Auch wenn das soge­nannte Som­mer­mär­chen (aus Gründen!) inzwi­schen nicht mehr ganz so gut beleu­mundet ist wie ehedem, denken gerade die Vete­ranen bei 11FREUNDE immer wieder gerne an die Welt­meis­ter­schaft 2006 zurück. Wochen voller Esprit, in denen wir durch ein Land reisten, das wir kaum mehr wieder erkannten, und wenn wir doch einmal daheim in Berlin waren, ver­sam­melten wir uns mor­gens im Innenhof des dama­ligen Redak­ti­ons­ge­bäudes und bil­deten den Lie­bes­kreis.

Nun neigt der Mensch an sich zur Ver­klä­rung, und natür­lich war auch in jenen Wochen bei­leibe nicht alles Gold, was glänzte, aber das ist ein­ge­sperrt im Hoch­si­cher­heits­trakt unseres Her­zens und kommt höchs­tens in den schlimmsten Nacht­mahren ans Tages­licht.

Mein per­sön­li­cher WM-Alp­traum war das Ach­tel­fi­nale Schweiz gegen Ukraine in Köln bezie­hungs­weise der Morgen danach, doch eins nach dem anderen. Das Ach­tel­fi­nale Schweiz gegen Ukraine war das viel­leicht schlech­teste Spiel der Fuß­ball­ge­schichte. Es war der­maßen lang­weilig, dass ich mitten in der Ver­län­ge­rung die Pres­se­tri­büne ver­ließ, um an einem Stand Rei­be­ku­chen zu kaufen.

Kein Mit­leid für die Eid­ge­nossen

Ich schämte mich ein biss­chen, weil andere Men­schen viel Geld bezahlt hatten, um bei diesem Match dabei zu sein, doch es gab keine Alter­na­tive. Als ich auf die Tri­büne zurück­kehrte, begann gerade das Elf­me­ter­schießen, und die Schweizer brachten es fertig, auch danach ohne ein ein­ziges Tor dazu­stehen. Sie taten mir nicht mal mehr leid.

In jener Nacht fiel ich in einen tiefen Schlaf. Wäh­rend der WM musste alle drei bis vier Tage einer von uns Redak­teuren mit den Hüh­nern auf­stehen, um einem Ber­liner Radio­sender ein Inter­view zu geben, aber an diesem Morgen hatte ich frei. Ich erwachte davon, dass mein Handy klin­gelte und mel­dete mich schlaf­trunken.