Alle nervt es, nie­mand sagt etwas: Bezahl­sys­teme im Sta­dion – was auch immer das sein soll. Denn das ein­zige, was sys­te­ma­tisch betrieben wird, ist die Abzocke der Fans. Für sie bedeutet die Lust auf Wurst und Bier näm­lich eine Odyssee des War­tens und Anste­hens, wie es sie nur in Kauf­häu­sern kurz vor Weih­nachten gibt. 

Anstehen, um Bar­geld auf eine Chip­karte zu laden. Anstehen, um Bier und Wurst zu kaufen, um dann fest­zu­stellen, dass es Bier und Wurst an getrennten Schal­tern gibt. Und schließ­lich Anstehen für die Rück­gabe der Chip­karte, nur um dann ein Rest­geld so krumm wie Litt­barskis Beine zurück­zu­be­kommen. Erst ist es nur Stress, dann kommt auch noch Hass dazu. Laut einer gemein­samen Ana­lyse von Ver­brau­cher­zen­tralen und der ARD, ver­diente Bayern Mün­chen in der Saison 2010 mit ver­fal­lenen Rest­gut­haben der Fans 2,4 Mil­lionen Euro. 

Wie so etwas funk­tio­niert? Es beginnt mit zehn Euro Pfand, die man in Wolfs­burg allein für die Chip­karte hin­blät­tert. Es geht weiter mit zehn Euro Min­dest­auf­la­dung beim FC Augs­burg, wo man erst an der Trink­bude im Gäs­te­block erfährt, dass es nur Light-Bier-Plörre gibt. Es endet mit 4,20€ für ein Bier bei Ein­tracht Frank­furt, wo man bereits beim Kauf weiß, dass die rest­li­chen 80 Cent auf der Chip­karte nicht einmal für eine erbärm­liche Tüte Chips rei­chen werden. 

Apps und gol­dene Nasen

Am Ende dieser kuli­na­ri­schen End­los­schleife hat man auf eine wei­tere dreißig-Meter-Schlange ein­fach keinen Bock mehr. Die 80 Cent bleiben auf der Karte. Bis zum nächsten Mal – falls es ein nächstes Mal gibt, und falls die Chip­karte dann noch gültig ist. 

Ein schnelles Blondes mit Senf­peit­sche vor Spiel­be­ginn ist daher ebenso undenkbar wie die rei­bungs­lose Rück­gabe der Trink­be­cher hin­terher. Doch es gibt Hoff­nung! In Frank­furt soll es bald eine App geben, um die Pro­bleme der langen War­te­zeiten zu umgehen. Und in Mün­chen ver­weist man darauf, dass die Chip­karte mit Rest­gut­haben sogar das Hand­ling“ im Park­haus ver­ein­facht. Danke.

Gezahlt wird der ganze Humbug mit Jus­tpay-Cards, Girogo-Cards, KARO­CARDS, LEW Cards oder ich-schmeiß-den-Scheiß-jetzt-weg-Cards. Am besten gar nicht dar­über nach­denken, sagen sich die meisten. Doch wenn sich Bun­des­liga-Klubs mit den Rest­gro­schen der Fans gol­dene Nasen ver­dienen, stellt sich nicht nur die Frage der Wett­be­werbs­ver­zer­rung. Es ver­deut­licht offen­kundig das sys­te­ma­ti­sche Abzo­cken der eigenen Zuschauer. Und das muss auf­hören.