Jan-Henrik Grus­zecki, die DFL hat Fan­ver­treter zu einem Gespräch über die zukünf­tige Gestal­tung der Fan­si­tua­tion in den Sta­dien ein­ge­laden. Was erwarten Sie sich von dem Treffen?
Wir hoffen, dass wir einen kleinsten gemein­samen Nenner finden können. Es ist auf jeden Fall eine gute Sache, dass end­lich mal mit­ein­ander und nicht über­ein­ander geredet wird. Kon­krete Beschlüsse erwarten wir für dieses Treffen aller­dings noch nicht – die DFL hat zu einem gemein­samen Aus­blick auf die Zukunft“ ein­ge­laden. Es wird also ein infor­melles Gespräch mit Arbeits­at­mo­sphäre“, wie es Andreas Rettig (seit dem 2.1.2013 DFL-Geschäfts­führer, d. Red.) ja gerne betont.

Wie könnte dieser kleinste gemein­same Nenner denn aus­sehen?
Teil­weise liegen die Inter­essen von DFL und uns Fans ja viel­leicht gar nicht so weit aus­ein­ander. Ich denke, dass die DFL genau so wie wir ein Inter­esse daran hat, dass die Kurven in den Sta­dien wei­terhin laut und bunt sind, das lässt sich schließ­lich gut ver­markten. Durch die drin­gend nötige Aus­sprache können wir hof­fent­lich mit­tel­fristig zu einem fan­freund­li­chen Sta­di­on­er­lebnis bei­tragen. Letzt­lich müssen DFL und Fans gemeinsam für den Erhalt der Fan­kultur gegen­über poli­ti­schen Hard­li­nern und der Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz ein­treten.

Wie sehen die mit­tel­fris­tigen Ziele der Fans kon­kret aus?
Wir wollen eine Kom­mis­sion gründen und in einer Kam­pagne lager­über­grei­fende Vor­schläge zur Opti­mie­rung des Sta­di­on­be­su­ches erar­beiten. Wir werden unser eigenes Kon­zept prä­sen­tieren, um das Sta­dion fan­freund­li­cher zu machen. Uns liegt sehr am Herzen, dass sich die öffent­liche Wahr­neh­mung der Fans ändert. Als Druck­mittel haben Ver­eine und DFL in der Ver­gan­gen­heit immer wieder Ein­schrän­kungen ver­meint­li­cher Fan­pri­vi­le­gien“ ein­ge­setzt. Dar­unter ver­stehen sie aller­dings für Fans selbst­ver­ständ­liche Dinge wie das Mit­führen von Trom­meln und Fahnen. Für uns ist das kein Pri­vileg, son­dern gehört zu einem Sta­di­on­be­such genau dazu wie die Sta­di­on­wurst.

In der Ver­gan­gen­heit schei­terte ein Dialog zu der schritt­weisen Lega­li­sie­rung von Pyro­technik mit den Ver­bänden. Damals been­dete der DFB ein­seitig die Gespräche. Haben Sie keine Angst, dass ein Arbeits­treffen mit der DFL ähn­lich enden könnte?
Wir glauben, dass es diesmal anders kommt. Andreas Rettig hat schon durch sein Teil­nehmen am Fan-Gipfel in Berlin seine Gesprächs­be­reit­schaft ver­deut­licht. Er wird in der Fan­szene positiv wahr­ge­nommen und hat einen Ver­trau­ens­vor­schuss. Wir hoffen, dass sich ein sol­ches Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­saster wie im November und Dezember 2012 nicht wie­der­holen wird.

Welche Rolle haben die bun­des­weiten 12:12“-Fanproteste für den Dialog gespielt?
Ohne die Pro­teste hätte es keine Gespräche gegeben. Das war aller­dings nicht ihr ein­ziger Ver­dienst: Das erste Sicher­heits­kon­zept wurde kom­plett über­ar­beitet, die Steh­plätze sind nicht mehr bedroht. Wir konnten den Tod der Fan­kultur ver­hin­dern. Den­noch waren die Beschlüsse vom 12.12.2012 ein Schritt in die fal­sche Rich­tung. Vor allem war es schade, dass man der größten Jugend­sub­kultur in Deutsch­land vor Augen geführt hat, dass es in der Politik nicht um Inhalte, son­dern um Sym­bolik geht. Die Zeit“ brachte es mit es soll ein Pro­blem gelöst werden, dass es nicht gibt“ auf den Punkt.

Hätte sich die DFL gegen die For­de­rungen aus der Politik besser zur Wehr setzen müssen?
Mir ist es ein Rätsel, warum die DFL sich derart devot zum Spiel­ball der Politik hat machen lassen. Die Mit­glieder der DFL sind gemeinsam ein unglaub­lich wich­tiger Steu­er­zahler der Repu­blik. Man hätte öffent­lich Stel­lung gegen die Scharf­ma­cher der Debatte beziehen müssen. Ein State­ment wie Hansi Küp­pers legen­därer Talk­showauf­tritt, in dem er den Poli­zei­ge­werk­schafter Rainer Wendt inner­halb von ein­ein­halb Minuten als Popu­listen ent­larvt, weil er ihm seine absurden Äuße­rungen um die Ohren haut, hätte eigent­lich von der DFL kommen müssen.

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Jan-Henrik Grus­zecki ist Mit­be­gründer der Fan-Initia­tive Ich fühl mich sicher!“
und war einer der Orga­ni­sa­toren der bun­des­weiten 12:12“-Fan-Proteste.