Vor genau zehn Jahren bil­deten die Dallas Mave­ricks die Bel­etage des ame­ri­ka­ni­schen Bas­ket­balls. Mit einem Dirk Nowitzki, der erst­mals zum Most Valu­able Player gewählt wurde, und einer 67 – 15-Gewinn­sta­tistik zogen die Mavs als beste Mann­schaft der Saison in die Play­offs ein. Wollten World Cham­pion“ des Bas­ket­balls werden. Und ver­loren die erste Runde gegen den Tabel­len­achten Golden State War­riors. Ende. Aus. Saison vorbei.

Viel­leicht war das der Anstoß für die Granden der DFL und des DFB, als sie zur Saison 2008/09 die Rele­ga­ti­ons­spiele wieder ein­führten. Die Rele­ga­ti­ons­spiele haben in der Ver­gan­gen­heit eigent­lich immer für große Span­nung und Dra­matik gesorgt. Diesen zusätz­li­chen Span­nungs­faktor wollen wir künftig ein­fach wieder nutzen“, hatte Holger Hie­ro­nymus als DFL-Geschäfts­führer Spiel­be­trieb in einem Inter­view zur Ein­füh­rung gesagt.

In der nächsten Woche geht die Fuss­ball­saison des­halb in eine Ver­län­ge­rung. In die haus­ge­machten Play-Offs, die es eigent­lich nicht geben dürfte. Da spielen Dritt­letzte gegen Drit­terste und Meister der Regio­nal­ligen um Auf- und Abstiege. Und um Exis­tenzen.

Es ist eh nie­mand da

Aus­ge­dacht haben es sich der DFB und die DFL. Ein System, das dafür sorgen soll, dass sich Auf­steiger beweisen und Absteiger eine letzte Chance bekommen. Wie sehr das an den Nerven zehrt, zeigt sich all­jähr­lich, wenn Profis mit zuckenden Augen in Spie­ler­tun­neln stehen, Fern­seh­sender neue Super­la­tive finden und Fans wieder Plätze stürmen. Dann rele­giert euch doch selbst!“, will man den Bossen da oben zubrüllen. Aber von denen ist eh nie­mand da.

Dass die Rele­ga­tion sport­lich keinen Mehr­wert bietet, dürfte unbe­stritten sein. Oder hat sich irgend­je­mand schonmal sagen hören: Oh, da hat der Tabel­len­sech­zehnte den Zweit­li­gisten aber derart weg­ge­fie­delt, dass ich die ganzen schlechten Auf­tritte der 34. Spiel­tage sofort ver­gesse. Dieser Verein ist ein­fach erst­li­ga­reif.“ Nein.

Ein Minen­feld

Eine Mann­schaft, die nach einer langen Saison Dritt­letzter ist, hat keine zweite Chance zugunsten eines klas­sen­tie­feren Teams ver­dient. Son­dern gehört abge­stiegen.

Wie ver­läss­lich dieses System jedoch gerade für Groß­klubs geworden ist, zeigte sich am letzten Samstag. Als sich der Ham­burger SV und der VfL Wolfs­burg um den Rele­ga­ti­ons­platz drän­gelten. Purer Abstiegs­kampf, könnte man meinen. Am Ende war es aller­höchs­tens ein Kämpf­chen. Die Wolfs­burger schienen wenig beein­druckt von der Nie­der­lage, son­dern mit dem Kopf längst in Braun­schweig. Diesen Gegner gilt es wirk­lich zu schlagen.

Aber die Span­nung, halten die wenigen Für­spre­cher der Rele­ga­ti­ons­spiele ihren Kri­ti­kern aus­dau­ernd ent­gegen. Als würde man einem Gefan­genen, der gerade eine lebens­lange Haft hinter sich gebracht hat, offen­baren, dass er vor seiner Frei­las­sung noch kurz über die minen­ge­spickte Wiese laufen muss. Wegen der Span­nung, grinst der Gefäng­nis­wärter.