kili­man­dscharo hat er auch schon erklommen.

„Verrückt, aber nicht durchgeknallt“ Oldham-Fan Matt Dean über den neuen Besitzer

Frank Rothwell hat den Kili­man­dscharo bestiegen, ist über den Atlantik geru­dert – und hat Oldham Ath­letic gerettet. Die Fans sind begeis­tert.

Es wirkt, als könnte dieser Herr Wunder schaffen. Solche kann Rothwell den Fans von Oldham Ath­letic aller­dings nicht ver­spre­chen. Was er hin­gegen sagen kann: Das Leiden ist vorbei!“ Denn Fan von Oldham Ath­letic zu sein, bedeutet seit 1994 vor allem eines: lei­dens­fähig zu sein. 1992 zählte der Verein noch zu den 22 Mit­glie­dern, die an der ersten Pre­mier-League-Saison teil­nahmen. 1994 stiegen die Latics aus der höchsten eng­li­schen Spiel­klasse ab, seither ging es im Sink­flug hin­unter. Der größte Tief­punkt des 1895 gegrün­deten Klubs: Der im ver­gan­genen April erfolgte erst­ma­lige Abstieg aus dem Pro­fi­be­reich.

Eine 1:2‑Niederlage gegen Sal­ford City besie­gelte den Absturz aus der viert­klas­sigen League Two in die fünft­klas­sige National League. Dabei stürmten die Anhänger der Latics in der 79. Minute, wäh­rend das Spiel noch lief, auf den Rasen des Boundary Park. Meh­rere hun­dert Fans hielten ein Banner mit der Auf­schrift Get out of our club“ hoch und pro­tes­tierten laut­stark. Damit adres­sierten sie den unbe­liebten dama­lige Investor Abdallah Lem­sagam. Der reiche marok­ka­ni­sche Sport­agent hatte Oldham Ath­letic 2018 über­nommen. Unter ihm setzte sich der Sink­flug nur weiter fort. Lem­sagam war für die Fans nichts weiter als ein Ahnungs­loser. Einer, der den Geschi­cken des Fuß­balls am besten fern­bleiben sollte. Seinen Bruder Mohamed stellte er als Sport­di­rektor ein, in vier Jahren kamen unter ihm neun Trainer, dar­unter Paul Scholes und Harry Kewell, deren Inter­mezzi nur von kurzer Dauer waren. Auch ver­spä­tete Lohn­zah­lungen zählten zu Lem­sa­gams Amts­zeit. Zum Antritt ver­sprach er den Anhän­gern bis 2023 den Auf­stieg in die dritte Liga, statt­dessen ging es unter ihm 2022 in die fünfte Liga. Auch des­halb war er für die Fans bloß ein Dumm­schwätzer.