Russ­land und Katar – da muss man erst mal drauf kommen. Oder war die Fern­seh­über­tra­gung aus Zürich nur ein Fake, ein genialer Coup der neuen Hacker-Genera­tion, die ein mani­pu­liertes Film­chen mit einem gut gemachten Sepp-Blatter-Double am vir­tu­ellen Mikrofon ins welt­weite Fern­seh­netz gespeist hat? Immerhin, diese Hoff­nung bleibt.



Welt­meis­ter­schaften sollen eine Messe des Fuß­balls sein, Spiegel des Sports und Dank an sein Publikum zugleich. Diese Prin­zi­pien hat die Fifa-Exe­ku­tive bei der Ver­gabe der WM-Tur­niere 2018 und 2022 der Lächer­lich­keit preis­ge­geben. Mit zwei Ent­schei­dungen, die jetzt wahr­schein­lich als Erschlie­ßung neuer Märkte ver­kauft werden, obwohl man nur zu gut weiß, dass es sich dabei um höchst pri­vate Märkte han­delt.

Nur ein Grund für Russ­land – die Bank­konten


Gewiss: Ost­eu­ropa war mal an der Reihe. Aber dass die rus­si­sche Bewer­bung eine unzu­läng­liche war, ver­bunden mit unsin­nigen Sta­dion-Neu­bauten und unsäg­li­chen Rei­se­stra­pazen für Spieler und Fans, das hatte sogar die Fifa erkannt, oder viel­mehr ihre Tech­ni­sche Kom­mis­sion, die das Gesuch aus dem Hause Abra­mo­witsch unter vier euro­päi­schen Kan­di­daten auf Rang vier plat­ziert hatte. Es gab jede Menge Gründe für Eng­land und Spanien/​Portugal, ein paar auch für die Bel­gier und Hol­länder. Aber nur einen ein­zigen für Russ­land, und der betrifft nur die abstim­menden Mit­glieder der Fifa-Exe­ku­tive und ihre Bank­konten.

Der Skandal um die Welt­meis­ter­schaft in acht Jahren in Russ­land wird in den kom­menden Wochen eine unter­ge­ord­nete Rolle spielen, was weniger am Skandal an sich liegt, son­dern an der ungleich grö­ßeren Dimen­sion des Unrechts bei der Bak­schisch-finan­zierten Ver­gabe der WM 2022 in Katar. Russ­land wird erst durch Katar zur Farce und die Farce erst so zur sys­tem­im­ma­nenten Logik. In der Wüste gibt es keine Fuß­ball-Tra­di­tion, keine Fans, wahr­schein­lich nicht mal einen Ball. Es gibt nur Sand und Geld, beides reich­lich, und man darf wohl davon aus­gehen, dass der Sand die Fifa-Exe­ku­tive nicht beson­ders inter­es­siert hat.

Holt euch das Spiel zurück!


Am Don­ners­tag­nach­mittag hat sich die Welt­re­gie­rung des Fuß­balls end­gültig demas­kiert als ein im Par­al­lel­uni­versum dahin­ve­ge­tie­render Senio­ren­klub, der sich bei seinen Ent­schei­dungen ent­weder von Kor­rup­tion oder von Alters­schwach­sinn leiten lässt, wahr­schein­lich von beidem. Nie­mand kann diesen Zirkel noch ernst nehmen und ihm unter­stellen, dass er die Inter­essen all derer ver­tritt, die dieses groß­ar­tige Spiel lieben.

Spä­tes­tens mit der Ent­schei­dung von Zürich ist die Zeit gekommen für eine Revo­lu­tion. Wer den Argen­ti­niern die WM gibt, ver­är­gert die Bra­si­lianer, wer Eng­land nomi­niert, brüs­kiert Frank­reich, aber wer die ganze Welt zum Narren hält, bekommt es hof­fent­lich auch mit der ganzen Welt zu tun. Ihr Spieler und Fans auf der ganzen Welt, die ihr den Fuß­ball liebt und ver­ehrt: Jagt Sepp Blatter und seine Spieß­ge­sellen zum Teufel! Holt euch das Spiel zurück!