Seite 2: „In dem Moment… richtiges Scheißgefühl“

Was ging Ihnen in dem Moment des Elf­me­ters durch den Kopf.
See­gert (deutet ein Auf­stehen an): Ich gehe mal Salz holen, dann können Sie mir das direkt in die Wunde streuen.

Ent­schul­di­gung.
See­gert: Als ich ange­treten bin, hatte ich weder ein richtig gutes noch ein schlechtes Gefühl. Ich bin hin­ge­gangen und habe mir gesagt: Rechts unten, so hab ich es im Trai­ning trai­niert. Ich ver­suchte es best­mög­lich zu machen. Ich lauf‘ an, dann hat der Tor­wart die Hand dran, hat den Ball an den Innen­pfosten gelenkt und in dem Moment… rich­tiges Scheiß­ge­fühl.

Wie ist die Stim­mung in einem Mann­schaftsbus, nach einem ver­lo­renen Elf­me­ter­schießen in der Rele­ga­tion?
See­gert: Da wurde kein Wort gespro­chen. Sieben Stunden. Jeder hat vier-fünf Bier getrunken, kein Wort gespro­chen, ein­fach nur zuge­schüttet. Bus leer, alle weg.
Scholz: Da willst du keinen mehr sehen.
See­gert: Diese sieben Stunden waren so qual­voll.

Wenn man dreimal ver­liert, ist das dann mehr als Pech?
Scholz: Zweimal haben wir ein­fach die Tore nicht gemacht. Gegen Lotte war ich ver­letzt, aber da war der Druck von außen viel­leicht etwas zu groß.
See­gert: Ein Spiel hat ja immer eine gewisse Dynamik. Wir hatten gegen Lotte zu Beginn eine Rie­sen­chance. Die erste Vier­tel­stunde hatten wir alles im Griff. Und dann haben wir im Rück­spiel einen Dop­pel­schlag bekommen. Dann beginnt es im Kopf zu arbeiten.

In dieser Saison haben Sie gleich am ersten Spieltag ver­loren. Denkt man da: Jetzt fängt die Scheiße schon wieder an?
Scholz: Nein, wir hatten viele neue Jungs im Kader. Wir sind in die Video­ana­lyse gegangen und haben es ab dem zweiten Spieltag kor­ri­giert.

Sie sind mit 21 Punkten Vor­sprung Meister der Regio­nal­liga Süd­west geworden. Wieso haben Sie dieses Jahr domi­niert?
Scholz: Weil wir es kon­stant auf den Platz bekommen haben. Das haben die anderen zum Glück nicht. Wir sind 27 Gestörte, die sich ganz gut ver­stehen.
See­gert: Es ist ein­fach eine funk­tio­nie­rende Mann­schaft. Ich bin erst im Winter wieder dazu­ge­kommen.
Scholz: Eigent­lich war er häu­figer hier als in Sand­hausen.
See­gert: … Ich bin ja hier groß­ge­worden. Mir fiel es auch total leicht, wieder Teil sein zu dürfen. Das macht natür­lich extrem viel aus. Und ganz wichtig: Auf Mal­lorca ist wieder jeder dabei.

Was steht für Sie stell­ver­tre­tend für diese Saison?
Scholz: Das Hin­spiel in Saar­brü­cken. Da hab ich gedacht, dieses Jahr geht einiges. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass wir ver­lieren. Und auch zwei Gegen­tore hätten diese Mann­schaft ein­fach nicht umge­hauen.

Aber dieses Gefühl dürften Sie in den letzten Jahren doch einige Male gehabt haben.
Scholz: Ja das stimmt. Aber dieses Jahr möchte ich mal einen her­vor­heben: Valmir Sulej­mani. Das ist unser Fuß­ball­gott vorne drin, den hatten wir in den drei Jahren zuvor nicht. Der ist so eis­kalt, die engen Spiele hat er meist allein ent­schieden.

Was erwarten Sie sich eigent­lich von der 3. Liga?
See­gert: Stär­kere Gegner. Volle Sta­dien. Und richtig geile Derbys. Allein auf dem Bet­zen­berg in Kai­sers­lau­tern zu spielen. Aber auch 1860 Mün­chen, Ros­tock, die Aus­wärts­fahrten. Das wird bestimmt geil, wenn man mal sieben Stunden zurück­fährt und einen Sieg im Gepäck hat. (über­legt.) Stimmt, gegen Meppen spielen wir auch nochmal. Da werde ich ankommen und dann werde ich dem rechten Pfosten Hallo“ sagen.

Die kom­plette Geschichte, wie Waldhof Mann­heim nach zahl­rei­chen Rück­schlägen in die 3. Liga zurück­kehrte, findet ihr in Aus­gabe 211. Ab jetzt am Kiosk oder hier im Shop.