Die Geschichte des deut­schen Fuß­balls hat viele große Natio­nal­mann­schaften gesehen. Kein Wunder bei vier Welt- und drei Euro­pa­meis­ter­ti­teln. Die Gewinner von Bern, Mün­chen, Rom oder Rio sind all­ge­gen­wärtig und werden spä­tes­tens vor großen Tur­nieren wieder ins Ram­pen­licht gezogen.

Auch tra­gi­sche Ver­lierer – Stich­wort Wem­bley-Finale oder Jahr­hun­dert­spiel von Mexiko – haben ihren Platz in den ewigen Ruh­mes­hallen des deut­schen Fuß­balls. Doch um die erste deut­sche Natio­nalelf, die zum Mythos wurde, wird weniger Wirbel gemacht. Alles was vor dem Krieg war, scheint zum Ver­gessen ver­dammt zu sein.

Bres­lauer Hütte“, Bres­lauer Flug­hafen“

Die dam­natio memo­riae, mit der antike Herr­scher miss­lie­bige Per­sonen per Order an ihre Geschichts­schreiber aus den Annalen tilgten, als habe es sie nie gegeben, droht all­mäh­lich auch der Breslau-Elf, die heute vor 75 Jahren ans Tages­licht trat. Sie hat keine Titel gewonnen, nur Herzen. Reicht das etwa nicht? Wer auf in heute geläu­figer Art im Internet nach ihr sucht und zunächst nur den Namen der schle­si­schen Stadt Breslau bei Google ein­gibt, erhält zehn Vor­schläge, die mit Fuß­ball wenig zu tun haben. Bres­lauer Hütte“, Breslau Flug­hafen“, Breslau Wetter“, Breslau Stadt­plan“ und Breslau rallye“ werden offen­kundig häu­figer ange­fragt.

Das hat die beste Natio­nal­mann­schaft vor dem Krieg nicht ver­dient. Zumal die Tage, die sie berühmt machten, bes­tens doku­men­tiert sind. Dank der Akribie des 1977 ver­stor­benen Bun­des­trai­ners Sepp Her­berger, dessen Nach­lass im Frank­furter DFB-Archiv erhalten ist, ist die Zeit­reise ins Jahr 1937 äußerst auf­schluss­reich. Was also geschah an Pfingsten vor 81 Jahren?

Seit vier Jahren sind die Natio­nal­so­zia­listen an der Macht. Die Gleich­schal­tung eines ganzen Volkes läuft auf Hoch­touren und kom­mende Untaten kün­digen sich an. Am Pfingst­samstag, einen Tag vor dem Län­der­spiel gegen Däne­mark, endet in Mün­chen der zweite Jah­restag der For­schungs­ab­tei­lung Juden­frage“. Die Wis­sen­schaftler kommen zu dem gewünschten Ergebnis und haben die unheil­volle Rolle des Juden­tums dar­ge­legt“, wie die Deut­sche All­ge­meine Zei­tung fest­hält.

Die Schlag­zeilen beherrscht aber noch immer die Hin­den­burg-Kata­strophe – der Absturz des deut­schen Zep­pe­lins bei der Lan­dung vor New York, der am 6. Mai 35 Pas­sa­gieren das Leben gekostet hat. Noch rät­selt man nach den Ursa­chen; für die Nazi-Pro­pa­ganda ist das Unglück des stolzen Luft­schiffes mehr als eine huma­ni­täre Kata­strophe. Da kämen posi­tive Schlag­zeilen auf anderem Gebiet gerade recht. Im Sport etwa.

Von der deut­schen Fuß­ball-Natio­nal­mann­schaft erwartet man vor dem Test­spiel gegen die Dänen in Breslau einen glatten Sieg, zumal es 1937 bis dahin bereits deren vier bei einem Remis gegeben hat. Die längste Sie­ges­serie der DFB-His­torie läuft also bereits, doch das ahnt noch nie­mand.

Wer ist der Vater der Breslau-Elf?

Ein 1:0 gegen Luxem­burg und ein 1:0 in Zürich gegen die Schweiz ver­leitet nie­manden zu Grö­ßen­wahn. An jenem 2. Mai 1937 wird auf dem tra­di­tio­nellen Ban­kett in Zürich die Breslau-Elf, wenn man so will, gezeugt. Wer ihr Vater ist, dar­über streiten die Gelehrten. Die Füh­rung der Natio­nalelf ist aus heu­tiger Sicht ver­wir­rend bis chao­tisch. Der alte Reichs­trainer Dr. Otto Nerz ist nach dem Olympia-Debakel 1936 nicht mehr wohl gelitten und wird vor­über­ge­hend beur­laubt, Sepp Her­berger hat ihn 1936 bereits zweimal ver­treten.

