Favres Glad­ba­cher sind berüch­tigt für ihre tadel­lose Abwehr. Auch gegen Schalke hielten sie dis­zi­pli­niert ihr 4−4−2 System. In zwei Vie­rer­ketten reihten sie sich vor dem eigenen Tor auf, immer darauf bedacht, mög­lichst wenig Platz zwi­schen der Abwehr und dem Mit­tel­feld ent­stehen zu lassen. Im Schließen der Räume sind die Glad­ba­cher Experten, und so schafften sie es auch gegen Schalke, kaum Lücken ent­stehen zu lassen. Geschickt unter­banden sie in Halb­zeit eins das Schalker Flü­gel­spiel, indem Nord­t­veit und Neu­städter aus dem Zen­trum den Außen­ver­tei­diger halfen, mit Draxler und Farfan fertig zu werden.

Schalke hatte offensiv ihre liebe Müh‘ mit der dis­zi­pli­nierten Grund­ord­nung des Geg­ners. Das Spiel unter Ralf Rang­nick war in der bis­he­rigen Saison sehr auf die Flügel aus­ge­richtet. Zu Beginn der ersten Hälfte zün­dete dieses noch nicht richtig, was aber Rang­nick nicht weiter gestört haben dürfte. Auch er hatte die Devise aus­ge­geben, defensiv sicher zu stehen, und so blieben die Außen­ver­tei­diger im Zwei­fels­fall lieber in der eigenen Hälfte. Ebenso wie sein Gegen­über wies er seine Spieler an, zwi­schen Abwehr und Mit­tel­feld keine zu großen Abstände auf­kommen zu lassen, in die der Mal-Wieder-Neu-Natio­nal­spieler Reus hätte stoßen können.

Sie sind zurück: Malo­chende Schalker

In der Rück­wärts­be­we­gung machten die Königs­blauen größ­ten­teils das, was das Kli­schee von einer Revier­mann­schaft erwartet: Sie arbei­teten. Um Glad­bachs schnelle Konter mit direkten Pässen zu ver­hin­dern (neu­deutsch One-Touch-Fuß­ball“), mussten die Angreifer und Mit­tel­feld­spieler den geg­ne­ri­schen Spiel­aufbau schon im Ansatz zer­stören. Im Mit­tel­feld waren die Schalker daher immer direkt am Gegner dran. 55% der Zwei­kämpfe gewann die auf Pres­sing im Mit­tel­feld aus­ge­legte Mann­schaft – ein sehr guter Wert. Auch Raul und Hun­telaar arbei­teten viel gegen den Ball. Letz­terer lief mit knapp zwölf Kilo­meter mehr als alle anderen Akteure auf dem Platz – eine unge­wöhn­liche Sta­tistik für einen Stürmer, was aber beweist, wie ernst er seine Defen­siv­auf­gaben nahm.

Beide Teams konnten durch enga­gierte Defen­siv­leis­tung ihre Angriffs­reihen neu­tra­li­sieren, Chancen waren auf beiden Seiten rar. In solch eng umkämpftem Spielen sind es meist die Stan­dard­si­tua­tionen, die den Unter­schied machen. Die Gast­geber wirkten nach ruhenden Bällen sou­ve­räner, und so waren sie es auch, die in der Fol­ge­zeit die größten Chancen hatten. Zweimal mussten die Fohlen“ nach Eck­bällen auf der Linie retten (11., 37.), ehe Raul eine schöne Frei­stoß­va­ri­ante mit dop­pelter Kopf­ball­ab­lage im Tor ver­senken konnte (64.).

Favre mit eigenen Waffen geschlagen

Die Borussia fand gegen wei­terhin beweg­liche und aggres­sive Schalker nicht mehr zurück ins Spiel. Die Gel­sen­kir­chener waren trotz des Europa-League-Spiels unter der Woche viel unter­wegs, am Ende hatten sie mit knapp 116 gelau­fenen Kilo­me­tern einen Top­wert (Glad­bach 112). Nach Abpfiff lobte Rang­nick seine Mann­schaft für das das beste Spiel gegen den Ball in dieser Saison“. Sie hatten die Fohlen“ in Favres urei­gener Kern­kom­pe­tenz geschlagen.

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Ball­be­sitz­sta­tis­tiken, Spiel­feld­ma­trixen und tak­ti­sche For­ma­ti­ons­wechsel – für manche Fans ein rotes Tuch, für Tobias Escher eine Lei­den­schaft. Zusammen mit seinen Kol­legen ana­ly­siert er die Taktik der Bun­des­li­gisten auf dem Blog Spiel​ver​la​ge​rung​.de.