Wie es sich für kri­ti­schen Qua­li­täts­jour­na­lismus gehört, beschäf­tigt jedes kri­ti­sche Qua­li­täts­jour­na­lismus-Medium seine eigene kleine Clara Boie, die dann in unre­gel­mä­ßigen Abständen von ihrem kri­ti­schen Qua­li­täts­jour­na­listen-Vor­ge­setzten den Auf­trag erhält, verbal ein­fach mal ein wenig quer zu schießen” und ruhig etwas gegen den Strich”, mal halt was unkon­ven­tio­nell gegen die land­läu­fige Mei­nung” zu schreiben, um dem Anspruch gerecht zu werden, nicht nur Qua­li­täts­jour­na­lismus, son­dern sogar kri­ti­schen Qua­li­täts­jour­na­lismus zu betreiben.

Klas­si­scher­weise ver­sucht sich bei einem dem Kli­schee nach eher männ­lich besetzten Thema” wie Fuß­ball idea­ler­weise eine kri­ti­sche Qua­li­täts­jour­na­listin daran, weil der gemeinen kri­ti­schen Qua­li­täts­jour­na­listin die pro­vo­kante Quer­denker-Pose ein­fach noch besser steht als ihren männ­li­chen kri­ti­schen Qua­li­täts­jour­na­listen-Kol­legen.

Bei der TAZ mußte diese Woche Jutta Heess in den sauren Quer­denk-Apfel beißen – sie erläu­tert uns ent­spre­chend ein­drucks­voll und ins­be­son­dere am Bei­spiel von Arminia Bie­le­felds aktu­ellem Höhen­flug, daß diese Bun­des­li­ga­saison ein­fach nur tot­lang­weilig werden kann:

Unter­ir­disch über­flüssig
Bun­des­liga? Zum Gähnen! (…)
Es ist lang­weilig. Diese Bun­des­liga-Saison wird uns nicht vom Bar­ho­cker reißen. (…) Und dann so ein über­flüs­siges Spiel wie Bie­le­feld gegen Hertha! Schön daran ist einzig, dass in der Ber­liner Kneipe wieder mal alle Gäste für Bie­le­feld klat­schen. (…) So döst eine Fuß­ball­kneipe an einem schwülen Sams­tag­nach­mittag vor sich hin und man fragt sich, warum man nicht an den See oder sonst wohin gefahren ist. Einzig kleine Kurio­si­täten am Rande scheinen die Runde etwas zu bewegen: zum Bei­spiel das put­zige Eis­ho­ckey-Frei­stoßtor aus dem Straf­raum des Bie­le­fel­ders Mas­ma­nidis. (…) Und am Ende: steht ein Verein wie Bie­le­feld auf Tabel­len­platz zwei und spielt nächste Woche gegen Duis­burg. Na klasse.

(Quelle: Jutta Heess / taz​.de)