Zum ersten Mal seit knapp vier Jahren fand das Stadt­derby in Rom zwi­schen Lazio und AS ges­tern wieder in den Abend­stunden statt. Das war das Resultat zäher Ver­hand­lungen zwi­schen den beiden Prä­si­denten der jewei­ligen Ver­eine und dem Poli­zei­chef der ita­lie­ni­schen Haupt­stadt über die Sicher­heits­vor­keh­rungen rund um das Spiel. Diese waren nach schweren Aus­schrei­tungen um das Derby della Capi­tale“ im April 2013 heftig ver­schärft, die Begeg­nung in den letzten Jahren nur tags­über ange­pfiffen worden.

Das Hin­spiel des Halb­fi­nals der Coppa Italia im Stadio Olim­pico endete diesmal mit 2:0 für Lazio. Doch wie schon so häufig in der Ver­gan­gen­heit rückte das Sport­liche einmal mehr in den Hin­ter­grund: Wäh­rend der gesamten 90 Minuten wurde Roma-Ver­tei­diger Antonio Rüdiger aus­ge­pfiffen und ras­sis­tisch belei­digt in Form von soge­nannten Affen­lauten und anderen Dif­fa­mie­rungen.

Wäh­rend der deut­sche Natio­nal­spieler nicht auf die Dif­fa­mie­rungen reagierte und auch nach dem Spiel keinen Kom­mentar abgab, sagte Rüdi­gers Mit­spieler Kevin Strootman: Ich habe die Belei­di­gungen gehört, das ist immer schlimm.“ Der Ver­band müsse zwin­gend darauf reagieren. Lazio-Trainer und ‑Ikone Simone Inz­aghi ver­ur­teilte die ras­sis­ti­schen Aus­fälle eben­falls, gab aber an, sie nicht gehört zu haben. Etwas ver­wun­der­lich, hatte der Sta­di­on­spre­cher die Tifosi doch auf­ge­for­dert, die Dif­fa­mie­rungen zu unter­lassen und sogar mit einem Spiel­ab­bruch gedroht.

Alle auf Rüdiger

Für Rüdiger war es schon das zweite üble Erlebnis im Rahmen des Römer Derbys. Nach dem Auf­ein­an­der­treffen im Dezember hatte Lazios Senad Lulic über ihn gesagt: Vor zwei Jahren hat er in Stutt­gart noch Strümpfe und Gürtel ver­kauft, jetzt spiel er sich als das Phä­nomen auf.“ Der Liga­ver­band sperrte den Bos­nier dar­aufhin für 20 Tage.

Die Epi­soden gegen Rüdiger sind aller­dings nur die letzten einer Serie ras­sis­ti­scher Vor­fälle mit Betei­li­gung von Lazios Fans. Die Irri­du­ci­bili“, Lazios größte Fan­gruppe, sind ein­deutig neo­fa­schis­tisch, bekennen sich öffent­lich zu ihrer Men­schen­feind­lich­keit und ver­ehren Ita­liens faschis­ti­schen Ex-Dik­tator Benito Mus­so­lini.

Auf einem Trans­pa­rent begrüßten sie die Roma-Anhänger 1999 mit den Worten Auf­sch­witz ist eure Heimat, die Öfen euer zu Hause.“ Zwei Jahre später bezeich­neten sie AS-Fans eben­falls auf Trans­pa­renten als Juden­fans“ und den Gegner als Neger-Mann­schaft.“