RB Leipzig – gekommen, um zu bleiben

Wie das Haus eines Puff-Königs

Womit wir wieder beim Thema sind: Heute, auf den Tag genau, wird RB Leipzig zehn Jahre jung. Wobei: So richtig geboren wurde RB eigentlich nie, zumindest nicht so wie andere Klubs. Stattdessen übernahm Mateschitz an jenem 19. Mai 2009 im Rahmen einer komplizierten juristischen Vereinbarung den SSV Markranstädt, einen sächsischen Oberligisten, den vor allem eines auszeichnete: Niemand interessierte sich für ihn. Umso leichter fiel es dem österreichischen Milliardär, den angegilbten Fünftliga-Klub abzuwickeln, mit einer komplett neuen Identität auszustatten und ihn nach seinen ureigenen Vorstellungen zum Werbevehikel für stark koffein- und zuckerhaltige Brause umzugestalten.

Da wäre zum Beispiel das Wappen von RB Leipzig, das ungefähr so aussieht wie eine platt getretene Red-Bull-Dose. Dabei dürfen Vereinsembleme im Hoheitsbereich der DFL eigentlich keine allzu große Ähnlichkeit zu Sponsoren-Logos aufweisen. Ernsthaften Widerstand gegen seinen Schleichwerbe-Auftritt erfuhr Mateschitz dennoch nicht. Der Ligaverband trug dem Retortenklub nach dessen Zweitliga-Aufstieg 2014 lediglich auf, die »für Red Bull charakteristische gelbe Sonne« aus dem Logo zu entfernen. Die für Red Bull (zu deutsch: Roter Bulle) offenbar weniger charakteristischen roten Bullen durften bleiben.

Wie das Haus eines Puff-Königs

Überhaupt fanden sich dort, wo der spendierfreudige Milliardär auf zaghafte Einwände von Verbandsvertretern traf, stets zuvorkommende Lösungen. In der vergangenen Saison etwa ließ die Uefa das Team von RB Leipzig und sein Farmteam RB Salzburg zeitgleich in der Europa League antreten, obwohl das Statut zur »Integrität des Wettbewerbs« dies kategorisch untersagt. Demzufolge dürfen niemals zwei oder mehr Vereine, die »auf irgendeine Art und Weise« von ein- und derselben natürlichen oder juristischen Person »beeinflusst werden« können (und das »entscheidend«), zeitgleich im kontinentalen Wettbewerb starten.

Dass Mateschitz' Fußballkartell gegen diese Bestimmung verstößt, ist offenkundig: RB Leipzig wird von nicht einmal 20 stimmberechtigten Mitgliedern regiert, die allesamt Red Bull nahestehen. Zudem ist der Getränkekonzern Mehrheitsgesellschafter der ausgelagerten GmbH. Im Zulieferbetrieb Salzburg, der in zehn Jahren weit über 20 Spieler nach Leipzig entsandte, regiert derweil ein Vorstand aus handverlesenen Mateschitz-Vertrauten. Die stehen allesamt in so engen geschäftlichen Beziehungen bzw. Abhängigkeiten zum Patron, dass sie kaum eigenständig entscheiden können. Dennoch erklärte Mateschitz 2017, wenige Wochen vor der erstmaligen Uefa-Entscheidung über ein gleichzeitiges Europacup-Startrecht für die RB-Klubs, in den »Salzburger Nachrichten«: »Es ist alles geregelt.« Red Bull verleiht bekanntlich Flügel.