Es sollte eine große Feier werden. Und das Geburts­tags­kind hatte alles vor­be­reitet: Edles Eta­blis­se­ment, bunte Lichter, laute Musik, lus­tige Hüten. Am Ende wurde es genau das – und doch war es ganz anders. Cris­tiano Ronaldo trug tat­säch­lich einen Hut, er war golden, doch er passte ihm nicht. Der Gesang bei der Karaoke-Per­for­mance war schief, und die Lichter fla­ckerten wie auf einer schlechten Scheu­nen­fete durch den Raum. Cris­tiano Ronaldo, der beste Spieler der Welt, hatte sich für die Party zu seinem 30. Geburtstag einen denkbar blöden Zeit­punkt aus­ge­sucht – er fei­erte wenige Stunden nach einer his­to­ri­schen Schmach gegen den Stadt­ri­valen, der höchsten Nie­der­lage im Madrid-Derby seit der Saison 1987/88.

Teuf­li­sches Paar gegen Real Madrid
 
Atle­tico hatte Real am 7. Februar 2015 regel­recht aus­ein­an­der­ge­nommen. 4:0 hieß es am Ende, und die Presse fei­erte vor allem einen ehe­ma­ligen Bun­des­li­ga­spieler: Mario Mandzukic. Von einer Gala­vor­stel­lung“, schrieb die AS“, und die Marca“ erkor Mario Mandzukic und seinen Sturm­kol­legen Antoine Griez­mann zum neuen teuf­li­schen Paar“.
 
Mandzukic hatte gekämpft wie lange nicht mehr, er war gerannt, hatte den Rasen umge­pflügt, Bälle in Gassen gepasst, Bälle mit der Brust abge­legt, zwei Tore vor­be­reitet, das 4:0 per Flug­kopf­ball selbst erzielt. Am Ende sprang er in die Höhe, dann blitzte ein Lächeln über sein Gesicht. Wie ein kleiner Gruß nach Mün­chen. Denn Mario Mandzukic spielt diese Saison nicht nur für Atle­tico oder gegen Real. Er spielt auch, um es seinen alten Kri­ti­kern zu zeigen. Er spielt für Aner­ken­nung. Für dieses Effen­berg­sche Ich-hab’s‑allen-gezeigt“-Gefühl. So war das immer schon.

Kann Mandzukic gehen? Joa, eigent­lich scho!“
 
In Mün­chen hatte er zwei Jahre ver­geb­lich ver­sucht, die Bayern-Granden von seinem Können zu über­zeugen. Er schoss 15 Tore in der ersten Saison, 18 Tore in der zweiten. Ins­ge­samt kam er wett­be­werbs­über­grei­fend auf 48 Tore. Er schoss das 1:0 im Cham­pions-League-Finale 2013 gegen Borussia Dort­mund, holte den DFB-Pokal und zweimal die Meis­ter­schaft. Und doch stand der Abschied aus Mün­chen stand lange fest. Eigent­lich schon ab dem Zeit­punkt, als Robert Lewan­dow­skis erst­mals Inter­esse an einem Wechsel zum FC Bayern signa­li­sierte. Irgend­wann Anfang 2013 – da stand Mandzukic gerade mal ein halbes Jahr beim Rekord­meister unter Ver­trag.
 
Beim FC Bayern äußerte man sich sogar recht offen zu der Per­so­nalie. Als sei Mandzukic eh nie mehr als ein Über­gangs­stürmer gewesen. Auf die Frage, ob der Stürmer nach der Ankunft Lewan­dow­skis seine Koffer packen könne, ant­wor­tete Franz Becken­bauer auf die ihm eigene Art: Joa, eigent­lich scho.“
 
Mandzukic wusste, dass es so kommen würde. Er wusste, wie es all den Tor­jä­gern mit den Super­quoten vor ihm ergangen war. Mario Gomez, 115 Spiele, 75 Tore. Roy Makaay, 129 Spiele, 78 Tore. Selbst Gio­vane Elber, 162 Spiele, 92 Tore. Irgend­wann, nach zwei oder drei oder fünf Jahren, wird man an der Säbener Straße unruhig. Geht es noch besser? Gibt es da einen, der noch mehr mit­spielt? Der eher ins neue System passt? Der noch mehr Tore schießt? Der ulti­ma­tive Bomber?