Doch Dr. Nerz kämpft um seinen Posten, er bleibt in der Ver­ant­wor­tung. Über allem schwebt ohnehin der Prä­si­dent des DFB, damals umbe­nannt in Fachamt Fuß­ball im Reichs­bund für Lei­bes­übungen“, Felix Lin­ne­mann. Er hat formal das letzte Wort bei der Auf­stel­lung, Nerz bestimmt die Trai­nings­ab­läufe und Her­berger, quasi als Übungs­leiter, führt sie aus. Den­noch darf er sich Reichs­trainer nennen.

Her­berger hat sich bereits am 12. Dezember 1936 bei Lin­ne­mann beschwert: Ich frage mich, was ich als Reichs­trainer eigent­lich zu tun habe, wenn Dr. Nerz für die Schu­lung, Betreuung und Auf­stel­lung der allein ver­ant­wort­liche Mann ist. Ich werde mit einer sol­chen Lösung nie ein­ver­standen sein.“ Wobei wie erwähnt sich auch Lin­ne­mann in die Auf­stel­lung ein­mi­schen darf, was er bei der WM 1938 tun wird.
Im Mai 1937 muss Her­berger sich die Auf­stel­lung nur von Otto Nerz abni­cken lassen. In seinem Nach­lass schil­dert der Reichs­trainer das so: Als wir zum Ban­kett auf­bra­chen, hatte ich meine Mann­schaft für unser nächstes Spiel. Sie wurde auch am glei­chen Abend per­fekt. Die Tisch­ord­nung war so getroffen; x (d.h. Nerz) am Tisch der Pro­mi­nenz sit­zend, doch auf Reich­weite von mir plat­ziert war. Von dort reichte er mir einen Zettel zu, auf dem sein Vor­schlag für das nächste Treffen zu lesen war. Er hatte diese Auf­stel­lung:

Sepp Her­ber­gers Erin­ne­rungen: 
Otto Nerz schlägt eine Elf vor, ist aber unent­schlossen
Jakob – Bill­mann, Mün­zen­berg – Kupfer, Gold­brunner, Kit­zinger – Lehner, Siff­ling (Hohmann/​Lenz), Szepan, Urban.

Dr. Nerz ist in der Mit­tel­stürmer-Frage unent­schlossen, schwankt zwi­schen Karl Hoh­mann aus Ben­rath und Dort­munds August Lenz. Her­berger will keinen von beiden, nomi­niert“ den Mann­heimer Otto Siff­ling und tauscht auch den rechten Ver­tei­diger aus: für Nürn­bergs Willi Bill­mann sieht er Düs­sel­dorfs Paul Janes vor. Doch wird Nerz das akzep­tieren?

Her­berger: Ich reichte meinen Zettel mit meinen Kor­rek­turen wieder über den Tisch zurück, er über­flog ihn, nickte mir zu und sagte – kopf­ni­ckend – in Ord­nung! Die Breslau-Elf, über die wahre Hymnen gedichtet werden sollten, ist also das Resultat einer Zet­tel­wirt­schaft.“

In dem von Eitel­keiten geprägten Ver­hältnis zwi­schen Nerz und Her­berger, der erst ab 1938 nach dem gänz­li­chen Rückzug des Kon­kur­renten in die Wis­sen­schaft (Pro­fessur an der Ber­liner Reichs­aka­demie für Sport) allein­ver­ant­wort­lich, aber kei­nes­wegs sou­verän in seinen Hand­lungen war, ist die Frage nach dem Urheber nicht ohne Bri­sanz.

