Seite 4: 1958 treibt er Uwe Seeler in den Wahnsinn

Gregg aber spielt aus­ge­rechnet im Jahr der Kata­strophe seine viel­leicht beste Saison. Mit Nord­ir­land fährt er zur WM 1958 nach Schweden und erreicht sen­sa­tio­nell das Vier­tel­fi­nale. Gregg wird anschlie­ßend zum Tor­hüter des Tur­niers“ gekürt. Sein Meis­ter­stück hat er im Grup­pen­spiel gegen Deutsch­land abge­lie­fert. Zwar endet die Partie mit 2:2, aber vorher pariert Gregg so unglaub­lich gut, dass ihm der dama­lige WM-Debü­tant Uwe Seeler später ein ganzes Kapitel in seiner Bio­grafie widmet.

Ein großer Titel bleibt ihm ver­wehrt

Ein großer Titel bleibt ihm aller­dings ver­wehrt. Das FA-Cup-Finale 1958 ver­liert Uniteds Rump­felf knapp, den Pokal­er­folg 1963 ver­passt er wegen einer Schul­ter­ver­let­zung. Und weil er eben­falls auf­grund von Ver­let­zungen zu wenig Ein­sätze macht, bekommt er für Uniteds Meis­ter­schaften 1965 und 1967 keine Medaille ver­liehen. Andere Zeiten. Im Dezember 1966 ver­lässt er Man­chester United und ver­sucht es noch einmal bei Stoke City. Die große Kar­riere des Helden von Mün­chen endet nach zwei Ein­sätzen. Zum Sai­son­ende 1966/67 hängt Harry Gregg die Hand­schuhe an den Nagel. Den Tri­umph der wie­der­for­mierten zweiten Genera­tion der Busby Babes“ – unter anderem mit seinem Lands­mann George Best – ver­folgt er als Fuß­ball-Rentner.

Seine Ver­suche, es als Trainer zu Glanz und Gloria zu schaffen, sind nicht der Rede wert. Wie das häufig so ist bei Aus­nah­me­spie­lern: Sie ver­blassen ein­fach zu sehr im Ver­gleich mit der aktiven Kar­riere. Später über­nimmt er ein Hotel an der nord­iri­schen Küste, doch auch das gibt es heute nicht mehr.

Neue Helden braucht das Land

Harry Gregg aber lebt noch. Neben United-Legende Bobby Charlton – an dessen Ret­tung 1958 er eben­falls einen ent­schei­denden Anteil hatte – ist er der ein­zige noch lebende Spieler von Mün­chen-Riem. Nächstes Jahr spielen seine Lands­leute bei der Euro­pa­meis­ter­schaft in Frank­reich. Gregg wäre dann 83 Jahre alt. Wer würde es diesem Mann nicht wün­schen, dass sein Land ein gutes Tur­nier spielt? Nord­ir­land braucht neue Helden. Zumin­dest auf dem Fuß­ball­platz.