Seite 2: Ku-Klux-Klan-Zipfelmützen vorm Block

Der Fuß­ball­ver­band reagiert auf solche Vor­fälle träge und phleg­ma­tisch. Und wenn er sich doch mal bewegt, redet er das Pro­blem klein. Angel Maria Villar Llona, Prä­si­dent des spa­ni­schen Fuß­ball­ver­bandes RFEF, sagte 2012: Es gibt keinen Ras­sismus im spa­ni­schen Fuß­ball.“
 
Viel­leicht hätte eine simple Google-Suche gereicht. Wenn man dort näm­lich die Begriffe Nazis“ und Real Madrid“ ein­gibt, findet man nicht nur zahl­reiche Hitler-Hom­magen, son­dern sogar ein Foto, auf dem zwei Real-Ultras vor dem Block sitzen und Ku-Klux-Klan-Zip­fel­mützen tragen. Und man stößt auf einen Vor­fall aus dem Juni 2014, als Real Madrids Bas­ket­baller im End­spiel der Final Four Euro­pa­liga gegen Israels Mac­cabi Electra Tel Aviv ver­loren. Damals tren­dete bei Twitter der Hashtag #Putos­Ju­díos (Huren­juden).

Zeig dem Scheiß­neger, dass du besser bist als er!“
 
Viel­leicht hätte der Verb­ans­chef auch ein­fach noch mal mit José Antonio Reyes reden müssen, der 2004 bei der EM von seinem Coach Luis Ara­gones auf ganz beson­dere Art und Weise moti­viert wurde: Zeig dem Scheiß­neger, dass du besser bist als er!“ Ara­gones musste ledig­lich eine Geld­strafe von 3000 Euro zahlen, auch wenn Angel Maria Villar und sein RFEF diese Strafe zunächst abge­lehnt hatten.
 
Auch der zweite wich­tige Mann im spa­ni­schen Fuß­ball ist nicht gerade einer, der sich den Kampf gegen den Ras­sismus im Fuß­ball auf die Fahnen geschrieben hat. Liga-Prä­si­dent Javier Tebas ist zumin­dest ein kon­ser­va­tiver Hard­liner, der früher der rechts­ex­tremen Partei Fuerza Nueva“ ange­hörte. Auch er findet die Sache mit den rechten Ultras nicht son­der­lich dra­ma­tisch. Dafür bedau­erte er neu­lich in einem Inter­view, dass es in Spa­nien keine Spit­zen­po­li­ti­kerin vom Format der Front-National-Vor­sit­zenden Marine Le Pen geben würde.
 
Sie reden das Neo­nazi-Pro­blem klein, denn die Ultras machen halt gute Stim­mung“, sagt Jaime. Aber eigent­lich ist es Wahn­sinn, dass Leute im Sta­dion sitzen, die Haken­kreuze gezeigt haben oder dabei waren, als ein Mensch umge­bracht wurde.“ Aber gibt es keine Fan­gruppen, die gegen die Rechten oppo­nieren? Bei Real nicht. Dort kostet eine Dau­er­karte 1000 Euro. Das Publikum, das sich gegen die Neo­nazis stellen würde, kann sich das nicht leisten. Bei Atle­tico findet man mehr Linke, aller­dings sind sie nicht orga­ni­siert.“

Kann ein Sta­di­on­verbot das Pro­blem lösen?
 
Immerhin exis­tiert seit 2007 ein Gesetz, laut dem ver­fas­sungs­wid­rige Sym­bole, Parolen und Gesten in den Fuß­ball­arenen ver­boten sind. Die Durch­set­zung dieses Gesetzes war lange lasch. Wenn Strafen ver­hängt wurden, dann wei­terhin von der Uefa. Wie etwa 2008, als Atle­tico 15.000 Euro zahlen musste, weil sich die eigenen Fans wieder mal rechts­ex­treme Banner gezeigt hatten. Das Team musste außerdem einige Cham­pions-League-Spiele auf einem fremden Platz aus­tragen.
 
Heute dürfen sich Frente“ und Ultras Sur“ zumin­dest offi­ziell nicht mehr mit ihren Ban­nern im Sta­dion zeigen. Bei Real soll par­allel eine neue Gruppe, die Grada Joven Fans Sur“, eta­bliert werden. Aber die Leute von ›Ultras Sur‹ sind ja dadurch nicht ver­schwunden“, sagt Jaime. Sie gehen ein­zeln ins Sta­dion, und selbst wenn sie alle Sta­di­on­verbot bekämen, würde man ja vor dem Ber­nabeu auf sie treffen.“

Möge dein Vater sterben“
 
Bei Atle­tico ist es ähn­lich. Frente“-Anhänger sind immer noch im Estadio Vicente Cal­derón anzu­treffen, oft sogar als Gruppe. Expli­zite poli­ti­sche Bot­schaften wird man aller­dings auch von ihnen nicht mehr sehen. Sie fürchten die Kon­se­quenzen. Aber ist das nicht eh egal? Schon der Banner Forza Atle­tico“, bei dem das F“ und das A“ beson­ders groß geschrieben sind, braucht eigent­lich keine wei­tere Erklä­rung. Die beiden Buch­staben sind jeden­falls nicht zufällig auch die Initialen von Frente Atle­tico“. Und im Sta­dion weiß man natür­lich, wofür die Gruppe FA“ steht.
 
Ihre poli­ti­sche Aus­rich­tung macht Frente Atle­tico“ unmiss­ver­ständ­lich schon über ihr Grup­pen­logo klar, den SS-Toten­kopf. Sie machen Stim­mung gegen: Kom­mu­nisten, Flücht­linge, Basken, Kata­lanen, Linke. Das übliche Pro­gramm. Es exis­tieren Videos, auf denen die Frente“-Ultras Sieg Heil“ grö­lend zu einem Aus­wärts­spiel zum klei­neren Stadt­teil­klub Rayo Valle­cano reisen, und Mar­celo, Spieler in Diensten von Real Madrid, musste sich in jün­gerer Ver­gan­gen­heit oft Affen­rufe aus der Frente“-Ecke anhören. Als er einmal mit seinem Kind über das Feld lief, schallte es Möge dein Vater sterben“ aus der Kurve.