Her­berger: Die Breslau-Elf spielte nach meinem Kon­zept“

Es spielt also die Elf, die Her­berger will, aber Nerz hat sie geneh­migt. In seinen Notizen nennt Her­berger Nerz leicht spöt­tisch des­halb den Groß­vater“ der Breslau-Elf. Seine Rolle beschreibt er so: Die Breslau-Elf spielte nach meinem Kon­zept! (ich glaube, dass ich schon Ein­fluß auf das Geschehen auf dem Feld genommen hatte. Allein schon durch die for­melle Beset­zung d. For­ma­tion.)“
Er nennt dann aus­drück­lich Kupfer, Gel­lesch, Siff­ling und Lehner, die wohl unter Nerz anders oder gar nicht gespielt hätten. Aber Her­berger gab auch zu: Keiner von uns konnte ahnen, dass wir eine der besten Mann­schaften aus der Taufe gehoben hatten, die der deut­sche Fuß­ball jemals gehabt hat, wie besser kaum eine auf den euro­päi­schen Fuß­ball­felder gefeiert wurde: Die Bres­lau­mann­schaft“

Einer der Nomi­nierten erfährt früh­zeitig von seinem Glück. Otto Siff­ling. Her­berger sucht den Reser­visten von Zürich am Abend des 2. Mai im Hotel­zimmer auf und bringt ihn dazu, sich selbst auf­zu­stellen. Zunächst reizt er ihn mit der Ansicht von Nerz, er sei ja gar kein Kämpfer und schieße auch keine Tore. Doch Her­berger selbst ist anderer Mei­nung: Ottl, das war gar nichts heute. Ich suche einen Mit­tel­stürmer, der spielen und Tore machen kann. Wissen Sie keinen?“ Siff­ling weiß Rat und wird damit zum Kano­nier von Breslau.

Das Fachamt Fuß­ball plant das Län­der­spiel gene­ral­stabs­mäßig. Am 10. Mai geht den 14 gela­denen Spie­lern ein Schreiben des Stell­ver­tre­tenden Geschäfts­füh­rers Hör­brand zu, das ihre Anreise detail­liert regelt. Auszug: Sie wollen sich so ein­richten, dass Sie am Freitag, den 14.5., abends in Breslau ein­treffen. Sam­mel­punkt: Hotel Vier Jah­res­zeiten‘… Von Ihnen sind mit­zu­bringen: Strümpfe, Turn­schuhe, Trai­nings­anzug und 2 Paar in gutem Zustand befind­liche Fuß­ball­stiefel…“

Von Mann­heim nach Breslau in 14 Stunden

Für jeden Spieler sucht das Fachamt eine Zug­ver­bin­dung heraus, Otto Siff­ling etwa muss in Mann­heim um 07:53 Uhr ein- und dann noch zweimal umsteigen, um Breslau um 21.48 Uhr zu errei­chen. Die Spieler aus dem Westen treffen plan­mäßig erst um 22.06 Uhr ein, einige tief in der Nacht. Das Fachamt weist darauf hin: Für Anfahrten zum Bahnhof usw. sind die öffent­li­chen Ver­kehrs­mittel zu benutzen; Unkosten für Auto­be­nut­zung werden nicht erstattet. Even­tu­eller Lohn­aus­fall wird nicht ver­gütet.“
Es sind die hohen Zeiten des Ama­teur­fuß­balls, die Spieler haben Beruf und Sport unter einen Hut zu bekommen. Ein Län­der­spiel bedeutet gewöhn­lich Ver­dienst­aus­fall, den die Tagesspesen kaum abde­cken. Noch geht es nur um die Ehre. 

Hans Jakob, der Regens­burger Tor­wart, reist trotzdem mit dem Auto an und findet sich erst am Pfingst­samstag ein. Er ver­passt das Früh­stück, ab halb zehn, und sogar das Abschluss­trai­ning, was ihm gewiss eine Stand­pauke ein­ge­bracht haben wird.

Von 13 bis 15 Uhr ver­ordnet Her­berger laut Auf­zeich­nungen Bett­ruhe“, um halb vier fährt ein Omnibus die Breslau-Elf und die drei Reser­visten Willy Jürissen, Hanne Berndt und Hans Appel ins Cafe Vater­land. Auf Ein­la­dung der Stadt Breslau. Anschlie­ßend werden die Natio­nal­spieler Zeuge des Freund­schafts­spiels zwi­schen Breslau 02 und For­tuna Düs­sel­dorf (5:4). So ein Tag vor dem Spiel kann lang sein und will gefüllt werden.

Die Dänen sind dagegen den ganzen Tag unter­wegs und treffen erst am Sams­tag­abend gegen sieben in Breslau ein. Allerlei Polit- und Sport­pro­mi­nenz steht am Bahnhof zum Emp­fang parat. Nach der stra­pa­ziösen, am Freitag per Bahn in Kopen­hagen begon­nenen Anreise werden sie froh sein, dass ihr Hotel direkt gegen­über dem Haupt­bahnhof ist.

