Seite 3: 13 Tage nach der Katastrophe steht Gregg wieder im Tor

Wie mag es Harry Gregg wohl ergangen sein, als er Stunden nach der Kata­strophe mit seinem Mit­spieler Bill Foulkes auf einem Hotel­zimmer sitzt? Not­seel­sorge ist 1958 offenbar noch ein Fremd­wort in Mün­chen. Im Hotel der United-Spieler findet eine aus­ge­las­sene Faschings­party statt. Beide ernten noch ver­ständ­nis­lose Blicke, als sie den deut­schen Par­ty­bies­tern mit Händen und Füßen mit­teilen müssen, dass ihnen heute nicht wirk­lich nach Feiern zumute ist.

Weiter. Immer weiter

Weiter, immer weiter hat einer von Greggs Nach­fol­gern als Welt­klasse-Keeper mal gesagt. Bei Oliver Kahn ging es um Fuß­ball­spiele, bei Harry Gregg um das Leben nach der Tra­gödie. Weiter, ein­fach wei­ter­ma­chen. Viel­leicht geht das nur so, wenn man nicht wahn­sinnig werden möchte. Also steht er am 19. Februar 1958 wieder im Tor. 13 Tage nach dem Air Dis­aster. Das Pokal­spiel gegen Shef­field Wed­nesday gewinnt die Mann­schaft, not­dürftig zusammen geflickt aus Jugend­spie­lern und Akteuren der zweiten Mann­schaft, mit 3:0. Harry Gregg hält jeden Ball. Der Held ist jetzt wieder Tor­hüter. Viel­leicht ein Weg zurück in die Nor­ma­lität.

Doch was ist Nor­ma­lität, wenn man so etwas erlebt hat? Die Sekunden vor dem Crash. Das Feuer. Die Explo­sionen. Die Schreie. Das Blut. Die Lei­chen. Die Toten­stille. Zumal das Leben noch wei­tere Kata­stro­phen für Harry Gregg bereit hält. 1961 stirbt seine Frau Mavis an Krebs. Der Keeper hatte sie erst ein Jahr vor dem Unglück von Mün­chen gehei­ratet. Und im April 2009 wird auch seine zweite Tochter Karen vom Krebs dahin­ge­rafft. Da ist sie erst 50 Jahre alt. Manche Men­schen zer­bre­chen an sol­chen Geschichten.