Seite 2: Angela Merkel: „Gomez ist verletzungsanfällig“

In Wahr­heit war der Fuß­ball in Flo­renz natür­lich auch nicht anders als in Deutsch­land. Ab der ersten Minute: Druck. Das Grund­murren setzte schon ein, als Gomez im ersten Spiel gegen Catani frei vor dem Tor eine Chance vergab und auch im Europa-League-Spiel gegen die Gras­shop­pers Zürich ohne Treffer blieb. Kurz­zeitig ließ Gomez mög­liche Dis­kus­sionen ver­stummen, denn am zweiten Spieltag schoss er beim 5:2 gegen Genua zwei Tore. Doch dann kam das Spiel gegen Cagliari Calcio, die Ver­let­zung, die Dia­gnose: Innen­band­teil­riss und eine Zer­rung im rechten Knie. Später zog Gomez sich noch eine Seh­nen­ent­zün­dung zu, er fiel bis Februar 2014 aus, und seitdem ist die Maschine nie mehr richtig in Gang gekommen.

Fit wie ein Bestie“ – Wirk­lich?
 
Im März 2014, nach nur sechs wei­teren Spielen, ver­letzte sich Gomez erneut, diesmal machte ihm eine schwere Bän­der­deh­nung im Knie zu schaffen. Gele­gent­lich erin­nerte die Presse an die Worte des Ver­eins­arztes, der nach der medi­zi­ni­schen Unter­su­chung im Juli 2013 geur­teilt hatte, Mario sei fit wie ein Bestie“. Irgend­wann zitierten die Medien sogar Angela Merkel, die einst gesagt haben soll: Gomez ist stark, aber ver­let­zungs­an­fällig.“
 
Gomez allein in Flo­renz. Manchmal fuhr er nun in die tos­ka­ni­schen Wein­berge, denn er liebte die Natur. Manchmal ging er shoppen, denn er mochte die ita­lie­ni­sche Mode. Doch es waren bedrü­ckende Monate, und er machte alles mit ange­zo­gener Hand­bremse“, es gehe schließ­lich vor­nehm­lich darum fit zu werden. Über allem schwebten da die Erwar­tungen der Tifosi, bleiern und schwer. Gomez war ein 20-Mil­lionen-Euro-Ver­spre­chen.
 
Er ver­passte das Sai­son­fi­nale. Die WM. Die Nacht in Rio. Deutsch­land im Jubel­rausch. Und als er zurückkam, im Revan­che­spiel gegen Argen­ti­nien, pfiffen ihn die Fans beharr­lich aus. Also wieder zurück in Flo­renz. Dort hielten die Tifosi noch zu ihm, auch wenn sie sei­net­wegen nun keinen vio­letten Rauch mehr aus der Curva Fie­sole empor­steigen ließen und kaum noch jemand von einem Heils­bringer in Ado­nis­statur sprach. Er hatte sich sein seiner Umge­bung ange­passt und sah nun ein biss­chen aus wie die Serie A. Farblos, grau.

259 Tage ohne Tor
 
In der Saison 2014/15 absol­vierte Gomez zwölf Spiele in der Serie A. Nach drei Spielen ver­letzte er sich erneut am Ober­schenkel, und als er Ende November beim 4:0‑Sieg gegen Cagliari Calcio end­lich wieder traf, freute er sich kaum. Zu sehr nagten die Berichte, die Stim­mungen an ihm. In der Presse war in den Tagen zuvor zu lesen, dass er seit über 250 Tagen ohne Treffer sei. Das Tor gegen Cagliari fiel am 259. Tag. Dass von diesen 259 Tagen 200 Tage Som­mer­pause und Ver­let­zungs­zeit waren, stand nir­gendwo. Die Cor­riere della Sera“ schrieb hin­gegen, dass der Stürmer trotz seines Tores auf dem abstei­genden Ast“ sei. Wann würden sie anfangen zu pfeifen? Immerhin: Über seine Haare schrieb nie­mand.
 
Seit dem Tor gegen Cagliari sind wieder ein­ein­halb Monate ver­gangen. Am Sonntag gewann Flo­renz 4:3 gegen Palermo, Gomez spielte 90 Minuten glücklos. Immerhin berich­tete sein Trainer nicht nur von seinem eigenen Kar­rie­re­ende, son­dern erklärte auch, dass Gomez ein wich­tiger Spieler sei. Er erlebe nun gerade eine psy­cho­lo­gi­sche Blo­ckade – frei nach Andreas Brehme: Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“. Zu allem Über­fluss wurde über Twitter ges­tern auch noch eine Falsch­mel­dung über Gomez‘ angeb­li­chen Tod lan­ciert: Mario Gómez tot. Die Ange­hö­rigen bestä­tigen.“ Sie sorgte für kurz­zei­tige Ver­wir­rung im Netz.

Viel­leicht sollte Gomez es machen wie mit seiner Home­page, wo dieser Tage zu lesen ist: Die Seite wird gerade aktua­li­siert und auf den neu­esten Stand gebracht.“ Er müsste nur mal den Reset-Knopf finden, um die Maschine zu rebooten. Doch Gomez weiß auch: Der Fuß­ball hat für so etwas eigent­lich keine Zeit.