Eigent­lich hätte sich Alex­ander Nübel mächtig ärgern können, als der fei­ernde Luka Jovic an ihm vor­bei­rannte. Die neue Nummer Eins auf Schalke ist mit gerade einmal zwölf Bun­des­li­ga­ein­sätzen bereits für seine her­aus­ra­genden Reflexe berüch­tigt. Wie schon gegen Han­nover zuckten Nübels Hände auch gegen die Frank­furter wieder und wieder in die rich­tige Rich­tung. Doch in der aller­letzten Minute kam ihm eine andere Hand zuvor: Die von Daniel Cali­giuri. Wes­halb Schieds­richter Sascha Ste­ge­mann gezwun­ge­ner­maßen nur der Elf­me­ter­pfiff blieb. Anlauf. Tor. Und der Jovic-Jubel­lauf.

Nie allein

In diesen Sekunden waren all die Glanz­pa­raden Nübels ega­li­siert, Schalke stand zum 16. Mal in der Saison ohne Punkte da. Von Wut war im Gesicht des 22-Jäh­rigen nichts zu sehen, viel­mehr blickte er kon­ster­niert seine Kol­legen an. Wie konnte das noch pas­sieren?

Nun heißt es oft, das Fuß­ball­ge­schäft sei kalt und schnell­lebig. Wer mit sol­chen Momenten hadere, könne direkt seine Tor­wart­hand­schuhe behutsam in seine Sport­ta­sche legen und die letzten Spiel­tage vor dem Fern­seher ver­bringen. Doch Alex­ander Nübel wird in sol­chen Momenten nicht allein gelassen. Dann wird ein, auf den ersten Blick, unschein­barer Mann zu einem ent­schei­denden Faktor im Gel­sen­kir­chener Mann­schafts­ge­füge: Schalkes dritter Tor­wart Michael Langer.

Kein Abwarten und Tee trinken

Noch bevor Langer nach sol­chen emo­tio­nalen Schluss­mi­nuten mit seiner Arbeit beginnen kann, muss er seine eigene Auf­re­gung erst einmal her­un­ter­fahren. Ich fie­bere da extrem mit. Das hat bei mir nicht wirk­lich was mit genießen zu tun. Bei mir ist eher so, dass ich mehr leide, als wenn ich selber auf dem Platz stehe“, sagt Langer. Vor einigen Wochen gab Eng­lands ehe­ma­liger Natio­nal­tor­hüter Robert Green ein Inter­view über seine Dasein als dritter Tor­hüter des FC Chelsea. Er sprach dar­über, wie er die meisten Spiele erlebe – nach dem gemein­samen Auf­wärmen ver­schwindet Green direkt in den Kata­komben, um sich dann frisch geduscht bei einer Tasse Tee das Spiel anzu­schauen.

Ganz anders bei Michael Langer, 34, der mit so viel Empa­thie das Geschehen ver­folgt, dass jedes Heiß­ge­tränk in seiner Hand dau­er­haft in Gefahr wäre, ver­se­hent­lich über der gesamten Loge ver­schüttet zu werden. Dann springe ich auf, da lebe ich mit. Das ist unser Ding in der Tor­wart-Gruppe, wir unter­stützen uns, als hätten wir den Ball selber gehalten.“