Dünn besie­delte Tri­bünen-Areale treten bei Heim­spielen von RB Leipzig durchaus häu­figer zutage. Diese spe­zi­elle Plas­tik­sitz-Glatze ver­blüffte dann aber doch. Mitten im so genannten Fan­sektor B lich­teten sich kurz vor dem Anpfiff des Heim­spiels gegen Mainz 05 (4:1) die Reihen. Zurück­blieb ein Tetris-artiges Muster aus blauen und tür­kis­far­benen Klapp­stühlen. Und das aus­ge­rechnet inmitten der, nun ja, aktiven Fan­szene des Retor­ten­klubs.

Schon bald erfuhr man den Grund für dieses unge­wöhn­liche Schau­spiel: Die Klub­füh­rung um den ehe­ma­ligen Mit­tel­stre­cken­läufer und Mar­ke­ting­mann Oliver Mint­zlaff hatte zwei Anhänger mit Sta­di­on­ver­boten belegt – wegen des Gebrauchs von Pyro­technik im Sta­dion. Dazu sollte man wissen, dass sich der inkri­mi­nierte Vor­fall im Umfeld eines Liga­spiels der 2. RB-Frau­en­mann­schaft bei Roter Stern Leipzig ereig­nete – in der Lan­des­klasse. Am 9. Dezember hatten Anhänger aus dem Umfeld des RB-Fan­clubs Red Aces“ gemeinsam mit den Roter-Stern-Anhän­gern gegen Sexismus, Homo­phobie und andere Arten der Dis­kri­mi­nie­rung demons­triert. Dabei zün­deten einige der 360 Zuschauer auch pyro­tech­ni­sche Gegen­stände. In man­chen Foren ist von zwei Rauch­töpfen“ die Rede.

Das hat bei uns gar nichts ver­loren“

Die Härte und die Methoden, mit denen die RB-Ver­ant­wort­li­chen nach der Partie ver­sucht hätten, die Zündler“ zu iden­ti­fi­zieren, bezeichnen die Red Aces“ nun als per­fide“. Mit Fotos habe man in RB-Fan­kreisen ver­sucht, Namen und dazu­ge­hö­rige Gruppen zu ermit­teln. Was im Lager der Fans nicht nur daten­schutz­recht­liche Bedenken her­vor­ruft, son­dern frap­pie­rend an Prak­tiken der Stasi in alten DDR-Zeiten erin­nert. Zeugen berichten sogar von aus­ge­lobten Fang­prä­mien“ in Form von Ver­güns­ti­gungen und Tifo-Erleich­te­rungen für sach­dien­liche Hin­weise, die zur Ergrei­fung der Gesuchten führen. Andere spre­chen von (sub­tilen) Dro­hungen gegen poten­zi­elle Mit­wisser, mit denen die RB-Fahnder ver­sucht hätten, an die gewünschten Namen und Adressen zu gelangen. Bis­lang jeden­falls erhielten zwei Anhänger ein Haus­verbot, per Post.

Wir haben immer gesagt, dass wir gegen Pyro­technik rigoros durch­greifen. Es wurde gefähr­liche Pyro gezündet, und das hat bei uns gar nichts ver­loren“, erklärte Klub­boss Oliver Mint­zlaff die Maß­nahmen und kün­digte wei­tere an. Schließ­lich hatten Leip­ziger Zuschauer auch wäh­rend des Europa-League-Spiels beim eigenen Farm­team RB Salz­burg Pyro­technik abge­brannt: Wenn wir die Namen bekommen, werden wir das selbst­ver­ständ­lich auch sank­tio­nieren“, drohte Mint­zlaff, der sogar von lebens­langen Sta­di­on­ver­boten sprach.

Offi­ziell begründet Mint­zlaff das rigide Vor­gehen mit pazi­fis­ti­schen Über­le­gungen: Wir wollen ein fried­li­ches Mit­ein­ander haben. Es gibt klare Grenzen. Wenn die Fans dar­aufhin gehen und ihre Mann­schaft nicht anfeuern wollen, ist das ihre Ent­schei­dung.“ Die im Block ver­blie­benen Anhänger hätten jeden­falls gute Stim­mung gemacht, die Mann­schaft umso mehr ange­feuert“. So Mint­zlaff.