Wie stark die Anti­pa­thie zwi­schen den beiden west­fä­li­schen Tra­di­ti­ons­klubs ist, illus­triert eine Anek­dote aus dem Juni 1996. Am Vor­abend der Euro­pa­meis­ter­schaft in Eng­land gar­nierte ich einen Abend als Kneipen-DJ in Bie­le­feld mit einigen Fuß­ball­songs und legte unter anderem das harm­lose Mach­werk Preußen Münster (immer wieder)“ von Götz Als­mann auf. Umge­hend kam da ein auf­ge­brachtes Indi­vi­duum und for­derte den Plat­ten­auf­leger mit vor Wut hüp­fendem Adams­apfel auf, sofort diesen Scheiß“ aus­zu­ma­chen. Wohl­ge­merkt: Zu diesem Zeit­punkt war Arminia Bie­le­feld gerade in die erste Bun­des­liga auf­ge­stiegen und Preußen Münster im Mit­tel­feld der Regio­nal­liga ein­ge­laufen. Und den­noch keine Sou­ve­rä­nität im Umgang mit dem roten Tuch, statt­dessen: relex­ar­tiger Hass.

Dabei sind Preußen und Arminen nicht einmal Lokal­ri­valen im engeren Sinne – beide Städte trennen gut 70 Kilo­meter, außerdem dauert die Fahrt man­gels einer Auto­bahn­ver­bin­dung annä­hernd andert­halb Stunden. Fakt ist, dass sich der Bie­le­felder und der Müns­te­raner an sich nicht beson­ders gut rie­chen können. Das wissen zum Bei­spiel Stamm­seher der in Münster spie­lenden ZDF-Kri­mi­serie Wils­berg“, bei der in jeder Folge ein Gag zuun­gunsten Bie­le­felds ein­ge­baut wird.

Lei­den­schaft­liche Kämpfe um die Vor­herr­schaft in West­falen

Das heißt aber nicht, dass bei Fuß­ball­du­ellen zwi­schen Münster und Bie­le­feld von Anfang an die Fetzen flogen. Klar berichten die Alt­vor­deren von lei­den­schaft­li­chen Kämpfen um die Vor­herr­schaft in West­falen, doch dass sich Preußen und Arminen so richtig übel ver­achtet hätten, kann man auch nicht sagen.

Diese nega­tiven Gefühle sind viel­mehr das Resultat einiger weniger Spiel­zeiten in den späten Acht­zi­gern und frühen Neun­zi­gern. Zuvor war es immer mal wieder pas­siert, dass sich beide Seiten für län­gere Zeit aus den Augen ver­loren hatten. Wäh­rend die Preußen Grün­dungs­mit­glied der Bun­des­liga waren und dann ziem­lich rasch in der Ver­sen­kung ver­schwanden, wurden die Arminen erst 1970 das erste Mal erst­klassig und hüpften fortan als Jojo durch die beiden oberen Ligen.

1989, als alles begann

In der Saison 1988/89 aber trafen sich Preußen Münster und Arminia Bie­le­feld nach fast zehn Jahren wieder, in der damals dritt­klas­sigen Ama­teu­r­ober­liga West­falen. Die Bie­le­felder waren nach vier­zehn Jahren Pro­fi­fuß­ball am Stück gerade abge­stiegen und wollten unbe­dingt wieder hoch. Dann aber rissen ihnen die Müns­te­raner am letzten Spieltag die schon sicher geglaubte Ober­li­ga­meis­ter­schaft aus den Händen – und das war im Grunde der Anfang von allem.

1991 war auch Preußen Münster wieder zurück in der Ober­liga, die Jahre danach mar­kieren die Blü­te­zeit der Riva­lität beider Klubs – in der Regel mit dem bes­seren Ende für Münster. In der gefühlten Bie­le­felder Erin­ne­rung gab es in jedem Früh­jahr ein ent­schei­dendes Spiel um die Meis­ter­schaft, das immer 0:3 aus­ging. Fast hatte man den Ein­druck, dass die Preußen auf das mög­liche 0:4 ver­zich­teten, um die Demü­ti­gung zu opti­mieren. Nichts aber ist schlimmer als sich auf solche Weise wie­der­ho­lende Geschichte.

Denn da war es wieder, das alte Bie­le­feld-Gefühl: Wir können nichts, wir haben nichts, wir haben das schlech­teste Wetter der Repu­blik und ver­sagen immer im ent­schei­denden Moment. Wir bauen Pseudo-Unter­grund­bahnen, um es zu ver­tu­schen, doch nach wie vor doku­men­tiert die höhere Instanz ihren Abscheu durch die Ent­sen­dung über­pro­por­tio­naler Nie­der­schlags­mengen, und einmal im Jahr zeigt uns Preußen Münster, wie man clever ist. Schlimmer noch: Das jeweils darauf fol­gende Schei­tern der Preußen in der Auf­stiegs­runde zur Zweiten Liga besagte, dass andere noch viel cle­verer waren.

…Preußen Münster blieb traurig zurück

Hinzu kommt, dass diese Jahre auch eine Hoch­zeit des Hoo­li­ga­nismus waren, Alt­hauer schwärmen noch heute von den dama­ligen Duellen zwi­schen Arminen und Preußen. Doch bereits 1995 war der Spuk wieder vorbei. Arminia Bie­le­feld – mit fri­schem Geld und den Stars Thomas von Heesen und Fritz Walter – stieg auf in die Zweite Liga, Preußen Münster blieb traurig zurück. Danach beschränkte sich das Aus­leben der Dau­er­ri­va­lität auf die wenigen Duelle zwi­schen Armi­nias Zwoter und Preu­ßens erster Mann­schaft, was irgendwie auch nur der halbe Spaß war.

Wie man über­haupt sagen muss, dass eine solch tiefe gegen­sei­tige Abnei­gung zweier Klubs, die als poten­ti­elle Moder­ni­sie­rungs­ver­lierer eigent­lich im glei­chen Boot sitzen, nur bedingt Sinn macht. Ande­rer­seits: Wen sollen sie sonst hassen? Dort­mund und Schalke würden bes­ten­falls schmun­zeln. Ernst­zu­neh­mende echte Lokal­ri­valen gibt es nicht. Und der VfL Osna­brück? Kommt aus Nie­der­sachsen.

Erstes Meis­ter­schafts­spiel seit 17 Jahren

An diesem Samstag also treffen Preußen Münster und Arminia Bie­le­feld zum ersten Mal seit 17 Jahren wieder in einem Meis­ter­schafts­spiel auf­ein­ander. Vor­der­gründig han­delt es sich dabei um die Partie des 12. gegen den 17. der Dritten Liga. Doch die Fans beider Ver­eine sind seit Wochen elek­tri­siert und die Polizei hat die höchste Sicher­heits­stufe aus­ge­rufen. WDR 3 über­trägt das Spiel ab 14.55 Uhr live.