Seite 3: „Wir haben einen Menschen getötet“

Vor dem Cham­pions-League-Finale 2014 in Lis­sabon gegen Real berich­tete Joschka Fröschner von netz​-gegen​-nazis​.de bereits aus­führ­lich über die Fan­szene von Frente“, die mit 3000 Mit­glie­dern die größte Ultra­grup­pie­rung Spa­niens ist.

Bis heute, so Fröschner, feiert und besingt Frente“ die bru­tale Ermor­dung des Real-Sociedad-Anhän­gers Aitor Zaba­leta durch den Nazi-Skin­head Ricardo Guerra Cuadrado im Jahr 1998. Die Aktion war von meh­reren Atle­tico-Hoo­li­gans geplant. Aller­dings wurde nur Cuadrado der Pro­zess gemacht. Er war damals Mit­glied der Grup­pie­rung Bas­tion 1903“, die sich im Umfeld von Frente“ bewegte.

Der Über­läufer
 
Wie neben­säch­lich der Fuß­ball in diesem tief­braunen Sumpf ist, zeigt das Bei­spiel Antonio Menendez Moris, genannt El Nino“ oder Nino Skin“. Moris ist einer der bekann­testen spa­ni­schen Neo­nazis und war viele Jahre in der Kurve des Ber­nabeus zu finden.

Kurz nach der Jahr­tau­send­wende wurde er bei Atle­tico aus dem Block geworfen, danach erklärte er, dass er nun Real Madrid unter­stützen werde. Heute sitzt er im Gefängnis, weil er 2013 einen Celta-Vigo-Fan mit einem Messer ange­griffen haben soll.

Der Fall Jimmy
 
Der Tod von Jimmy, der am 30. November 2014 ermordet wurde, ist bis heute nicht auf­ge­klärt. Dabei wurden einige pikante Details publik. So weiß man heute etwa, dass unter den Schlä­gern von Frente Atle­tico“ auch Poli­zisten und Sol­daten mit­mischten. Und man kennt den Inhalt einer Whats-App-Nach­richt eines jugend­li­chen Frente“-Mitglieds, der seiner Freundin nach der Ermor­dung Jimmys schrieb: Es ist was schief gegangen, wir haben einen Men­schen getötet.“

Als sie ant­wor­tete, was genau pas­siert sei, rea­li­sierte er offenbar, dass Whats-App nicht das beste Medium für Dia­loge dieser Art ist. Er löschte den kom­pletten Ver­lauf und schrieb rasch hin­terher: Woher soll ich das wissen? Ich war den ganzen Tag in der Biblio­thek.“ Die Polizei stellte die Nach­richten wieder her – und tappt trotzdem wei­terhin im Dun­keln.

Am Samstag werden beide Gruppen, Frente“ und Ultras Sur“, in Mai­land sein. Gut mög­lich, dass auch befreun­dete Gruppen aus Ita­lien dazu­stoßen, die Irri­du­ci­bili Lazio“ etwa, zu denen die Real-Ultras gute Kon­takte pflegen. Gut mög­lich auch, dass es zwi­schen beiden Fan­gruppen, Frente“ und Ultras Sur“, ein biss­chen kracht. Und das obwohl sie am ver­gan­genen Wochen­ende in ihrem besetzten Haus, dem Hogar Social Madrid“, noch gemeinsam von einem weißen Spa­nien geträumt haben. Aber jetzt ist halt Fuß­ball. Und der ist ja – das ist natür­lich auch ein Credo der rechten Ultras von Atle­tico und Real – total unpo­li­tisch.