Mal ehr­lich Herr Wal­ken­horst, wird man von den Aka­de­mi­ker­kol­legen als Vor­sit­zender eines Fuß­ball-Fan­clubs nicht schief ange­sehen?

Nein, Fuß­ball ist doch inzwi­schen mas­sen­kom­pa­tibel und gilt selbst in selbst­er­nannten Intel­lek­tu­el­len­kreisen kaum mehr als doof. Zudem komme ich aus der Wer­be­branche. Da erwartet jeder von mir Ideen. Und ein Aka­de­miker-Fan­klub ist doch ein wit­ziger Ein­fall. Es hat ja was von einem Oxy­moron – also einem Wider­spruch in sich. Das hat uns gut gefallen und des­wegen haben wir uns für den Namen ent­schieden.



Wie kam es zu der Oxy­moron-Bil­dung?

Der Club ist 2007 aus einem Freun­des­kreis ent­standen. Wir sind alle­samt Aka­de­miker, die lieber am Wochen­ende zum Fuß­ball gehen als in die Ver­nis­sage. Und nach dem Auf­stieg in die 2. Liga haben wir uns dann geoutet.

Ist ein aka­de­mi­scher Titel Auf­nah­me­be­din­gung?

Nein. Wir ver­fahren nach dem Motto »Repu­ta­tion schlägt Imma­tri­ku­la­tion«. Unter den der­zeit 16 Mit­glie­dern ist auch eine Nicht­aka­de­mi­kerin. Als Gefährtin unseres Pro­fes­sors genießt sie einen Son­der­status. (lacht)

Eigent­lich passt ja der Aka­de­miker-Fan ganz gut zur TSG Hof­fen­heim…


Sie meinen wegen »Fuß­ball-Pro­fessor« Rang­nick…

Und seinem großen Exper­ten­team.


Der homo sapiens ist ein her­me­neu­tisch geprägtes Wesen, das nach Wei­ter­ent­wick­lung strebt: Beob­ach­tung, Erkenntnis, Ver­bes­se­rung. Das gilt natür­lich auch für den Fuß­ball. Und das nicht erst seit heute. Das hat spä­tes­tens 1954 mit Herrn Dassler ange­fangen, der die Schraub­stollen ent­wi­ckelte, damit die Spieler nicht weg­rutschten. Dann kamen die ganzen tak­ti­schen Spiel­chen mit oder ohne Mit­tel­läufer, Libero etc. Die ana­ly­ti­sche Her­an­ge­hens­weise in Hof­fen­heim wird auch nur ein Zwi­schen­sta­dium sein.

Viele fragen sich, wie wird man über­haupt Hof­fen­heim-Fan?

Ich komme aus Hei­del­berg. Die Region Mann­heim-Hei­del­berg war bis vor kurzem noch Fuß­ball-Nie­mands­land. Waldhof Mann­heim hatte mal unter der Kult­figur Klaus Schlappner eine gute Zeit, aber das ist schon lange her. Ansonsten gab es hier in der Region in Sachen Spit­zen­sport nur die Adler Mann­heim. Aber, um mal was richtig Aka­de­mi­sches zu sagen: Eis­ho­ckey ist halt nicht Fuß­ball. Mit der 1899 Hof­fen­heim ist der jetzt aber wieder da und besser denn je.

Wann haben Sie Ihre Liebe zur TSG ent­deckt?

Wir sind schon zu Regio­nal­li­ga­zeiten nach Hof­fen­heim gefahren. Damals bereits hat Rang­nick einen attrak­tiven, schnellen Fuß­ball spielen lassen. Das setzt sich jetzt in der Bun­des­liga fort. Wenn die Maschine einmal läuft, ist sie nicht mehr zu stoppen.

Mit Dietmar Hopp steht ein Mil­li­ardär hinter der TSG Hof­fen­heim. Das schürt Neid.

Die Leute über­sehen, dass viel Geld in den Nach­wuchs und Ama­teur­be­reich inves­tiert wird, es wird in die Breite geför­dert. Davon pro­fi­tieren auch die Ver­eine in der Region. In Hof­fen­heim wird ein sub­stan­zi­eller Aufbau betrieben. Etwas Ver­gleich­bares hat es in Deutsch­land noch nicht gegeben.

Herr Hopp ist nicht nur Wohl­täter, son­dern auch Geschäfts­mann.

Herr Hopp setzt sein Geld sinn­voll ein. Bei aller Liebe zum Verein ist er halt auch Pro­gram­mierer. Er weiß, es gibt Input und Output und dazwi­schen eine Bedin­gung, die aller­dings nur zum Tragen kommen kann, wenn der Input stimmt. Er ist also kein Mäzen. Ein Mäzen gibt Geld ohne Anspruch. Er ist eher ein Investor mit Herz – und Hirn. Das unter­scheidet ihn doch sehr von Gön­nern anderer Ver­eine. Wo nur das Herz groß ist, sind auch bald die Kassen leer.

In den Sta­dien schlägt Hopp bis­weilen Hass ent­gegen. Bekommt man diese Abnei­gung auch als Hof­fen­heim-Fan zu spüren?

Nicht am Leib. Natür­lich sind da die Schmäh­rufe, aber die gibt es von beiden Seiten. Was wir unklug fanden, war die Reak­tion des DFB, Herrn Hopp beson­ders zu schützen. Die Inten­tion ist ja okay, aber mit so etwas pro­vo­ziere ich doch nur die­je­nigen mit einem hohen intel­lek­tu­ellen Aus­bau­po­ten­zial. Wäre besser gewesen, der DFB hätte geschwiegen. Es wirkt ein­fach pein­lich, wenn der Ver­band einem hilft. Das kann der Verein auch allein. Hat Herr Hoeneß jemals Hilfe von Ver­bands­seite bekommen? Der war ja vor Hopp die Hass­figur“ der Bun­des­liga. Nein. Er hat sich auf St. Pauli ein Retter-T-Shirt ange­zogen und damit viele Sym­pa­thien gewonnen. Er brauchte keine Hilfe vom DFB und letzt­lich braucht die Herr Hopp oder die 1899 auch nicht. Aber das wird sich legen und die Ästhetik unseres Spiels die Bana­lität des Blöden besiegen.