Bin ich eigent­lich schuld an allem? Bin ich schuld dran, dass wir vorne die Tore nicht machen und dass wir hinten Fehler machen?“, fragte Markus Wein­zierl ver­gan­genen Mitt­woch auf einer Pres­se­kon­fe­renz und in Vor­be­rei­tung auf das Aus­wärts­spiel des da noch von ihm trai­nierten VfB Stutt­gart beim FC Augs­burg. 

Das klang nach einer rhe­to­ri­schen Frage, nach einer, die man stellt, weil man denkt, dass die Ant­wort klar sein müsste, weil sie der Anstand gebietet. Allein, die Ant­wort muss lauten: Ja. Denn ja, auch Markus Wein­zierl ist Schuld daran, dass seine Mann­schaft vorne keine Tore machte und hinten Fehler.

Das fängt schon beim Kader des VfB Stutt­gart an und dort in der Defen­sive. Ob Ben­jamin Pavard, Timo Baum­gartl, Marc Oliver Kempf oder Ozan Kabak, ob Andreas Beck oder Emi­liano Insua — sie alle haben längst bewiesen, dass sie min­des­tens geho­bene Bun­des­liga-Qua­lität besitzen. Oder um es noch deut­li­cher zu fassen: Selbst heute würde wohl nie­mand auf die Idee kommen, zu sagen, dass es ein Fehler war, Marcin Kaminski nach Düs­sel­dorf ziehen zu lassen. 

Dem Anspruch nicht gerecht geworden

Trotzdem ist der Pole in Düs­sel­dorf Teil einer gut funk­tio­nie­renden Mann­schaft und Abwehr. Was eben eben auch an der guten Arbeit von Trainer Fried­helm Funkel liegt. Oder um es mit Chelsea-Trainer Mau­rizio Sarri zu sagen, der es als Ita­liener ja nun wirk­lich wissen muss: Eine gute Abwehr kannst Du nicht kaufen, die musst Du Dir im Trai­ning erar­beiten.“ Auch wenn Geld die Arbeit sicher erleich­tert.

Und natür­lich hat ein Mario Gomez, der auf Rang elf der ewigen Bun­des­liga-Tor­schüt­zen­liste liegt (169 Treffer in 325 Spielen), das Tore schießen nicht grund­sätz­lich ver­lernt. Ihm fehlen höchs­tens die Mittel dazu, seine Stärken aus­zu­spielen. Ob mann­schaft­s­tak­tisch oder aus wel­chen Gründen auch sonst. Diese zu erkennen und zu beheben, ist nunmal Auf­gabe des Trai­ners. Eine Auf­gabe, an der Markus Wein­zierl in Stutt­gart geschei­tert ist. Die Ansprüche der Ver­eins­füh­rung waren ange­sichts der Not­lage und der Qua­lität des Kaders eben höher als die 0,70 Punkte im Schnitt, die Wein­zierl vor­zu­weisen hatte.

Mit­leid braucht es nicht

Doch wäh­rend Wein­zierl Spieler, die seinen Ansprü­chen für den Moment nicht genügten, ein­fach auf die Bank setzen konnte, um es sich viel­leicht schon am nächsten Spieltag anders zu über­legen, ist dieses Manöver bei Trainer schlicht nicht vor­ge­sehen und die Beur­lau­bung unaus­weich­lich. Man sollte sich davor hüten, allzu viel Mit­leid zu ent­wi­ckeln.

Und Markus Wein­zierl bleibt ja trotzdem ein her­aus­ra­gender Trainer. Das hat er in Regens­burg und Augs­burg zur Genüge bewiesen.

Nach dem Spiel in Augs­burg, nach diesem desas­trösen 0:6, mel­dete er sich dann auch erneut zu Wort und sagte: Ich habe heute keine Argu­mente für mich gelie­fert.“

Es klang ein wenig wie eine Replik auf sich selbst.