Seite 2: Brunswijk ist kein Einzelfall

Bleibt die Frage, warum einer wie er sich das antut: einen sport­li­chen Wett­kampf mit Jün­geren und Fit­teren, bei dem er eigent­lich nur ver­lieren kann. Wobei er bei so etwas im Sub­genre Staats­männer mit zwei­fel­haftem Ruf“ absolut kein Ein­zel­fall ist. So spielen Wla­dimir Putin und Aljak­sandr Luka­schenka für ihr Leben gern Eis­ho­ckey, und vor acht Jahren gab es in 11FREUNDE ein Por­trät über Bojko Borissow. Darin ging es nicht etwa um dessen Kar­riere als Pre­mier­mi­nister oder Prä­si­dent von Bul­ga­rien (wie auch Putin tauscht er den Posten von Zeit zu Zeit), son­dern um sein Enga­ge­ment als Fuß­baller in der zweiten bul­ga­ri­schen Liga, mit da immerhin bereits stolzen 54 Jahren und locker zwei Zentner Gewicht auf der Waage.

Der Besuch bei Borissow war ebenso leer­reich wie bizarr. Die Mit­spieler, die alle­samt locker seine Söhne hätten sein können, nannten ihn Xavi“; angeb­lich wegen seiner zen­ti­me­ter­ge­nauen Pässe, aber war nicht doch ein Hauch Ironie dabei? Auf die Frage nach dem Warum ant­wor­tete er lapidar: Nur um mich fit zu halten.“ (Mut­maß­lich unwahr.) Und wegen des Adre­na­lins bei den Pflicht­spielen.“ (Stimmt schon eher.) Ob ihn die Gegen­spieler schonen würden? Ach was, die sind sogar aggres­siver!“ (Naja.) Und ist der Effekt seines Enga­ge­ments kal­ku­liert? Ich hatte so viele Treffen mit Merkel, Obama und Sar­kozy, ich brauche solch eine Wer­bung nicht. Ach übri­gens, ich sende Grüße an Horst See­hofer. Ein guter Freund von mir!“

Aus­lands­auf­tritt aus­ge­schlossen

Letzt­lich ist die Ant­wort auf eben­jene Frage nach dem Warum in sol­chen Fällen wahr­schein­lich gar nicht so kom­pli­ziert und bei Bruns­wijk wie Borissow die­selbe: Weil er es kann. Und selbst­ver­ständ­lich ist das unfall­freie Mit­wirken im sport­li­chen Wett­be­werb für alternde macht­hung­rige Männer eine gera­dezu unschlag­bare Mög­lich­keit, sich ihrer fort­ge­setzten Kon­kur­renz­fä­hig­keit, Unver­wüst­lich­keit oder sogar Unsterb­lich­keit zu ver­si­chern. Wie gelungen die Per­for­mance am Ende tat­säch­lich war, liegt ja ohnehin stets im Auge des Betrach­ters, wobei es durchaus von Vor­teil ist, wenn deren Mehr­zahl kein Inter­esse daran hat, es sich mit dem Alt­star zu ver­derben.

Zusam­men­ge­fasst: Es steht zu befürchten, dass der Auf­tritt gegen CD Olimpia zwar der erste, aber nicht der letzte in der inter­na­tio­nalen Fuß­ball­kar­riere des Ronnie Bruns­wijk gewesen ist. Dass er beim Rück­spiel in Hon­duras in einer Woche dabei sein wird, ist aller­dings aus­ge­schlossen. Weil die Nie­der­lande einen inter­na­tio­nalen Haft­be­fehl gegen ihn erwirkt haben, kann er Suri­name nicht ver­lassen.