Seite 2: „Bei Hübner ist es schwierig mit Rassismus"

Der DFB ermit­telt mitt­ler­weile, und Hübner droht eine Strafe. Manager Oliver Ruh­nert modi­fi­zierte – womög­lich auch des­halb – im Laufe des Sams­tags die Aus­sage des Ver­eins: Der Spieler hat uns gesagt, er hat sich nicht so geäu­ßert. Ich glaube, dass es viel­leicht ein biss­chen über­in­ter­pre­tiert war und wir nicht wirk­lich von einem Skandal ras­sis­ti­scher Art aus­gehen können. Im Eifer des Gefechts sind mög­li­cher­weis Dinge anders wahr­ge­nommen worden, als sie gefallen sind.“ Bei Hübner sei es sowieso relativ schwierig mit Ras­sismus“, denn er sei mit einer Frau liiert, die zumin­dest von der Haut­farbe anders ist als weiß. Es ist schwierig, ihm da was anzu­dichten“.

Nicht beson­ders schwierig ist es hin­gegen, das als dif­fuses und ver­al­tetes Ver­ständnis von Ras­sismus zu kri­ti­sieren. Der Autor Tim Wise, der seit vielen Jahren über Ras­sismus schreibt, nennt solche Sätze die Ersatz­ver­tei­di­gung für jeden Akt ras­sis­ti­scher Unsin­nig­keit“. Denn natür­lich kann eine weiße Person ras­sis­tisch sein oder ras­sis­ti­sche Sprache benutzen, obwohl sie in ihrem sozialen Umfeld Freunde mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund hat, mit einer schwarzen Person ver­hei­ratet ist, die Linke wählt und gegen Neo­nazis auf die Straße geht. Die weiße Person ist dann viel­leicht nicht vor­ein­ge­nommen, kann aber trotzdem den struk­tu­rellen Ras­sismus ins­ge­samt igno­rieren.

Einige meiner besten Freunde sind Schwarz“

Es hatte übri­gens was Kurioses, dass Ruh­nert seine Aus­sage so ziem­lich genau zu jenem Zeit­punkt tätigte, als Fried­rich Merz auf dem CDU-Par­teitag sagte, er könne kein Frau­en­pro­blem haben, denn er sei ja ver­hei­ratet und habe zwei Töchter. Es folgt alles diesem gro­tesken Ver­tei­di­gungs­satz, den Weiße gerne sagen, wenn andere ihnen vor­werfen, sie hätten sich ras­sis­tisch geäu­ßert: Kann gar nicht sein, denn: some of my best friends are black“. So haben Anhänger von Donald Trump den US-Prä­si­denten ver­tei­digt, wenn ihm Ras­sismus vor­ge­worfen wurde („Einige seiner besten Freunde sind schwarz“). Und, potz­blitz, die Vor­sit­zende einer rechts­po­pu­lis­ti­schen Partei ist mit einer in Sri Lanka gebo­renen Frau zusammen.

Das Thema Ras­sismus ist kom­plex und mit­unter ist das Nach­denken dar­über kom­pli­ziert, und man täte des­halb gut daran, es nicht mit mono­kau­salen Denk­mus­tern von Anno dazumal zu erklären. Selbst wenn Unions Hübner Lever­ku­sens Amiri nicht ras­sis­tisch belei­digt hat, die Reak­tionen zeigen, dass wir noch viel beim Umgang mit Ras­sismus lernen müssen, um über­haupt irgend­wann dahin zu kommen, nicht mehr (oder weniger) dar­über zu reden.