Son­der­züge aus dem ganzen Reich

Das Nord­hotel hat zur Feier des Tages die däni­sche Flagge gehisst und nach der Stunde der ersten Erfri­schung sind die däni­schen Freunde in bester Stim­mung anzu­treffen. Sie lassen sich sogar zum Teil noch zum Besuch einer Ope­ret­ten­vor­stel­lung im Varieté bewegen, wo die deut­sche Elf mit ihnen vor der bal­digen Nacht­ruhe einige ver­gnügte Stunden ver­brachte“, schreibt das Fach­blatt Fuß­ball. Spiel­vor­be­rei­tung anno 1937 – man geht mit dem Gegner in die Oper.
Inspi­rie­rend scheint das nur für eine Mann­schaft gewesen zu sein. Am Spieltag treffen per­ma­nent Son­der­züge aus dem ganzen Reich ein, wäh­rend die Spieler beider Teams, ob sie nun wollen oder nicht, noch eine Stadt­rund­fahrt machen. Die Dänen schi­cken fünf Zei­tungs­re­porter und den bekannten Sport­kom­men­tator des Däni­schen Rund­funks, Gunnar Hansen. Mit einem däni­schen Sieg dürften auch sie nicht rechnen und die Experten-Umfrage des Fach­blatts Fuß­ball erbringt Resul­tate zwi­schen 2:0 und 5:2 für Deutsch­land.

Nach dem Mit­tag­essen um 12.30 Uhr schickt Her­berger seine Schütz­linge noch mal auf die Zimmer und trägt Sorge, dass dort eine Schale Obst auf sie wartet. Ein­schlafen emp­fiehlt sich aber nicht, denn um 16.00 Uhr soll der Anpfiff sein. 40.000 Zuschauer in der reno­vierten und an diesem Tage ein­ge­weihten Schle­sier-Kampf­bahn des Her­mann-Göring-Sport­feldes, fie­bern ihm bei strah­lender Sonne ent­gegen. Über dem Tor, durch das die Massen strömen, steht: Deut­sche Jugend werde einig treu stark und hart.“

Nichts ist unpo­li­tisch im Deutsch­land der NS-Zeit, auch der Sport nicht. Her­berger aber hat nur Fuß­ball im Kopf. Er notiert auf seine typi­sche Art nach­träg­lich unter der Über­schrift Meine Ziele“, was er von der Partie erwartet:
Mann­schaft Meister in beiden Auf­gaben! Mit­tel­stück als Bin­de­glied: Angriffs­spiel flies­send, kurz und weit, in allen Varia­tionen… fest­ge­fügter Abwehr­block! Jeder immer dabei!“

Her­berger notiert: Läu­fer­reihe: viele Fehler“

Er hat nicht explizit notiert, ob seine Ziele an diesem Tag erreicht wurden, aber die Frage erüb­rigt sich. Zwar findet sich eine hand­schrift­liche Notiz – Läu­fer­reihe: viele Fehler“ – doch ist das seinem Streben nach Per­fek­tion geschuldet. Denn die Natio­nal­mann­schaft spielt an diesem Pfingst­sonntag wie aus einem Guss. Im 140. Län­der­spiel feiert sie mit 8:0 ihren dritt­höchsten Sieg seit Bestehen 1908, für die Dänen ist es die höchste Schlappe über­haupt.

Mann des Tages ist der Stürmer, der sich selbst auf­ge­stellt hat: Mann­heims Otto Siff­ling schießt nach Ernst Leh­ners frühem Füh­rungs­treffer (7.) fünf Treffer binnen 32 Minuten – eine Sen­sa­tion, die es nie zuvor und auch nie mehr in einem DFB-Län­der­spiel gegeben hat. Zur Halb­zeit steht es 4:0, nach 65 Minuten enden die Siff­ling-Fest­spiele beim Stand von 6:0. Nun wird die Elf, die an diesem Tag im ganzen Reich bekannt werden wird, etwas nach­lässig. Prompt eilt Her­berger an die Sei­ten­linie und for­dert wieder Enga­ge­ment ein.

Der Ball lief, dass es eine wahre Freude war“

Die Schalker Alfred Urban (70.), der Links­außen, und Kapitän Fritz Szepan (78.) schrauben das Resultat prompt in uner­war­tete Höhen. Die Schalker genießen in jenen Tagen eine hohe Popu­la­rität, ihr Kreisel ist nicht nur unter Fach­leuten ein Begriff. Als nun Szepan sein Tor schießt, da bricht große Freude im Sta­dion aus. Ein Tor des Regis­seurs hat sich die Menge schon lange gewünscht“, schreibt die Fuß­ball-Woche.“ Das Beson­dere an diesem Fes­tival: Fast alle Tore ent­springen Kom­bi­na­tionen, fallen aus dem Spiel heraus. Unsere Mann­schaft spielte wie aus einem Guss, der Ball lief, dass es eine wahre Freude war“, jubelt der Kicker.

Zwölf Minuten sind noch Zeit und es wäre der deut­schen Mannschaft…ein leichtes gewesen, das Ergebnis zwei­stellig ohne Gegen­treffer zu gestalten“, findet das Fach­blatt Fuß­ball“, aber das will sie den Gästen dann doch nicht antun. Denen kon­ze­diert der Fuß­ball“ als einen Grund für ihres in diesem Maße von nie­mandem erwar­teten Ver­sa­gens ihre weite Anreise und die damit ver­bun­denen Stra­pazen. Das Extra­bladet“ setzt seinen Bericht unter eine sechs­spal­tige Zeile, die da lautet: Wie Deutsch­land nie­der­sä­belte“. Deutsch­land schwelgt der­weil.

Zehn Siegen aus elf Spielen

Die Besu­cher werden das Spiel in der Schle­si­er­kampf­bahn als einer der glanz­vollsten Tage des deut­schen Fuß­ball­sports in Erin­ne­rung behalten“, pro­phe­zeit der Fuß­ball“. So wie die Namen der Breslau-Elf allen Schul­kin­dern jener Tage so mühelos über die Lippen kommen wie das Alphabet: Jakob – Janes, Mün­zen­berg – Kupfer, Gold­brunner, Kit­zinger – Lehner, Gel­lesch, Siff­ling, Urban, Szepan. Keiner von ihnen lebt mehr.

Diese Elf hatte gewiss das Zeug dazu, Welt­meister zu werden. Sie gewann auch trotz gele­gent­li­cher Ände­rungen – bei­spiels­weise stieß Helmut Schön hinzu – die fol­genden fünf Spiele des Jahres 1937, das rein sta­tis­tisch mit zehn Siegen und einem Remis aus elf Spielen das Beste der DFB-His­torie war. Doch als es 1938 bei der WM in Frank­reich ernst wurde, schaffte die hohe Politik, was keine Gegner ver­mochte. Sie zu stoppen.

Durch den Anschluss Öster­reichs im März an das Deut­sche Reich wurde Her­berger gezwungen, die Natio­nalelf im Ver­hältnis 6:5 (sechs Deut­sche, fünf Öster­rei­cher) auf­zu­stellen. Zwei Spiel­sys­teme, zwei Men­ta­li­täten, zwei Frak­tionen – ein Chaos. Her­berger kom­men­tierte die Anwei­sung des Reichs­sport­füh­rers so: Aus zwei guten mache eine bes­sere. Oh hei­lige Ein­falt!“

Das war das Ende der Breslau-Elf, die aller­dings im Mai 1938 ein letztes Mal ins Gefecht ziehen durfte. Im Olympia-Sta­dion unterlag sie Mut­ter­land Eng­land mit zehn Bres­lauern“ 3:6. Den­noch wäre diese Elf bei der WM wohl kaum in der ersten Runde an der Schweiz geschei­tert. Dass sie nicht einmal die Chance bekam, zu beenden was am Pfingst­samstag 1937 so ver­hei­ßungs­voll begann, ist ihre beson­dere Tragik.

Die Breslau-Elf: 
Tor: Hans Jakob (Jahn Regens­burg) Abwehr: Paul Janes (For­tuna Düs­sel­dorf), Rein­hold Mün­zen­berg (Ale­mannia Aachen) Läu­fer­reihe: Andreas Kupfer (Schwein­furt 05), Ludwig Gold­brunner (Bayern Mün­chen), Albin Kit­zinger (Schwein­furt 05 Halb­stürmer: Rudi Gel­lesch, Fritz Szepan (beide Schalke 04) Sturm: Ernst Lehner (Schwaben Augs­burg), Otto Siff­ling (Waldhof Mann­heim), Alfred Urban (Schalke)
Das Däne­mark-Spiel: Tor­folge: 1:0 Lehner (7.), 2:0, 3:0, 4:0, 5:0, 6:0 Siff­ling (33., 40., 44., 48., 65.), 7:0 Urban (70.), 8:0 Szepan (78.).